Archiv für Februar 2011

26. März 2011: Kein Nazi-Aufmarsch in Lübeck! Für eine weltoffene und demokratische Gesellschaft

Im März 2010 gelang es erstmals, den alljährlichen Naziaufmarsch in Lübeck durch breite Proteste und Aktionen des Zivilen Ungehorsams zu stoppen. Die ungefähr 160 Nazis konnten nur wenige hundert Meter gehen – den weiteren Weg haben antifaschistische Blockaden versperrt.
Die geschichtsverfälschenden Thesen der Nazis fanden keinen Widerhall in der Lübecker Öffentlichkeit. Die entscheidenden Bilder des Tages waren die vielfältigen unterschiedlichen Formen des Protestes und Widerstandes gegen ihre menschenverachtende Politik. Der 27.3.2010 wurde zu einem Fiasko für die Nazis.
Das führte zu erheblichem internen Streit bei den Nazis. Sie haben daher erst nach langem Zögern ihren Aufmarsch erneut für den 26.3.2011 und für die Folgejahre angekündigt. Das heißt für uns, jetzt nicht nachzulassen! In diesem Jahr haben wir die realistische Chance, den Nazis zukünftig die Lust an Aufmärschen in Lübeck zu nehmen.
Wenn also erneut weite Teil von St. Lorenz Nord abgeriegelt werden sollen, damit die Nazis dort ihre geschichtsverfälschenden Parolen ungestört von Protest und Widerstand verbreiten können, dann werden Tausende Menschen aus Lübeck und Umgebung sich genau dort versammeln, um gemeinsam deutlich zu machen: Wir schweigen nicht, wir sehen nicht tatenlos zu, bei diesem braunen Treiben. Wir stehen für eine offene, demokratische und tolerante Gesellschaft, in der für rassistisches und antisemitisches Gedankengut, für eine Verherrlichung des Hitler-Regimes kein Platz ist.
Wir sind uns bewusst, dass sich hinter den Parolen der Nazis das Bestreben versteckt, die Verbrechen Nazi-Deutschlands zu wiederholen. Dem stellen wir uns entschlossen in den Weg!
Seit 2006 haben sich Lübeckerinnen und Lübecker aus ganz verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zusammengefunden und das Bündnis Wir können sie stoppen ins Leben gerufen. Bei allen unterschiedlichen weltanschaulichen, politischen und religiösen Positionen eint uns die Überzeugung, dass die Demokratie der Naziideologie grundsätzlich, undiskutierbar und ganz entschieden entgegen steht. Dies haben wir – auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsams – in den vergangen Jahren klar und deutlich zum Ausdruck gebracht.
Wir werden die Straßen Lübecks nicht den Nazis überlassen. Gleichzeitig suchen wir nicht die Auseinandersetzung mit der Polizei. Neben Kundgebungen und Menschenketten halten wir besonnene und entschlossene Sitzblockaden auf der Aufmarsch-Route der Nazis für ein geeignetes Mittel, dafür zu sorgen, dass diese alljährlichen Aufmärsche in Zukunft unterbleiben. Dies wird gelingen, wenn sich Tausende Menschen am 26. März 2011 an solchen Aktionen beteiligen!
Wir rufen alle Menschen, Junge und Alte,
mit und ohne deutschen Pass dazu auf:
Beteiligt euch zahlreich an den verschiedenen Aktionen, Gottesdiensten, Kundgebungen und Blockaden!

Bündnis Wir können sie stoppen

Agnes-Miegel-Straße umbenennen!

Schöner leben ohne Agnes Miegel

Noch heute sind Straßen, Wege und Schulen nach der Nationalsozialistin Agnes Miegel benannt. Auch in Büdelsdorf. Ein Appell für eine Umbenennung der „Agnes-Miegel-Straße“.
„Dies habe ich mit meinem Gott alleine abzumachen und mit niemand sonst“, so antwortete Agnes Miegel auf die Frage nach ihrer Vergangenheit in der nationalsozialistischen Diktatur unter Adolf Hitler. Dieser lapidaren Antwort ging eine der erfolgreichsten Schriftsteller-Karrieren im Dritten Reich voraus. Agnes Miegel, die am 9.3.1879 in Königsberg geboren wurde, war eine völkische Heimatdichterin, die mit ihren Gedichten „An den Führer“ oder „Dem Führer“ glorifizierende Lobeshymnen auf Adolf Hitler verfasste. Sie engagierte sich bereits seit 1920 in der rechts-nationalen „Ostpreußischen Zeitung“ und stieg nach der Machtübernahme der Nazis zu einer der SchriftstellerInnen im Regime auf. Sie trat der NSDAP bei, nahm dankend das „Ehrenzeichen der Hitlerjugend“ an und wurde schließlich von Adolf Hitler auf die „Gottbegnadetenliste“ gesetzt. Auf dieser Liste wurden die von Hitler als wichtigste Schriftsteller des Dritten Reichs auserkorenen Publizisten gehuldigt. Ebenso unterzeichnete sie mit 88 weiteren Schriftstellern das Pamphlet der „treuesten Gefolgschaft Adolf Hitlers“ und nahm nach vorangegangener Säuberung eine wichtige Stellung in der „Preußischen Akademie der Künste“ ein. Dr. Arnulf Scriba, bezeichnet Miegel auf der Internetseite des Deutschen Historischen Museums als „literarisches Aushängeschild“ des Dritten Reichs.
Miegel war also überzeugte Nationalsozialistin und keine Mitläuferin im Regime. Des Weiteren zeigt sie durch ihre Äußerungen nach der NS-Zeit, dass eine offene Distanzierung für sie nicht in Frage kam.
Trotz dieser eindeutigen Belege, gibt es in vielen Teilen Deutschlands immer noch Straßen, Wege und sogar einige Schulen, die ihren Namen tragen. Im Jahr 2010 wurde in einigen deutschen Städten, so zum Beispiel Erftstadt oder Bergisch-Gladbach, gehandelt und die nach Miegel benannten Straßen wurden offiziell umbenannt. In Büdelsdorf ist sie weiterhin namensgebend für eine Straße ganz in der Nähe des Hermann-Ehlers-Platzes. Dieser war in der Nazi-Zeit Mitglied der „Bekennenden Kirche“, die sich gegen die Gleichschaltung Hitlers zur Wehr setzte und Ehlers persönlich wurde aufgrund seines Engagements eine Übernahme als Richter verwehrt. Ebenso befinden sich in Büdelsdorf der „Carl-Von-Ossietzky-Weg“ und „Kurt-Schuhmacher-Weg“. Diese beiden wurden in Konzentrationslagern der Nazis interniert, und Ossietzky wurde nach der anhaltenden Folter von einem Schweizer Diplomaten mit den folgenden Worten beschrieben: „Ein zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen“.
Das in der gleichen Stadt, wo diesen beiden Opfern des Dritten Reichs gedacht wird, gleichzeitig eine Straße nach einer überzeugten Nationalsozialistin benannt wird, ist paradox und zynisch!
Es ist wünschenswert, dass auch die politisch Verantwortlichen in Büdelsdorf ein Zeichen setzen und der Anerkennung von Agnes Miegel ein Ende setzen. Gerade in einem Land, das vorgibt seine Geschichte aufgearbeitet zu haben, ist es ein untragbarer Zustand eine solche Namensgebung unangetastet zu lassen. Andere Städte in Deutschland haben es vorgemacht, nun ist das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, sowie der Politik gefordert. Lassen Sie uns gemeinsam mit einem positiven Beispiel voran gehen und ein Zeichen gegen nazistische Ideologien und eintreten für ein würdiges Gedenken an die Opfer, statt einer Erinnerung an die Täter!

[AARD] Antifaschistische Aktion Rendsburg
Gruppe V.I.P [Vive! Intellege! Pugna!]

Solidarität mit der Liebig 14

Jede Räumung hat ihren Preis

Am 02.02.2011 wurde mit der „Liebig 14″ eins der letzten und ältesten besetzten Häuser Berlins durch ein martialisch ausgerüstetes Bullenaufgebot geräumt. 2500 Bullen wurden aus mehreren Bundesländern zusammengezogen und auf Berlin verteilt, um dem Traum und der Umsetzung einer alternativen Lebensgestaltung ein Ende zu setzen. Die Folge waren militante Proteste und Solidaritätsaktionen bundesweit und überall auf der Welt. Von Oslo und Kopenhagen über Rendsburg bis Japan und Peru.

Auf der ganzen Welt teilen Menschen den Traum und die Vorstellungen eines anderen, besseren Zusammenlebens und sind bereit dafür auch zu kämpfen.
Während viele Menschen es vorziehen in Mietskasernen unter Nachbarn, die sie kaum kennen, ihr Dasein zu fristen, wird in besetzten Häusern und alternativen Zentren versucht eine andere Möglichkeit des gemeinschaftlichen Lebens umzusetzen. Statt permanentem Konkurrenzdenken bestimmen gegenseitige Unterstützung und Solidarität den Alltag. Diese Lebensweise ist ein Stück Gegenkultur, das immer wieder neu erlernt und erkämpft werden muss. Hierzu gehört auch die herrschenden Verhältnisse immer wieder in Frage zu stellen und sich dagegen zu wehren, wenn z. B. die nächste Mieterhöhung ins Haus flattert.
Die bestehenden Mietverträge der Bewohner der „Liebig 14″ wurden gekündigt, trotzdem blieben sie in ihren Wohnungen und damit dort, wo sie sich zu Hause fühlten. Was folgte waren Schikanen und Räumungsklagen des Vermieters, der auf diverse Forderungen der Bewohner, wie die nach bezahlbaren Mieten, gar nicht erst einging. Um die Wohnungen luxussanieren und gewinnbringend verkaufen zu können müssen alle Mieter raus.
Es geht nicht um die Bedürfnisse der Mieter, wie z. B. bezahlbaren Wohnraum zu haben, sondern lediglich um die Profitgier und die Wohlstandssicherung der Vermieter.

Diese Vorgehensweise lässt sich immer wieder beobachten.
Durch Immobilienspekulation, steigende Mietkosten und eine allgemeine „Aufwertung“ des Wohngebiets werden diejenigen Menschen verdrängt, die sich diese Mieten nicht mehr leisten können oder wollen. Komplette Stadtbezirke werden so von weniger zahlungskräftigen Mietern gesäubert und übrig bleibt eine hübsche, moderne Wohnsiedlung mit dem Flair eines ehemals alternativen Viertels. Es ist Mode geworden sich in modernisierte Wohnungen in (ehemaligen) Szenevierteln einzukaufen. Alternativ ist chic, chic ist Trend und Trend ist teuer. Egal ob auf die Mieten bezogen, auf die Kleidung in den In-Läden, die Cocktails in der neuen Szene-Yuppie-Kneipe oder den Eintritt für die angesagten Clubs.
Ehemalige Bewohner des Viertels, die sich diese Umstrukturierung ihres Lebensraumes nicht leisten können werden in städtische Randgebiete verdrängt. Damit geht ein Stück Leben verloren, ein Stück Ausstrahlung des Viertels und letztlich auch das Viertel selbst. Es wird zu einem weiteren Wohlstands-Ghetto, während sich die neuen Bewohner im Glanz des „alternativen Viertels“ sonnen, welches sie mit zerstört haben.

Wir solidarisieren uns mit den Bewohnern der „Liebig 14″, mit ihren Unterstützern und mit allen Menschen die ihren Protest laut, kreativ, kraftvoll, entschlossen und militant auf die Straße tragen.
Jede Sponti, jede Sprüherei, jede brennende Barrikade ist Ausdruck unserer Solidarität.

Ihr habt den Zeitpunkt bestimmt. Den Preis bestimmen wir!