Anquatschversuch in Rendsburg zum Jahresbeginn

Auch für die Schlapphüte beginnt ein neues Jahr und damit die Jagd auf Informanten.
Wie uns zugetragen wurde, gab es am 3.1.14 in der Nähe von Rendsburg um die Mittagszeit einen Hausbesuch durch einen Mitarbeiter des Verfassungsschutz. Von einer zweiten Person leider hereingelassen, wartete der Anwerber in den Wohnräumen auf seine Zielperson und begann das Gespräch recht unverfänglich mit Belanglosigkeiten. Bis dahin ging die angesprochene Person noch von irgendeiner Umfrage aus, was sich schlagartig änderte, als ihr Gegenüber von Polizeiberichten und Behörden erzählte und davon zu sprechen begann, in der rechten und auch linken Szene zu ermitteln. Offenbar ging der VS-Mitarbeiter davon aus, dass die angequatschte Person irgendwelche Infos über linke Strukturen haben und weitergeben könnte, da ihre Personalien bei antifaschistischen Protesten gegen eine rechte Veranstaltung in einer Nachbarstadt aufgenommen wurden. Mit dem Verweis auf diese Personalienaufnahmen und Ermittlungen der Polizei, begann der VS-Mitarbeiter das Gespräch auf den eigentlichen Grund des Besuchs zu lenken.
Er fragte, warum die Person sich an den Gegenprotesten beteiligt hatte und ob eine Vorladung bereits zugestellt wurde. Es folgten ein paar Nachfragen zum eigenen politischen Engagement, sowie Einzelpersonen, die im Umfeld der Person vermutet wurden. Dabei ging es gezielt um Personen, deren Personalien ebenfalls aufgenommen wurden, sowie allgemein um vermeintliche Aktivisten aus der linken Szene.
Da der VS-Mitarbeiter keine konkreten Antworten bekam, versuchte er noch schnell das Gespräch auf den Broterwerb der Person zu lenken und ihr einen „politischen Nebenjob“ schmackhaft zu machen. Nicht das „verpetzen“ von FreundInnen wäre gewollt, sondern der VS habe ja „nur ein völlig legitimes Interesse“ daran, zu erfahren, woher diese Strömung und das Interesse an Antifa-Arbeit kommt, weshalb sich die Leute zu solchen Gruppen zusammenschließen und wer überhaupt die Beteiligten sind. Die Person solle quasi als InformantIn und VermittlerIn zwischen Antifa und Staatsschutz fungieren. Die Zusammenarbeit wäre auch gar nicht so schlimm, Verfassungsschutz und Geheimdienste hätten nur durch die Enthüllungen zur NSA so einen negativen Ruf. Der Job wurde durch die Person abgelehnt und das Gespräch endete mit einem Hinweis des Anwerbers, dass er viel Spaß beim Konzert am selben Abend in der „T-Stube“ wünsche. Es wird bestimmt gut.

Der VS-Mitarbeiter, dessen Name leider nicht bekannt ist, wurde folgendermaßen beschrieben:
ca. Anfang 30, etwa 1,80 m groß, recht dünne Figur, blaue Augen, schulterlange blond-gesträhnte Haare und dunkelblonder 3-Tage-Bart, graue Jack Wolfskin Jacke. Sein Auftreten war sehr freundlich; er hat nicht versucht zu behaupten, sein Gegenüber wäre zu Antworten verpflichtet, oder ähnliches. Soweit nachvollziehbar, war der Mann allein unterwegs.

Wieder einmal wurde sich explizit an eine junge Person gewandt, mit dem Ziel, eine/n „VermittlerIn zwischen Antifa und Staatsschutz“ zu gewinnen und diese/n für die Weiterleitung von Informationen über Personen und Strukturen zu bezahlen. Hier wird die alte Taktik verfolgt, vermeintlich noch nicht, oder weniger, gefestigte Personen anzusprechen und einzulullen, damit diese sich auf eine Zusammenarbeit einlassen.
Wir können nur davor warnen, sich auf dieses Spiel einzulassen. Wir rufen dazu auf, sich bei Anquatschversuchen an die Ortsgruppe der Roten Hilfe oder antifaschistische Strukturen zu wenden und die Versuche konsequent öffentlich zu machen.

Anna und Arthur halten das Maul!

Antifaschistische Aktion Rendsburg [AARD], Januar 2014

aa-rd@gmx.net