Archiv für September 2010

Wir dokumentieren: Veranstaltung der Linken vor dem Abschiebeknast

Keine Veranstaltung mit unserer Beteiligung, vielleicht dennoch interessant für einige.
Daher gänzlich unkommentiert, einfach nur die Fakten, falls jemand Interesse hat dahinzugehen:

„Infos und Aktionen Samstag, 02.10.2010 ab 10:00Uhr vor der AHE [Abschiebeknast, beim Bowlingcenter, d.Red.], Eingang Grafenstraße, mit der LAG Migration und der Landtagsfraktion der Linken SH“

Nazistrukturen konsequent angreifen – brauner Ideologie bunt entgegen! Club 88 schließen!

Nazistrukturen konsequent angreifen – brauner Ideologie bunt entgegen!

Die Nazis und ihr Club

Seit 14 Jahren schon existiert der Club 88 in Neumünster/Gadeland. Schon 14 Jahre lang werden dort ungehindert junge Menschen agitiert und für die rechte Szene gewonnen, fungiert der Club als Treffpunkt für gemeinsame Aktionen von Nazis, als Veranstaltungsort für Rechtsrock-Konzerte oder als Abfahrtsort für Nazi-Demonstrationen. Dass dem Club 88 eine immer noch tragende Rolle für die gesamte bundesweite Naziszene zukommt, ist bekannt. Im letzten Jahr haben von insgesamt acht Liedermacherauftritten in Schleswig-Holstein sieben im Club 88 mit teils bis zu 70 ZuhörerInnen stattgefunden.

Der Club 88 dient für die Nazis als fester Anlaufpunkt, um sich untereinander kennenzulernen, sich zu organisieren. Zeitweise nutzte der stadtbekannte Nazi Alexander Hardt den Club 88 dafür, sein eigenes Einkommen aufzubessern, indem er dort einen Vertrieb von Einbruchswerkzeugen anmeldete. In der Innenstadt hat sich mit der
Titanic, betrieben von dem Nazi Horst Micheel, neben dem Club 88 seit nunmehr sechs Jahren ein zweiter Anlaufpunkt für Nazis in Neumünster etabliert.

Die Nazis sind unübersehbarer Bestandteil des Stadtbildes und sind hier in der „Mitte der Gesellschaft“ angekommen. Verstärkt ist dies zu Stadtfesten, im Nachtleben oder zu anderen „besonderen Anlässen“ wie z.B. der Fußball-WM festzustellen. Die überwiegende Akzeptanz der Gesellschaft erleichtert es den Nazis immer wieder, meist spontane Gewalttaten auszuüben, die in der Öffentlichkeit jedoch totgeschwiegen werden. So wurde z.B. nach der Holstenköste im Juni ein Mensch von fünf
Nazis angegriffen, woraufhin dieser mit einem geplatzten Trommelfell ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Ein weiterer Jugendlicher wurde nach einem internationalen Sommerfest am Bahnhof so schwer von Faschisten verletzt, dass Ärzte später im Krankenhaus um sein Augenlicht kämpfen mussten.

Zurzeit lassen zwar nur ellenlange Naziaufkleberrouten oder einige wenige Sprayereien auf einzelne organisierte Nazis schließen, denn ein Hauptteil der älteren Nazigeneration gibt sich inzwischen bürgerlich oder hat ihren Windbreaker gegen eine Rockerkutte getauscht. Doch die Nazis in Neumünster haben nur teilweise die Fassade gewechselt, das Problem bleibt weiterhin bestehen.

Von der bürgerlichen Ideenwelt und emanzipationsfeindlichen Dogmen…

Dass sich seit nunmehr 14 Jahren Clubgeschichte nichts zum Besseren in Neumünster gewandelt hat, ist auch ein Problem, das sich aus dem Verhältnis der sogenannten bürgerlichen Mitte gegenüber den Nazis ergibt.

Die Nazis sind zwar auch in diesem Verhältnis ein Problem, jedoch muss mensch sie auch als Produkt und verschärfte Form der momentan vorherrschenden kapitalistischen Struktur begreifen. Der durch den globalisierten Kapitalismus bedingte Konkurrenzkampf um wirtschaftliche Standortvorteile erzeugt nach wie vor ein Denken in Kategorien von Nation und Volk und bringt so unweigerlich Abgrenzungsideolgien wie Nationalismus und Rassismus hervor. Die VertreterInnen und TrägerInnen
dieser Weltanschauung der gegenseitigen Abgrenzung sind in der sogenannten bürgerlichen Mitte zu finden. Sie legitimiert unter anderem die Ausweisung von MigrantInnen in der Institution des Abschiebeknastes am Haart in Neumünster. Die Nazis verschärfen diese Logik einer Nation mit dazugehörigem Volk, die sich gegen andere Nationen und Völker im Wettstreit um Ressourcen und Gebietsansprüche befindet, zur sogenannten „Volksgemeinschaft“, in der es keinen Platz mehr für „Nicht-Deutsche“ geben soll.

Die kapitalistische Logik im Allgemeinen erzeugt einen Zustand, in dem blinde, erfolgsorientierte „Erziehung“ – zuhause und in der Schule – das vermeintliche „Recht des Tüchtigen“ hervorhebt und Menschen in einen Zustand der Ohnmacht versetzt. Sie werden dadurch offen für die faschistische Ideologie der Nazis, die sich, obwohl auch hier auf Leistung und Ausgrenzung gesetzt wird, als Ausweg aus diesem Prozess versteht. Die Probleme, die durch die kapitalistische Produktionsweise erzeugt werden, wie die Existenz verschiedener Schichten und sozialer Unterschiede, werden (auch) von den Nazis aufgegriffen und entsprechend ihrer rassistischen und völkischen Wahnideologie aufgeladen. Die schleichende Ghettoisierung migrantisch geprägter Viertel, einhergehend mit sozialer Benachteiligung, wird auch von „bürgerlicher“ Seite als
Problem der „Herkunft“ angesehen, womit die „Mitte der Gesellschaft“ weiterhin offen für rassistische Argumentationen ist.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der bürgerlichen „Extremismustheorie“, welche aktuell mal wieder stark im medialen Diskurs steht. Laut dieser gibt es neben der bürgerlich und demokratisch gefestigten Mitte links und rechts davon zwei politische „Extreme“, die die gesellschaftliche Grundordnung gefährden. Diese Theorie erklärt die
bürgerlich-kapitalistische Grundordnung und ihre Prinzipien zum zu verteidigenden Status Quo und zum Ende der Geschichte. Es ist egal, ob Armut, Hunger, Krisen, Umweltzerstörung und allgemeine gesellschaftliche Verwahrlosung in ihr existiert, da auch diese Phänomene eine, wenn auch manchmal bedauerte, wichtige Funktion innerhalb dieses Systems besitzen.

Die Theorie vom politischen Extremismus macht in ihrer Bewertung von „links“ und „rechts“ keinen Unterschied darin, was als Alternative zur herrschenden Ordnung gelten soll. Hier werden vielfältige Vorstellungen über die Gestaltungsfähigkeit der Welt und ihrer BewohnerInnen hin zu einem befreiten Miteinander, wie sie von linken Bewegungen weltweit getragen werden, gleichgesetzt mit der antisemitischen, rassistischen, sexistischen, nationalistischen, faschistischen Gedankenwelt und auf das
Moment der politischen Gewalt reduziert. Diese Theorie der Gleichsetzung ist unhaltbar! Doch sie ist der Grund für die staatliche Verfolgung von unabhängigen AntifaschistInnen, da die Extremismustheorie die Betonierung gesellschaftlicher Verhältnisse zum Ziel hat und die Unterscheidung zwischen „links“ und „rechts“ nicht für
nötig hält.

Ein kleiner Lichtstreif am Horizont…

Doch der jahrelange antifaschistische Kampf ging auch an Neumünster nicht ganz spurlos vorbei. Strukturen wurden immer weiter gefestigt und antifaschistische Wurzeln immer tiefer verankert. So finden im Rahmen der Bündnisarbeit immer wieder Gespräche mit Vereinen und anderen Institutionen statt, die von sich aus sagen, dass sie ein Naziproblem haben und gemeinsam gegen dieses angehen wollen. Auch gibt es schon öffentliche Distanzierungen von Vereinen gegen Nazis, ihre Veranstaltungen und deren Ideologie. Dass auf Worte auch Taten folgen, zeigten engagierte BürgerInnen und entschlossene AktivistInnen z.B. am 1. Mai, als einem Haufen Nazis der Zutritt zur Veranstaltung des DGB verweigert wurde.

Wir wollen rassistischen Provokateuren und Nazis die Stirn bieten, ihnen ihren Spielraum nehmen und vor allem entschlossen gegen sie angehen. Den mittlerweile 14. Clubgeburtstag nehmen wir wieder als Anlass, Nazistrukturen in Neumünster zu thematisieren und ihnen praktisch keinen Raum zum Zelebrieren ihrer Ideologie zu lassen.
Das „Club 88“-Problem (als Synonym für den festen Bestandteil von Nazistrukturen in Neumünster) kann eine Antifa–Gruppe zusammen mit einem gut organisierten Bündnis jedoch nicht alleine lösen. Hier muss ein Problembewusstsein in der bürgerlichen Gesellschaft geschaffen werden, das über antifaschistische Lippenbekenntnisse hinaus geht. Faschistische Ideologie kann nur dort bekämpft werden, wo Nazis der Nährboden für ihre Ideen entzogen wird. In der Praxis werden notwendige antifaschistische Bestrebungen jedoch immer wieder von Seiten des Staates kriminalisiert und/oder verboten. Für uns heißt es deshalb vor allem: Alles muss mensch
selber machen!
Auf allen Ebenen und mit allen Mitteln den antifaschistischen Kampf weiterzuführen und voranzutreiben, begreifen wir als Weg zum Ziel, den „Club 88“ und die lokalen Nazistrukturen in Neumünster auf den Müllhaufen der Geschichte zu schicken.

Geht auf die Straße! Werdet antifaschistisch aktiv! Club 88 schließen!

Antifaschistische Demonstration
Samstag | 9.10.2010 | 18 Uhr | Neumünster Hauptbahnhof

www.club88-schliessen.tk
http://antifanms.blogsport.de