Beiträge von antifarendsburg

SPAM, SPAM, SPAM – Reflektionen über eine einseitige Brieffeindschaft. Oder: Vorladungen aus dem K5 in RD und Kiel.

SPAM, SPAM, SPAM – Reflektionen über eine einseitige Brieffeindschaft.
Oder:  Vorladungen aus dem K5 in RD und Kiel.

In den letzten Tagen flatterten einigen Menschen in Rendsburg und Kiel Vorladungen aus dem K5, der Staatsschutzabteilung der schleswig-holsteinischen Polizei, ins Haus. Die Liste der Vorwürfe darin ist so lang wie lächerlich: Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, unerlaubtes Abhalten einer Versammlung und unerlaubte Kontaktaufnahme mit Gefangenen.
An dieser Stelle der Vorschlag an die Lesenden, sich ein Szenario vorzustellen, dass es möglich macht, diese Tatvorwürfe zu kombinieren. Gewaltsames Eindringen in eine JVA und anschließend ein Loch in die Mauer gesprengt? Militante Aktionen, um unsere Gefangenen aus dem Knast zu holen sind in den letzten Jahrzenten leider sehr rar und so konnte sich keine_r der Betroffenen erinnern, in diesem Leben an so einer Aktion beteiligt gewesen zu sein. Was zum Teufel also möchte die Mitteilung aus der Blumenstraße uns sagen?
Nach einigem Nachdenken, konnte auf den Anlass der Briefe geschlossen werden: Eine Personalienfeststellung vor dem Rendsburger Abschiebeknast im Dezember 2010. Dort hingen Transparente über dem Zaun und es standen einige Leute rum und kommunizierten mit den Abschiebehäftlingen, so gut es eben über den Knasthof und durch die vergitterten Fenster möglich ist. Die angerückten Bullen kontrollierten die Personalien aller, die sich nicht schnell genug auf die andere Straßenseite verdrückten, um dort eine Schneeballschlacht zu veranstalten.
10 Monate später also eine Vorladung, wegen eben dieser Personalienfeststellung, inklusive einer sich martialisch lesenden Liste an Vorwürfen, von denen sich kein einziger wird beweisen lassen – es braucht nicht viel Fantasie, um zu erraten, was das K5 zu erreichen probiert: Gerade auf jüngere und vielleicht unerfahrenere Genoss_innen, bei Minderjährigen auch auf die Eltern, soll Druck ausgeübt werden, ins K5 zu gehen und dort Infos über linke Strukturen preiszugeben.
Auf einen der Vorwürfe muss dennoch kurz gesondert eingegangen werden: „Unerlaubte Kontaktaufnahme mit Gefangenen“ ist eine Ordnungswidrigkeit, die sich auf nicht genehmigte Kontaktaufnahme mit Strafgefangenen oder vorläufig Festgenommenen bezieht. Abschiebehäftlinge werden von dieser Vorschrift also gar nicht erfasst, weil sie weder Strafhäftlinge noch vorläufig festgenommen sind. Dennoch gelten im Rendsburger Abschiebeknast rigide Besuchsregelungen, Besuche bei Insassen sind nur möglich, wenn der Name des Insassen bekannt ist. Die Kontaktaufnahme über den Knasthof ist also auch eine Möglichkeit, Namen der Häftlinge zu erfragen, um sie besuchen zu können, mit ihnen über ihre Lebens- und Fluchtumstände sprechen zu können – mithin eine Voraussetzung, um Öffentlichkeitsarbeit für einzelne Personen organisieren zu können. Wir werden den dümmlichen Versuch, die Kontaktaufnahme mit Abschiebehäftlingen zu kriminalisieren, nicht einfach kommentarlos hinnehmen.
Ohne allzu viel über die Motivation der Bullen spekulieren zu wollen, stellen wir uns dennoch die Frage, was dieser Aushorchversuch nach 10 Monaten plötzlich soll. Der Protest gegen den Abschiebeknast in Rendsburg ist leider etwas eingeschlafen, außer der kriminalisierten Aktion im Dezember und ein bisschen Farbe und Glasbruch im März, ist dort im vergangenen Jahr von autonomen Zusammenhängen nicht viel gelaufen. Es kann dem K5 also nicht darum gehen, Druck auf eine starke Protestbewegung auszuüben oder diese auszuspionieren. Es wäre allerdings denkbar, dass die Vorladungen in Zusammenhang mit den Bullenbriefen wegen der Proteste gegen das Global Economic Symposium (GES) in Kiel einen aktuellen Versuch des K5 darstellen, Einblick in linke Strukturen im Allgemeinen zu kriegen.
Müßig, zu sagen, dass dies natürlich nicht gelingen wird: Ayshe und Arthur halten das Maul und labern nicht mit den Bullen. Wir werden euch nicht dabei helfen, irgendwelche abstrusen Konstrukte gegen uns und unsere Freund_innen und Genoss_innen zu erfinden, zu erhärten oder was auch immer ihr vorhabt. Wir werden uns auch weiterhin für eine Welt ohne Grenzen einsetzen und würden uns freuen, wenn auch Menschen außerhalb von Rendsburg den Protest gegen den Abschiebeknast mal wieder etwas beleben würden.

Antifa Rendsburg & antirassistische Brieffeind_innen

Wir dokumentieren: Veranstaltung der Linken vor dem Abschiebeknast

Keine Veranstaltung mit unserer Beteiligung, vielleicht dennoch interessant für einige.
Daher gänzlich unkommentiert, einfach nur die Fakten, falls jemand Interesse hat dahinzugehen:

„Infos und Aktionen Samstag, 02.10.2010 ab 10:00Uhr vor der AHE [Abschiebeknast, beim Bowlingcenter, d.Red.], Eingang Grafenstraße, mit der LAG Migration und der Landtagsfraktion der Linken SH“

Nazistrukturen konsequent angreifen – brauner Ideologie bunt entgegen! Club 88 schließen!

Nazistrukturen konsequent angreifen – brauner Ideologie bunt entgegen!

Die Nazis und ihr Club

Seit 14 Jahren schon existiert der Club 88 in Neumünster/Gadeland. Schon 14 Jahre lang werden dort ungehindert junge Menschen agitiert und für die rechte Szene gewonnen, fungiert der Club als Treffpunkt für gemeinsame Aktionen von Nazis, als Veranstaltungsort für Rechtsrock-Konzerte oder als Abfahrtsort für Nazi-Demonstrationen. Dass dem Club 88 eine immer noch tragende Rolle für die gesamte bundesweite Naziszene zukommt, ist bekannt. Im letzten Jahr haben von insgesamt acht Liedermacherauftritten in Schleswig-Holstein sieben im Club 88 mit teils bis zu 70 ZuhörerInnen stattgefunden.

Der Club 88 dient für die Nazis als fester Anlaufpunkt, um sich untereinander kennenzulernen, sich zu organisieren. Zeitweise nutzte der stadtbekannte Nazi Alexander Hardt den Club 88 dafür, sein eigenes Einkommen aufzubessern, indem er dort einen Vertrieb von Einbruchswerkzeugen anmeldete. In der Innenstadt hat sich mit der
Titanic, betrieben von dem Nazi Horst Micheel, neben dem Club 88 seit nunmehr sechs Jahren ein zweiter Anlaufpunkt für Nazis in Neumünster etabliert.

Die Nazis sind unübersehbarer Bestandteil des Stadtbildes und sind hier in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Verstärkt ist dies zu Stadtfesten, im Nachtleben oder zu anderen „besonderen Anlässen“ wie z.B. der Fußball-WM festzustellen. Die überwiegende Akzeptanz der Gesellschaft erleichtert es den Nazis immer wieder, meist spontane Gewalttaten auszuüben, die in der Öffentlichkeit jedoch totgeschwiegen werden. So wurde z.B. nach der Holstenköste im Juni ein Mensch von fünf
Nazis angegriffen, woraufhin dieser mit einem geplatzten Trommelfell ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ein weiterer Jugendlicher wurde nach einem internationalen Sommerfest am Bahnhof so schwer von Faschisten verletzt, dass Ärzte später im Krankenhaus um sein Augenlicht kämpfen mussten.

Zurzeit lassen zwar nur ellenlange Naziaufkleberrouten oder einige wenige Sprayereien auf einzelne organisierte Nazis schließen, denn ein Hauptteil der älteren Nazigeneration gibt sich inzwischen bürgerlich oder hat ihren Windbreaker gegen eine Rockerkutte getauscht. Doch die Nazis in Neumünster haben nur teilweise die Fassade gewechselt, das Problem bleibt weiterhin bestehen.

Von der bürgerlichen Ideenwelt und emanzipationsfeindlichen Dogmen…

Dass sich seit nunmehr 14 Jahren Clubgeschichte nichts zum Besseren in Neumünster gewandelt hat, ist auch ein Problem, das sich aus dem Verhältnis der sogenannten bürgerlichen Mitte gegenüber den Nazis ergibt.

Die Nazis sind zwar auch in diesem Verhältnis ein Problem, jedoch muss mensch sie auch als Produkt und verschärfte Form der momentan vorherrschenden kapitalistischen Struktur begreifen. Der durch den globalisierten Kapitalismus bedingte Konkurrenzkampf um wirtschaftliche Standortvorteile erzeugt nach wie vor ein Denken in Kategorien von Nation und Volk und bringt so unweigerlich Abgrenzungsideolgien wie Nationalismus und Rassismus hervor. Die VertreterInnen und TrägerInnen
dieser Weltanschauung der gegenseitigen Abgrenzung sind in der sogenannten bürgerlichen Mitte zu finden. Sie legitimiert unter anderem die Ausweisung von MigrantInnen in der Institution des Abschiebeknastes am Haart in Neumünster. Die Nazis verschärfen diese Logik einer Nation mit dazugehörigem Volk, die sich gegen andere Nationen und Völker im Wettstreit um Ressourcen und Gebietsansprüche befindet, zur sogenannten „Volksgemeinschaft“, in der es keinen Platz mehr für „Nicht-Deutsche“ geben soll.

Die kapitalistische Logik im Allgemeinen erzeugt einen Zustand, in dem blinde, erfolgsorientierte „Erziehung“ – zuhause und in der Schule – das vermeintliche „Recht des Tüchtigen“ hervorhebt und Menschen in einen Zustand der Ohnmacht versetzt. Sie werden dadurch offen für die faschistische Ideologie der Nazis, die sich, obwohl auch hier auf Leistung und Ausgrenzung gesetzt wird, als Ausweg aus diesem Prozess versteht. Die Probleme, die durch die kapitalistische Produktionsweise erzeugt werden, wie die Existenz verschiedener Schichten und sozialer Unterschiede, werden (auch) von den Nazis aufgegriffen und entsprechend ihrer rassistischen und völkischen Wahnideologie aufgeladen. Die schleichende Ghettoisierung migrantisch geprägter Viertel, einhergehend mit sozialer Benachteiligung, wird auch von „bürgerlicher“ Seite als
Problem der „Herkunft“ angesehen, womit die „Mitte der Gesellschaft“ weiterhin offen für rassistische Argumentationen ist.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der bürgerlichen „Extremismustheorie“, welche aktuell mal wieder stark im medialen Diskurs steht. Laut dieser gibt es neben der bürgerlich und demokratisch gefestigten Mitte links und rechts davon zwei politische „Extreme“, die die gesellschaftliche Grundordnung gefährden. Diese Theorie erklärt die
bürgerlich-kapitalistische Grundordnung und ihre Prinzipien zum zu verteidigenden Status Quo und zum Ende der Geschichte. Es ist egal, ob Armut, Hunger, Krisen, Umweltzerstörung und allgemeine gesellschaftliche Verwahrlosung in ihr existiert, da auch diese Phänomene eine, wenn auch manchmal bedauerte, wichtige Funktion innerhalb dieses Systems besitzen.

Die Theorie vom politischen Extremismus macht in ihrer Bewertung von „links“ und „rechts“ keinen Unterschied darin, was als Alternative zur herrschenden Ordnung gelten soll. Hier werden vielfältige Vorstellungen über die Gestaltungsfähigkeit der Welt und ihrer BewohnerInnen hin zu einem befreiten Miteinander, wie sie von linken Bewegungen weltweit getragen werden, gleichgesetzt mit der antisemitischen, rassistischen, sexistischen, nationalistischen, faschistischen Gedankenwelt und auf das
Moment der politischen Gewalt reduziert. Diese Theorie der Gleichsetzung ist unhaltbar! Doch sie ist der Grund für die staatliche Verfolgung von unabhängigen AntifaschistInnen, da die Extremismustheorie die Betonierung gesellschaftlicher Verhältnisse zum Ziel hat und die Unterscheidung zwischen „links“ und „rechts“ nicht für
nötig hält.

Ein kleiner Lichtstreif am Horizont…

Doch der jahrelange antifaschistische Kampf ging auch an Neumünster nicht ganz spurlos vorbei. Strukturen wurden immer weiter gefestigt und antifaschistische Wurzeln immer tiefer verankert. So finden im Rahmen der Bündnisarbeit immer wieder Gespräche mit Vereinen und anderen Institutionen statt, die von sich aus sagen, dass sie ein Naziproblem haben und gemeinsam gegen dieses angehen wollen. Auch gibt es schon öffentliche Distanzierungen von Vereinen gegen Nazis, ihre Veranstaltungen und deren Ideologie. Dass auf Worte auch Taten folgen, zeigten engagierte BürgerInnen und entschlossene AktivistInnen z.B. am 1. Mai, als einem Haufen Nazis der Zutritt zur Veranstaltung des DGB verweigert wurde.

Wir wollen rassistischen Provokateuren und Nazis die Stirn bieten, ihnen ihren Spielraum nehmen und vor allem entschlossen gegen sie angehen. Den mittlerweile 14. Clubgeburtstag nehmen wir wieder als Anlass, Nazistrukturen in Neumünster zu thematisieren und ihnen praktisch keinen Raum zum Zelebrieren ihrer Ideologie zu lassen.
Das „Club 88“-Problem (als Synonym für den festen Bestandteil von Nazistrukturen in Neumünster) kann eine Antifa–Gruppe zusammen mit einem gut organisierten Bündnis jedoch nicht alleine lösen. Hier muss ein Problembewusstsein in der bürgerlichen Gesellschaft geschaffen werden, das über antifaschistische Lippenbekenntnisse hinaus geht. Faschistische Ideologie kann nur dort bekämpft werden, wo Nazis der Nährboden für ihre Ideen entzogen wird. In der Praxis werden notwendige antifaschistische Bestrebungen jedoch immer wieder von Seiten des Staates kriminalisiert und/oder verboten. Für uns heißt es deshalb vor allem: Alles muss mensch
selber machen!
Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln den antifaschistischen Kampf weiterzuführen und voranzutreiben, begreifen wir als Weg zum Ziel, den „Club 88“ und die lokalen Nazistrukturen in Neumünster auf den Müllhaufen der Geschichte zu schicken.

Geht auf die Straße! Werdet antifaschistisch aktiv! Club 88 schließen!

Antifaschistische Demonstration
Samstag | 9.10.2010 | 18 Uhr | Neumünster Hauptbahnhof

www.club88-schliessen.tk
http://antifanms.blogsport.de

Nazikundgebung in Rendsburg am 28.8.2010

Für den 28. August hatten Nazis um die „Freien Nationalisten Rendsburg“ zu einer Propagandaveranstaltung auf dem Rendsburger Schiffbrückenplatz aufgerufen.
Nicht gewillt, dieses unwidersprochen zuzulassen, haben natürlich auch antifaschistisch gesinnte Menschen zu Gegenaktivitäten gegen die Naziveranstaltung mobilisiert. Unter anderem hatte die Linkspartei eine Kundgebung auf dem Theatervorplatz angemeldet, die sich inhaltlich gegen die Kundgebung der Nazis wandte. Neben den Teilnehmer_Innen der Linkspartei-Kundgebung hatten sich auch andere Antifaschist_Innen in der Rendsburger Innenstadt eingefunden, um ihren Protest zu äußern und die Nazikundgebung zu stören.
Als die Nazis gegen 11.30 auf dem Rendsburger Paradeplatz eintrafen, fand sich dort schon eine beachtliche Anzahl von Antifaschist_Innen, gegen die schon zuvor polizeiseitig unangemessen hart vorgegangen wurde. So wurde etwa ein junger Antifaschist ohne ersichtlichen Grund zu Boden gedrückt und in Handschellen abgeführt. Zudem verteilte die Polizei scheinbar willkürlich Platzverweise an anwesende Antifaschist_Innen.
Die Nazis waren mit etwa 20 Teilnehmer_Innen auf dem Schiffbrückenplatz anwesend, darunter etwa 10 Mitglieder der neonazistischen Aktionsgruppe Kiel und der Kieler NPD-Ratsherr Herman Gutsche. Aber auch die Rendsburger Naziszene war präsent und das übliche Gruselkabinett hielt seine Visagen in die Kameras antifaschistischer Fotograf_Innen.

Ratlosigkeit – Wo geht’s denn hier nach Stalingrad?
Sebastian Sommer (links) blickt unwissend in Richtung Niederlande, Müller scheint die Richtung zu ahnen, traut sich aber nicht etwas zu sagen, Andreas Grabowski blickt zur Seite – der einzige Weg, den er aus dem Effeff beherrscht, ist von der Flensburger Straße bis zum Ostlandhaus.

Die Nazis hatten ein Transparent dabei, dessen Inhalt sie wohl aufgrund von Auflagen zensieren mussten und auch laute Sprechchöre waren nicht zu vernehmen. Einzig auf Flugblättern probierten sie über ihr Anliegen zu informieren, der Publikumsverkehr war aufgrund starker Polizeipräsenz allerdings auch stark eingeschränkt und viele Bürger_Innen umgingen die Kundgebung, wohl auch aus Angst vor den versammelten rechten Schreckgestalten, weiträumig. Zwischenzeitlich gelangten einige Antifaschist_Innen zwischen die Polizei und die Nazikundgebung und feuerten einige Wasserbomben in Richtung der überraschten Nazis. Kurz später nahm die Polizei einen Antifaschisten fest – eine völlig überflüssige und sinnfreie Aktion der Polizei, die wieder einmal ihr Bestes tat um die Nazis zu schützen.

Gruselkabinett – Zweiter Teil
Schon kurz nach 12 war der Spuk allerdings schon wieder vorbei, die Nazis verzogen sich offenbar nach Laboe, um dort den Kieler Genoss_Innen auf die Nerven zu gehen.
Als sonderlichen Erfolg werden sie ihre Kundgebung wohl nicht verbuchen, für ein Desaster wie in Stalingrad hat es aber auch nicht gereicht. Es sah eher aus, wie ein Treffen derer, die an einem Samstagmorgen, anstatt verstrahlt im Bett zu liegen, in der Stadt stehen und das tun, was sie am besten können: Hetze verbreiten und sich selbst zum Deppen machen. Bei Letzterem ist der Erfolg auch weiterhin garantiert.


Rendsburger und Kieler Nazis

Da gibt es nichts mehr zu sagen

Welt am Sonntag: Gibt es auch eine genetische Identität?

Sarrazin: Alle Juden teilen ein bestimmtes Gen, Basken haben bestimmte Gene, die sie von anderen unterscheiden.

Quelle

Traurig, aber nicht besonders verwunderlich, dass der Springer-Verlag einem Rassisten wie Sarrazin eine Plattform bietet.

Flyer gegen die morgige Nazikundgebung

Kein Fussbreit den Faschisten!
Gegen jede Instrumentalisierung von Opfern sexueller Gewalt durch Rechtsradikale!

Wir als AntifaschistInnen verurteilen jegliche Form von Sexismus und sexueller Gewalt.
Als fortschrittlich denkende Gruppe ist es für uns selbstverständlich, sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen entschieden abzulehnen. Zudem treten wir für den Kampf gegen den Sexismus in der Gesellschaft ein, da dieser in Teilen als Nährboden für sexuell motivierte Verbrechen, wie dem vor einigen Tagen in Mastbrook, dient.

Doch die heutige Nazikundgebung ist weder eine ernsthafte Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt, Sexismus oder Pädophilie, noch ein Akt der Trauer. Sie dient viel mehr zur Meinungsmache und zur Stärkung innerhalb der rechten Szene!
Dass die Neonazis das unsägliche Leid eines kleinen Mädchens ausnutzen um in einem Klima der Fassungslosigkeit die Saat ihrer auf Faschismus, Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus aufbauenden Ideologie zu streuen, sollte jede und jeden immer und überall dazu bewegen das allgegenwärtige Wegschauen einzustellen und sich aktiv für eine Gesellschaft ohne Faschismus und Diskriminierung einzusetzen.

Wir halten es genau aus diesen Gründen für selbstverständlich und gerechtfertigt, sich den Nazis in den Weg zu stellen, und ihre Kundgebung zu verhindern.
Wenn etwas derart Abscheuliches, wie die Vergewaltigung eines Kindes passiert, darf kein Platz für Menschen sein, die sich das Geschehene zu Nutze machen, um ihre widerwärtige Hetze zu verbreiten.

[Antifaschistische Aktion Rendsburg] im August 2010

Hanseatischer Hardliner

Keine Stimme den Nazis berichtete heute über den designierten Hamburger Oberbürgermeister Christoph Ahlhaus. Der schon öfter als innenpolitischer Hardliner aufgefallene, bisherige Innenminister der Hansestadt war wohl Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung.

Christoph Ahlhaus, der in Hamburg wohl demnächst mit den Stimmen von CDU und Grünen zum Bürgermeister gewählt wird, ist laut Angaben aus korporierten Kreisen Alter Herr einer schlagenden Verbindung. Der aus Heidelberg stammenden CDU-Politiker sei Mitglied der Turnerschaft Ghibellinia Heidelberg, einer Verbindung aus dem pflichtschlagenden Coburger Convent (CC).
Frauen können in der elitären Gemeinschaft des CC nicht Mitglied werden. Die Abgrenzung des CC und dessen Verbindungen vor Ort nach rechts hin sind fließend. Ghibellinen nahmen 2003 an einem „Heldengedenken“ der braunen „Burschenschaft Normannia“ in Heidelberg teil. Die SPD hat seit 2006 einen Unvereinbarkeitsbeschluss mit dieser und weiteren Burschenschaften, weil sie „eindeutig völkisch, biologistisch und großdeutsch ausgerichtet“ sind. Ahlhaus hatte sich in seiner Zeit als Heidelberger Lokalpolitiker schützend vor Kritik an den anachronistischen Männerbünden gestellt.

Außerdem werden einige von Ahlhaus‘ verbalen Entgleisungen zitiert, sowie die unrühmliche Abschiebepolitik der Hamburger Innenbehörde:

Alhaus zeigte vor 10 Jahren zwar viel Toleranz für rechte Verbindungen, in der Leitkulturdebatte dafür aber umso weniger. Das „political correcte Deutschland“ jaule auf, es hätte die „linke Ideologiebrille“ aufgesetzt und deshalb dürfe über „Ausländerpolitik“ nur noch unter dem Begriff „Einwanderungspolitik“ diskutiert werden schrieb er damals in einem Leserbrief. 2006 hatte Christoph Ahlhaus klare Vorstellungen darüber, was die Aufgabe der CDU-Stahlhelmer in Hamburg sei. In seiner Biographie gab er als Lieblingsplatz in Hamburg die Davidswache, als Symbol für die Polizei an und erklärte „Der Beitrag der Hamburger CDU zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus ist, daß wir uns innenpolitisch so aufstellen, daß rechts von der CDU kein Bedürfnis für eine weitere Gruppierung ist.“
2008 wählte eine Initiative von jungen Flüchtlingen den Hamburger Innensenator am Rande der Innenministerkonferenz zum „Abschiebeminister“ des Jahres. Sie kritisierte, dass unter Ahlhaus das härteste Abschieberegime in Deutschland herrsche und Hamburg europaweit Sammelabschiebungen organisiere. Der Innensenator erklärte dazu: „Wenn die Wahl deutlich macht, dass die Hamburger Ausländerbehörde Recht und Gesetz konsequent durchsetzt, werte ich dies durchaus als Kompliment“. Seit dem gab es zwei Tote in Abschiebehaft unter Ahlhaus Regime.

Fundstück der Woche

Gefunden im Fockbeker Skatepark. Danke an die unbekannten Maler_Innen.

Zum Schluss noch ein bisschen Werbung:
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Amnesty International: Bericht über Polizeigewalt in der BRD

Auch hier herrscht grade etwas Sommerloch, aber den Amnesty-Polizeibericht, der letzte Woche herausgekommen ist und aufzeigt, wie wenig Polizeigewalt in Deutschland geahndet wird, wollen wir euch trotzdem ans Herz legen. Ihr findet ihn hier: Täter unbekannt. Mangelnde Aufklärung von mutmasslichen Misshandlungen durch die Polizei in Deutschland

Herzlichen Glückwunsch, ihr Kartoffeln!

Über den wiedermal aufkeimenden Nationalstolz
in Deutschland anlässlich des Eurovisionsongcontests

„Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.“ (Arthur Schopenhauer, Philosoph)

Den reflektierten Zuschauern der ARD und Prosieben bot sich gestern Nacht ein schon fast abscheuliches Bild:
Tausende Deutsche feierten den Sieg „ihrer“ Lena beim Eurovisonsongcontest, als wäre es ihr eigener gewesen. Nach Jahren voller Schmach und Niederlagen gibt es endlich wieder einen Stern am deutschen Pophimmel. Passend zur WM, bei der schon im Jahr 2006 stolz präsentiert wurde, dass mensch nun endlich wieder stolz auf sein Land sein kann, wurde auch am letzten Samstag schon mal fleißig für das anstehende Großevent geprobt. Publicviewing in Hamburg, Hannover und in vielen kleinen, patriotischen Heimkinosäalen in ganz Deutschland. Und überall das selbe Bild:
Jubel und Freudenschrei über den Sieg der deutschen Teilnehmerin!
„Wir haben gewonnen!“, lang lebe die Volksgemeinschaft. Dass letztendlich nur eine handvoll Menschen an dem Sieg von Lena Meyer-Landrut beteiligt waren interessiert niemanden. Der Erfolg und der Sieg werden gefeiert, als hätte mensch höchstpersönlich auf der Bühne in Oslo gestanden. Das Problem jedoch ist, dass de facto keiner außer Lena und deren Background-Sängerin auf der Bühne stand und sich einmal mehr zeigt, wie sehr Patriotismus und Nationalstolz auch endlich wieder in Deutschland zelebriert werden.
Mensch stellt sich damit ein Armutszeugnis aus: Einmal mehr wird sich damit selbst eingestanden, dass die eigenen Leistungen derart minderwertig und unbedeutend sind und nun die Leistungen anderer Menschen, die zufällig die selbe Nationalität haben, dazu benutzt werden, um das eigene Kartoffel-Ego aufzupolieren!
Eigentlich gäbe es damit ja kein Problem, käme es bei Patriotismus und Nationalstolz nicht zur damit verbundenen Abgrenzung zu anderen Nationen, so dass alle anderen, die nicht „deutsch“ sind auch nicht gewonnen haben, dementsprechend die „Verlierer“ des Abends sind.
Führt mensch diesen Gedanken weiter, lassen sich Überfälle auf Migrant_innen, wie vor wenigen Jahren in Mügeln, aber auch die Ablehnung des Muezzinrufes hier in Büdelsdorf leicht erklären. Das eigene „Deutschsein“ wird überhöht, womit quasi zwangweise die Abwertung vermeintlich Anderer einhergeht. Weder Muslime noch Migrant_innen werden als „deutsch“ anerkannt, sie sind die „Verlierer“ und partizipieren demnach auch nicht an der „deutschen Siegergesellschaft“ und werden so zum Ziel von Angriffen!

In diesem Sinne:
Herzlichen Glückwunsch, ihr Kartoffeln
Bei der Einstellung, seid, wart und werded ihr für uns auf ewig Verlierer bleiben!!

Antifaschistische Aktion Rendsburg, Mai 2010