Beiträge von antifarendsburg

Kevin gegen Deutschland? Gedanken über eine rassistische Hetzkampagne

Wer in den letzten Tagen die deutsche Boulevardpresse und die Welle der Empörung im Internet verfolgt hat, wird schon wissen worum es geht – um das Foul von Kevin-Prince Boateng an Michael Ballack, vor allem aber um die Reaktionen darauf. Es soll hier nicht darum gehen, ein Foul an einem zufälligerweise deutschen Spieler als quasi fortschrittliche Handlung abzufeiern, sondern um eine differenzierte Betrachtung. Zuerst zu den Fakten: Der Fußballer Kevin Boateng hat Michael Ballack bei einem Fußballspiel ziemlich rüde von den Beinen geholt und dafür zu Recht eine gelbe Karte gesehen. Hätte der Schiedsrichter eine Absicht hinter dem Foul erkannt, dann hätte Boateng die rote Karte sehen müssen, der Schiedsrichter hat keine Absicht gesehen und auch nach mehrmaligem Ansehen der Szene, maßt sich der Autor nicht an, bei dem Foul Absicht zu unterstellen. Es war vielmehr ein Foul, wie es in den meisten Fußballspielen vorkommt. Leider hat sich der gefoulte Spieler bei dem Foul verletzt. Das ist unschön, aber auch das kommt gelegentlich vor. In spaßiger Runde auf dem lokalen Bolzplatz wird in aller Regel probiert solche Fouls zu vermeiden. In einem Geschäft wie Profifußball, wo der finanzielle Erfolg ähnlich wichtig ist, wie der sportliche, ist es nur logisch, dass mit vollem Einsatz gespielt wird – zumal in einem Pokalfinale, wo es für Spieler und Vereine um nicht unwesentliche Mehreinnahmen geht. Unter anderem auch für das Risiko ihre Knochen hinzuhalten, werden Profifußballer mit außerordentlich hohen Gehältern bezahlt.
Warum also schlägt Boatengs Foul so hohe Wellen, nicht aber das Foul von Torsten Frings an Bastian Schweinsteiger im deutschen Pokalfinale? Frings hätte – nach Ballacks Verletzung erst Recht – die ernsthafte Chance noch bei der Weltmeisterschaft anzutreten, wenn er Schweinsteiger verletzt, Frings sah für sein Frustfoul zu Recht die rote Karte.
Die Hetze gegen Boateng muss also anderweitig motiviert sein, als rein sportlich.
Hierfür ist vielleicht Blick auf Boatengs Hintergrund wichtig: Als Sohn eines Ghanaers in einem Brennpunkt von Berlin aufgewachsen, passt er in das klischeehafte Zerrbild, das viele Deutsche von Migrant_Innen haben. Ein unbestreitbar brillanter Fußballer, den der Boulevard noch 2006 zum „schwarzen Rahn“ erklärte, weil er entfernt mit Helmut Rahn verwandt ist, dem Schützen des entscheidenden Tores für die BRD im WM-Finale 1954. Schon dieser Beiname beweist, dass es dem deutschen Boulevard nicht um den Fußballer Boateng an sich geht, sondern er eine Projektionsfläche für die deutsche Identität ist. Boateng selbst kam mit dem Geschäft Profifußball anscheinend nicht allzugut klar, tanzte aus der Reihe, trat betrunken Autospiegel ab, verhielt sich nicht wie andere glattgeschliffene Profis. Im Grunde genommen ein sympathischer Zug, sich seine Persönlichkeit im Profifußball zu bewahren und sich nicht zu verhalten, wie ein durchgestyltes Imagekonzept vorgibt. Nun hat Boateng auch noch einen Bruder, Jeromé, der in einem etwas „besseren“ Teil Berlins aufgewachsen ist und eher dem glattgebügelten Fußballprofi entspricht.
Beste Bedingungen dafür, hier alle Vorurteile gegenüber Migrant_Innen zu bedienen und Kevin-Prince zum Brutalofußballer par excellence zu stilisieren, fast vergleichbar mit jugendlichen „U-Bahnschlägern mit Migrationshintergrund.“ Hier kann sehr einfach die typische Unterscheidung zwischen „guten“ und „bösen“ Migrant_Innen vorgenommen werden. Im Gegensatz zu seinem Bruder, wurde bei Kevin-Prince auch recht bald klar, dass er nicht ins DFB-System passt und daher keine Chancen hat, für die deutsche A-Nationalmannschaft zu spielen. Er entschied sich daher, für Ghana anzutreten und kann mit Ghana wohl zur WM fahren. Aufgrund dieser Tatsache wird ihm nun von diversen Seiten beim Foul gegen Michael Ballack der Wille unterstellt, diesen zu verletzen, um Deutschland für die WM zu schwächen (unabhängig davon, ob der Ausfall Ballacks das DFB-Team wirklich schwächt, was autorenseitig stark bezweifelt wird). Wie absurd dieser Gedankengang ist, wurde ja bereits oben und am Vergleich mit dem Foul von Torsten Frings dargelegt. Was folgte war eine massive Hetzkampagne gegen Boateng. Die von der Presse geschürten Behauptungen trafen auf fruchtbaren Boden und im Internet fanden sich schnell allerlei Hasstiraden gegen Boateng, innerhalb kürzester Zeit traten über 70.000 Leute einer Boateng-Hassgruppe im sozialen Netzwerk Facebook bei.
Diese Ausmaße des Hasses auf Boateng, belegen das, was Kritiker_Innen des deutschen Nationalismus schon bei der WM 2006 äußerten: Nationaler Taumel ist ohne Ausgrenzung nicht zu haben. Kam es schon 2006 und 2008 zu rassistisch motivierten Übergriffen im Rahmen von Spielen der DFB-Elf, hat die Hetze gegen Boateng trotzdem eine andere Dimension: Sie beweist, dass es immernoch möglich ist, dass die Boulevardpresse mit rassistischen Argumenten eine Menge Deutsche mobilisiert, dass es den unbeschwerten Patriotismus ohne chauvinistischen Unterton so nicht gibt.

Love football (or hate it, if you want) – hate fascism (more)!
Don‘t fight Ballack – fight the racist game!
Rassisten blutgrätschen!

Solidarität mit dem Buchladen Zapata

Wir dokumentieren eine PM des Kieler Buchladens Zapata:

„Pressemitteilung des Buchladen Zapata

DerBuchladen Zapata wurde erneut Ziel eines nächtlichenNaziangriffs.

Nochnicht einmal sind alle Schäden des letzten Angriffs vom18.02.2010 beseitigt, da fliegen weitere Steine in dieSchaufensterscheiben im Jungfernstieg.

AmAbend des 09.05.2010 gegen 23 Uhr 30 durchbrachen drei großeSteine, geworfen von drei Personen, die Scheiben. Die Gewalt desWurfs zerbrach nicht nur Glas, sondern diesmal wurden auch Bücherund Lampen im Laden zerstört. Im Unterschied zum letzten Malwurden die Täter von mehreren Personen gesehen, als sie sichschnell entfernten und in einem Auto wegfuhren, dessen Kennzeichenvon einem der Zeugen erkannt und der Polizei mitgeteilt wurde.Gerüchten zufolge ist ein Wagen mit diesem Kennzeichenpolizeilich bekannt als Fahrzeug aus der Nazi-Szene.
Nichtganz zufällig am Tag nach dem Jahrestag der Befreiung vomFaschismus am 08.05.1945 geht eine neue Welle der Gewalt von derbraunen Szene in Kiel aus. Auch im Wohnprojekt am Timmerberg richtetedie Zerstörungswut der Nazis große Schäden an, wie imBuchladen größere, als es bisher jemals der Fall war. DieEntwicklung zeigt, dass sich die Nazis immer sicherer fühlen undmit immer stärkerem Gewaltpotential vorgehen: selbst vorSchüssen mit scharfer Waffe schreckten sie nicht zurück,als sie im Januar die Alte Meierei angriffen. Doch dieses Mal wiegtensie sich zu sehr in Sicherheit: die relativ frühe Uhrzeit, dieZeugen, die sofort die Polizei riefen, und der bekannte Wagen lassenschließen, dass sie nicht ungeschoren davonkommen werden. EineEinstellung der Ermittlungen kann sich die Staatsanwaltschaft indiesem Fall nicht leisten.
DieHäufung derartiger Vorkommnisse, die immer kürzerenAbstände dazwischen und das ansteigende Gewaltpotential sindZeichen einer Entwicklung, der mehr als dringend und mit vereintenKräften entgegengetreten werden muss. Nazis und ihremenschenverachtende „Weltanschauung“ haben in dieser Gesellschaftnichts zu suchen!

Kiel,09.05.2010 (us)“

8. Mai – Befreiungsparty in der T-Stube

Antifa-Infotelefon

Aufgrund diverser Vorfälle mit Nazis in letzter Zeit, haben wir uns entschieden, eine telefonische Infonummer einzurichten.
Wenn ihr Nazis in der Stadt seht, die Flyer verteilen, irgendwo Nazisprühereien aufgetaucht sind, die ganz schnell beseitigt
gehören, oder bei anderen Dingen, für die das Medium E-Mail zu langsam ist: Ruft uns an! Sollte einmal niemand ans Telefon
gehen können, könnt ihr uns selbstverständlich auch eine SMS schreiben. Wenn ihr bei wichtigen Dingen telefonisch informiert
werden wollt, dann könnt ihr uns auch eure Handynummer in die Hand drücken und erhaltet im Fall von Nazi-Aktivitäten
dann hoffentlich rechtzeitig einen Anruf oder eine SMS von uns. Die Telefonnummer des Antifa-Infotelefons ist:

01578/6550097

Ihr findet die Nummer auch am linken Rand der Homepage oder im Kontakt-Bereich.
Antifa-Infotelefon

Nazis verteilen Flyer in Büdelsdorf

Etas 7-8 Nazis der „Freien Nationalisten Rendsburg“, ergänzt um Roland Siegfried Fischer aus Kiel und Julia Molter mit Schleswiger Kennzeichen, verteilten gestern, am 3.4., Hetzpamphlete vor dem Büdelsdorfer Einkaufszentrum Rondo. Genau vor einem Jahr war die Nazigruppe um Sebastian Sommer das erste Mal öffentlich in Erscheinung getreten, damals noch als AG Rendsburg. Lobend wollen wir festhalten, dass die über die Aktivitäten der Nazis informierte Geschäftsleitung des Rondo bemüht war, die Nazis so schnell wie möglich des Platzes verweisen zu lassen. Nach einer zuerst verbalen Auseinandersetzung mit einer Gruppe Antifaschisten, beschlossen die Nazis in die Offensive überzugehen und die Antifaschisten über den Parkplatz des Einkaufszentrums jagen zu wollen. Begleitet wurde dieser Versuch von der Aussage Roland Siegfried Fischer: „Den schnappen wir uns“ und vom Gepöbel eines Boneheads, der verkündete: „Ich mach euch richtig lang.“ Diese Reaktion der Nazis war sicher nicht zwingend vorauszusehen, aber zumindest zu erwarten. Da genügend Passant_Innen diese Szenerie beobachten konnten, war für die Nazis an eine weitere Durchführung der Aktion, zumindest in bürger_innennahem Auftreten, natürlich nicht mehr zu denken. Es letztendlich nicht zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit den in Überzahl agierenden Nazis kommen zu lassen, ist die aus unserer Sicht völlig richtige Entscheidung. Die Gruppe Antifaschisten wäre durchaus in der Lage gewesen sich angemessen zu verteidigen, eine Massenschlägerei, mit Verletzten auch auf unserer Seite, war aber absolut nicht unsere Zielsetzung, ebensowenig wie möglicherweise verletzte Passant_Innen, beim Einsatz von Abwehrsprays direkt vor der Tür eines Einkaufszentrums. Vielmehr war das Ziel, die Nazis nicht ungestört ihre Propaganda verteilen zu lassen. Das ist letztendlich vor allem geglückt, weil die FNRD in üblicher Bratzenmanier lieber uns hinterhergesprintet ist, als weiterhin Flyer zu verteilen. Gerüchteweise hat sich Roland Siegfried Fischer dabei nicht nur die Augen gerieben, weil er über die mangelnden Sprintkünste des Kameraden Sebastian Sommer erstaunt war. Die Anzahl erfolgreicher zuende geführter Verteilaktionen vor Einkaufszentren verbleibt für die Nazis daher bei Null.

Auch wenn das krass übersteigerte Männlichkeitsbild der Nazis einen solchen Schluss wahrscheinlich nicht zulässt: Die meisten Situationen lassen sich mit Köpfchen besser klären, als mit Quarzsandhandschuhen. Dennoch können wir eine Aktion nicht als Erfolg werten, in deren Rahmen Nazis in organisierter Art und Weise probieren Antifaschisten anzugreifen. Zu besorgniserregend ist die Tatsache, dass Nazis nicht nur in größeren Gruppen auftreten, sondern diese auch noch nutzen können, um Menschen anzugreifen. Einmal mehr wurde gestern deutlich, was immer Inhalt neonazistischer Ideologie war und bleiben wird: Gewaltausübung als oberstes Ziel.

April, April!

Die Meisten werden es sicher geahnt haben, die Rendsburger Nazis haben sich zu früh gefreut, unsere gestrige Stellungnahme war selbstverständlich nur dem gestrigen Datum zu verdanken und wir werden uns auch weiterhin bemühen, das Leben für Nazis, Rassisten und andere Arschlöcher so schwer wie möglich zu machen. Wir wünschen allen ein tolles, langes Wochenende und beenden das ganze mit einem kleinen „Pressespiegel“:

Keimfrei: „Ich hatte kurzzeitig Hoffnung.“

AARD ist tot, es lebe, ja was lebe denn?

Nach einem über Monate andauernden Kriseln unserer Gruppe, haben wir nach einer langen Krisensitzung die Entscheidung getroffen, die Gruppe in ihrer bisherigen Form aufzulösen.
Das Fehlverhalten einiger Mitglieder nahm über Monate hinweg Ausmaße an, die für uns – als politisch aktiv verbleibenden Rest – nicht mehr weiter tolerierbar wurden. An vorderster Stelle der Freizeitgestaltung stand der Alkoholkonsum inklusive damit verbundener Ausfälle und einige Gruppenmitglieder waren am Wochenende sogar im Cheyenne anzutreffen.
Die zahlenmäßig größere Mehrheit der Gruppe, besteht darauf, auch unseren bisher gemeinsamen Internetauftritt weiterzuführen – da wir allerdings noch die Passwörter haben, erhalten sie die Seite im für die neue Gruppe angemessenen Design. Wir, als besseres Achtel der Gruppe, überlegen uns weiterhin, unter welchem neuen Namen wir unsere politische Arbeit weiterführen.

AARD, Frühjahr 2009

Woka, Woka: Nazis auffressen, z.B. Samstag in Lübeck!

Bei Basta Linke Jugend gibt es ein Antifa-Pacman zum Download um schonmal für den Naziaufmarsch in Lübeck zu üben.
Wer als erstes einen Screenshot vom bestandenen Level 256 macht, kriegt 10 Freibier bei einem T-Stuben Konzert nach Wahl.

Malerei in Gedenken an David und ein weiteres Fundstück

Beim gemütlichen Schlendern durch die Innenstadt fand ein Mitglied des Autor_Innenteams eben 2 Sprühereien in einer Unterführung nahe des Schiffbrückenplatzes. Die eine forderte schlicht dazu auf, mal wieder eine nervige Notwendigkeit zu erledigen:

Die zweite Sprüherei schien sich explizit auf den Sonntag in Abschiebehaft in den Tod getriebenen Jugendlichen David zu beziehen:

Heute Abend: Demo gegen Grenzen

Wir dokumentieren einen Aufruf aus Hamburg:

Abschiebung ist Mord!

Der 17-jährige David starb am Sonntag im Hamburger Gefängniskrankenhaus.Nachdem er bereits tagelang jegliche Nahrung verweigert hatte, wurde er dort „tot aufgefunden“. Er hatte sich erhängt. Der aus Georgien stammende David war ohne seine Erziehungsberechtigten eingereist und saß bereits seit Februar in Abschiebehaft, in die er als Jugendlicher eigentlich nicht gehörte.

Es gibt keinen Freitod hinter Gittern!

+ Wir fordern die sofortige Abschaffung von Abschiebehaft.

+ Wir fordern ein sicheres Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnis für alle Menschen, die in Deutschland leben.

+ Wir fordern die Abschaffung aller Sondergesetze für Nichtdeutsche, vor allem die Residenzpflicht für Flüchtlinge und das Asylbewerberleistungsgesetz.

+ Gerade Minderjährige Unbegleitete Flüchtlinge brauchen besonderen Schutz. Der Umgang mit ihnen soll sich an Kinderrechten und dem Kindswohl orientieren und nicht an rassistischen Ausländergesetzen

Make Borders History!

Demo: Dienstag 9.3.2010
18.00 Sternschanze

Es rufen auf: Flüchtlingsrat Hamburg, Café Exil, Sportallee-Infomobil, Avanti — Projekt undogmatische Linke, GEW-Studis