Archiv für Juni 2011

SHZ bietet Neonazis Forum

Dennis Grube SHZ
Foto: Euler

Wie der Landeszeitung vom 22.06.11 zu entnehmen war, hat Rendsburg nun seinen eigenen „Pädophilen-Jäger“. Ein recht großer Artikel auf der ersten Seite des Lokalteils der Landeszeitung berichtete über seine Aktivitäten. Über die Bezeichnung kann man streiten, grundsätzlich wird aber kaum jemand besonders begeistert sein von Menschen, die sich an Kindern vergehen. Der Mitarbeiter der Landeszeitung hat in diesem Fall nur leider versäumt zu recherchieren, wem hier begeistert zugejubelt wird. Denn Dennis Grube ist nicht einfach der nette Nachbar, der die Facebook-Welt in zwei Stunden täglich ein wenig sicherer macht. Er ist nicht nur der aus Lübeck nach Rendsburg gezogene gute Kumpel, der hier als Koch arbeitet. Dennis Grube ist Neonazi.

Dennis Grube 1

Dennis Grube 2

Auf den uns weitergeleiteten Fotos ist Grube mit einem T-Shirt auf dem ein Wehrmachtssoldat vor der Hakenkreuzfahne steht zu sehen. Das Hakenkreuz verdeckt der Soldat mit seinem Kopf. Auf einem anderen Bild posiert Grube mit einem T-Shirt der Neonazi-Band „Weiße Wölfe“. Mitglieder dieser Band standen ab 2005 immer wieder wegen Volksverhetzung und der Verbreitung ausländerfeindlicher Schriften vor Gericht. Da ihnen die direkte Produktion ihrer CD „Weiße Wut“ nicht nachgewiesen werden konnte, wurden sie freigesprochen. Ihre Texte sprechen allerdings für sich:

Wir alle sind Kinder des Reiches, die Erben arischer Werte, drum bekenne Dich zu Deiner Herkunft mit Stolz, Blut und Ehre. (Weiße Wölfe – Kinder des Reiches)
Wartet ihr Brüder, jetzt kommt die Rache, Juda verrecke und Deutschland erwache… Und haben wir die alleinige Führung, dann weinen viele, doch nicht vor Rührung. Für unser Fest ist nichts zu teuer, 10.000 Juden für ein Freudenfeuer. (Weiße Wölfe – Unsere Antwort)
Weiße Wölfe – Weiße Wut, Weiße Kämpfer – Arisches Blut. (Weiße Wölfe – Weiße Wut)
Ruhm und Ehre der Waffen-SS, in stiller Trauer wolln wir ihrer gedenken. Ihre Treue soll uns ein Vorbild sein bei unserm Handeln und Lenken. Sieg Heil! (Weiße Wölfe – Ruhm und Ehre)
Hail C18, you know what I mean. Hail, hail, hail, the terrormachine. Hail, hail, hail, Combat 18. (Weiße Wölfe – Hail C18)

Machete

Auf einem weiteren Foto posiert Grube mit einer riesigen Machete, die er jemandem an den Hals drückt.

Wer sich die Gruppe „Stoppt Kinderschänder bei Facebook“ ansieht, in der Grube mitmischt, entdeckt auf Anhieb mindestens ein Drittel Personen, die der NPD oder den sogenannten „Freien Nationalisten“ nahestehen. Zu sehen sind Parteisymbole ebenso wie rechte Parolen und Namen, die sich auf Nazibands oder die nordische Mythologie beziehen. Bei genauerem Ansehen der Profile steigt die Zahl der Treffer im rechten Spektrum massiv an. Dies ist weder Zufall, noch ein Missgeschick unvorsichtiger Administratoren. Denn über die Hälfte der Administratoren ist auf Anhieb als Nazi erkennbar. Es ist vielmehr gängige Strategie von Nazis sich auf das Thema Kindesmissbrauch zu stürzen und es zu besetzen. Sie wissen genau, dass kaum jemand ernsthaft Partei für Pädophile ergreifen würde.
Nazis geht es dabei aber nicht um das Wohl der Kinder. Es geht ihnen um das Aussortieren dessen, was sie für die von ihnen so genannte „Volksgemeinschaft“ als schädlich empfinden. Sie fordern zwar ganz allgemein den Schutz von Kindern und eine härtere Gangart gegen Pädophile. Gemeint sind damit aber ausschließlich „deutsche“ Kinder und einmal mehr das Ermorden von Menschen, die sie als nicht lebenswert erachten („Todesstrafe für Kinderschänder“). Es geht ihnen eben nicht darum Sextätern das Handwerk zu legen, sondern darum Stimmung zu machen und über ein heiß diskutiertes Thema die Möglichkeit zu nutzen, ihre Vorstellungen einer abgeschotteten, „rein deutschen Volksgemeinschaft“ in die breite Masse zu tragen. Sie benutzen die berechtigte Sorge ihrer Mitmenschen als Einfallstor für ihre Propaganda. Die Lösung, die Nazis anbieten, passt zu der Musik, die sie hören. „Todesstrafe für Kinderschänder“ ist ihre Forderung. Auf Klamotten, Aufklebern und in der Musik, die sie spielen. Eine ebenso simple, wie entlarvende Forderung. Denn alles, was nicht in das Bild von Nazis passt, wird mit Gewalt bekämpft und wenn möglich endgültig beseitigt. Ganz gleich ob Kinderschänder, Ausländer, Linke oder wie in den Texten der Band „Weiße Wölfe“ mehr als deutlich gefordert: Juden.

Jemand, der mit solchen T-Shirts herumläuft, anderen Menschen eine Machete an den Hals hält und Musik hört, die zu Mord und Totschlag aufruft, ist wohl kaum geeignet sich um die Sicherheit von Kindern zu bemühen. Vielmehr wird hier wieder einmal deutlich wie einfach es für Neonazis ist ein emotional aufgeladenes Thema wie Kindesmissbrauch zu benutzen. Und die Landeszeitung macht sich zum Handlanger.