Solidarität mit der Liebig 14

Jede Räumung hat ihren Preis

Am 02.02.2011 wurde mit der „Liebig 14″ eins der letzten und ältesten besetzten Häuser Berlins durch ein martialisch ausgerüstetes Bullenaufgebot geräumt. 2500 Bullen wurden aus mehreren Bundesländern zusammengezogen und auf Berlin verteilt, um dem Traum und der Umsetzung einer alternativen Lebensgestaltung ein Ende zu setzen. Die Folge waren militante Proteste und Solidaritätsaktionen bundesweit und überall auf der Welt. Von Oslo und Kopenhagen über Rendsburg bis Japan und Peru.

Auf der ganzen Welt teilen Menschen den Traum und die Vorstellungen eines anderen, besseren Zusammenlebens und sind bereit dafür auch zu kämpfen.
Während viele Menschen es vorziehen in Mietskasernen unter Nachbarn, die sie kaum kennen, ihr Dasein zu fristen, wird in besetzten Häusern und alternativen Zentren versucht eine andere Möglichkeit des gemeinschaftlichen Lebens umzusetzen. Statt permanentem Konkurrenzdenken bestimmen gegenseitige Unterstützung und Solidarität den Alltag. Diese Lebensweise ist ein Stück Gegenkultur, das immer wieder neu erlernt und erkämpft werden muss. Hierzu gehört auch die herrschenden Verhältnisse immer wieder in Frage zu stellen und sich dagegen zu wehren, wenn z. B. die nächste Mieterhöhung ins Haus flattert.
Die bestehenden Mietverträge der Bewohner der „Liebig 14″ wurden gekündigt, trotzdem blieben sie in ihren Wohnungen und damit dort, wo sie sich zu Hause fühlten. Was folgte waren Schikanen und Räumungsklagen des Vermieters, der auf diverse Forderungen der Bewohner, wie die nach bezahlbaren Mieten, gar nicht erst einging. Um die Wohnungen luxussanieren und gewinnbringend verkaufen zu können müssen alle Mieter raus.
Es geht nicht um die Bedürfnisse der Mieter, wie z. B. bezahlbaren Wohnraum zu haben, sondern lediglich um die Profitgier und die Wohlstandssicherung der Vermieter.

Diese Vorgehensweise lässt sich immer wieder beobachten.
Durch Immobilienspekulation, steigende Mietkosten und eine allgemeine „Aufwertung“ des Wohngebiets werden diejenigen Menschen verdrängt, die sich diese Mieten nicht mehr leisten können oder wollen. Komplette Stadtbezirke werden so von weniger zahlungskräftigen Mietern gesäubert und übrig bleibt eine hübsche, moderne Wohnsiedlung mit dem Flair eines ehemals alternativen Viertels. Es ist Mode geworden sich in modernisierte Wohnungen in (ehemaligen) Szenevierteln einzukaufen. Alternativ ist chic, chic ist Trend und Trend ist teuer. Egal ob auf die Mieten bezogen, auf die Kleidung in den In-Läden, die Cocktails in der neuen Szene-Yuppie-Kneipe oder den Eintritt für die angesagten Clubs.
Ehemalige Bewohner des Viertels, die sich diese Umstrukturierung ihres Lebensraumes nicht leisten können werden in städtische Randgebiete verdrängt. Damit geht ein Stück Leben verloren, ein Stück Ausstrahlung des Viertels und letztlich auch das Viertel selbst. Es wird zu einem weiteren Wohlstands-Ghetto, während sich die neuen Bewohner im Glanz des „alternativen Viertels“ sonnen, welches sie mit zerstört haben.

Wir solidarisieren uns mit den Bewohnern der „Liebig 14″, mit ihren Unterstützern und mit allen Menschen die ihren Protest laut, kreativ, kraftvoll, entschlossen und militant auf die Straße tragen.
Jede Sponti, jede Sprüherei, jede brennende Barrikade ist Ausdruck unserer Solidarität.

Ihr habt den Zeitpunkt bestimmt. Den Preis bestimmen wir!