Herzlichen Glückwunsch, ihr Kartoffeln!

Über den wiedermal aufkeimenden Nationalstolz
in Deutschland anlässlich des Eurovisionsongcontests

„Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.“ (Arthur Schopenhauer, Philosoph)

Den reflektierten Zuschauern der ARD und Prosieben bot sich gestern Nacht ein schon fast abscheuliches Bild:
Tausende Deutsche feierten den Sieg „ihrer“ Lena beim Eurovisonsongcontest, als wäre es ihr eigener gewesen. Nach Jahren voller Schmach und Niederlagen gibt es endlich wieder einen Stern am deutschen Pophimmel. Passend zur WM, bei der schon im Jahr 2006 stolz präsentiert wurde, dass mensch nun endlich wieder stolz auf sein Land sein kann, wurde auch am letzten Samstag schon mal fleißig für das anstehende Großevent geprobt. Publicviewing in Hamburg, Hannover und in vielen kleinen, patriotischen Heimkinosäalen in ganz Deutschland. Und überall das selbe Bild:
Jubel und Freudenschrei über den Sieg der deutschen Teilnehmerin!
„Wir haben gewonnen!“, lang lebe die Volksgemeinschaft. Dass letztendlich nur eine handvoll Menschen an dem Sieg von Lena Meyer-Landrut beteiligt waren interessiert niemanden. Der Erfolg und der Sieg werden gefeiert, als hätte mensch höchstpersönlich auf der Bühne in Oslo gestanden. Das Problem jedoch ist, dass de facto keiner außer Lena und deren Background-Sängerin auf der Bühne stand und sich einmal mehr zeigt, wie sehr Patriotismus und Nationalstolz auch endlich wieder in Deutschland zelebriert werden.
Mensch stellt sich damit ein Armutszeugnis aus: Einmal mehr wird sich damit selbst eingestanden, dass die eigenen Leistungen derart minderwertig und unbedeutend sind und nun die Leistungen anderer Menschen, die zufällig die selbe Nationalität haben, dazu benutzt werden, um das eigene Kartoffel-Ego aufzupolieren!
Eigentlich gäbe es damit ja kein Problem, käme es bei Patriotismus und Nationalstolz nicht zur damit verbundenen Abgrenzung zu anderen Nationen, so dass alle anderen, die nicht „deutsch“ sind auch nicht gewonnen haben, dementsprechend die „Verlierer“ des Abends sind.
Führt mensch diesen Gedanken weiter, lassen sich Überfälle auf Migrant_innen, wie vor wenigen Jahren in Mügeln, aber auch die Ablehnung des Muezzinrufes hier in Büdelsdorf leicht erklären. Das eigene „Deutschsein“ wird überhöht, womit quasi zwangweise die Abwertung vermeintlich Anderer einhergeht. Weder Muslime noch Migrant_innen werden als „deutsch“ anerkannt, sie sind die „Verlierer“ und partizipieren demnach auch nicht an der „deutschen Siegergesellschaft“ und werden so zum Ziel von Angriffen!

In diesem Sinne:
Herzlichen Glückwunsch, ihr Kartoffeln
Bei der Einstellung, seid, wart und werded ihr für uns auf ewig Verlierer bleiben!!

Antifaschistische Aktion Rendsburg, Mai 2010


8 Antworten auf “Herzlichen Glückwunsch, ihr Kartoffeln!”


  1. 1 Felix 30. Mai 2010 um 22:20 Uhr

    Ziemlicher Bullshit, du Kartoffel. Zwar wundere ich mich auch darüber, dass einige jetzt so austicken, aber lass se sich doch freuen. Deine Theorie im vorletzten Absatz ist doch sehr an den Haaren herbei gezogen. In einer Woche kräht kein hahn mehr danach also warum so emotionsgeladen?

    PS: Die WM war übrigens 2006 und nicht 2004.

  2. 2 antifarendsburg 30. Mai 2010 um 22:51 Uhr

    Tatsache. 2004 wurde Griechenland in Portugal mit fußballerischer Hausmannskost und Libero Europameister. Taktisch & kämpferisch war das sicherlich Spitzenklasse, allerdings nichts für Fußballästhetinnen. Aber es kann ja nicht jede_r, der hier was schreibt Ahnung von Fußball haben. Danke für den Hinweis, wurde geändert.

    Nationalistische Handlungsmuster sind leider nicht nach einer Woche vergessen, sondern verfestigen sich und werden umso mehr als Normalität wahrgenommen, desto öfter sie zelebriert werden.

  3. 3 afa- 30. Mai 2010 um 23:01 Uhr

    Vielen Dank für diesen Text! War mal schön, endlich mal wieder was Erfrischendes zu lesen und passende Worte für diese National-Scheiße zu finden.

    Einen Satz müsst ihr nur korrigieren, wenn ich gerade nicht total falsch liege, nämlich so: „Eigentlich gäbe es damit ja kein Problem, käme es bei Patriotismus und Nationalstolz nicht zur damit verbundenen Abgrenzung zu anderen Nationen“

    Viele Grüße

  4. 4 Gracefallen 02. Juni 2010 um 22:14 Uhr

    Zum Thema Patriotismus…

    Deutschland hat zwischen den Jahren 1939 und 1945 einen Tiefpunkt vorzuweisen. Die Taten dieser Zeit werden noch den heutigen Generationen vorgeworfen, welche dieses Ereignis nicht einmal miterlebt haben. Viele trauen sich deshalb schon gar nicht mehr Deutschland als ihre Heimat und ihr Vaterland anzusehen. Sie alle haben Angst davor mit dem Nationalsozialismus und Rechtsextremen in Verbindung gebracht zu werden. Dabei sind Heimat und Vaterland gewiss keine rechten Gedanken, sondern christliche Werte, auf welche man stolz sein sollte.

    Aber genau die Jahre 1939-1945 haben vielen Leuten nun ein schlechtes Gefühl zum Nationalstolz und Konservativismus eingeimpft. Niemand traut sich noch wirklich zu zeigen, dass er Deutschland liebt und es niemals im Stich lassen würde. Auch bei der Frage, ob man kriminelle und islamistische Ausländer in Deutschland haben möchte, zeigen sich die meisten Bürger eher schweigsam. Dabei sind genau wir Patrioten nicht gegen Ausländer, sondern dulden nicht die Kriminalität und extreme Glaubensverbreitung.

    Jeder deutsche Bürger sollte offen über die Missstände in Deutschland reden, um zu zeigen, dass es zwischen Linksextremen, Neoliberalen und Rechtsextremen noch Menschen gibt, die Arbeit, Familie und Vaterland für die wichtigsten Werte in Deutschland befinden. Ebenfalls verliert Deutschland zunehmend an Tradition und alten Werten. Höflichkeit, Anstand und ein positives Miteinander werden immer weniger. Es bilden sich Parallelgesellschaften und die Abschottung zu anderen Menschen.

    Dabei sollte man besonders den Rechtsextremisten und unwissenden Politikern zeigen, dass man auf Deutschland stolz sein kann, ohne dem Nationalsozialismus von 39 hinterher zu laufen. Auch den Linksextremisten sollten wir als Patrioten aufzeigen, dass man einzelne Länder in ihrer Ordnung behalten muss und das Vaterlandsliebe und Christentum gute und anständige Werte für eine klare und freiheitliche Zukunft sind.

    Setzen wir uns gegen politische Gewalt beider Seiten ein, denn Politik wird mit dem Kopf und nicht mit den Fäusten gemacht! Denn nur eine friedliche Demonstration kann unserem Vaterland wirklich helfen.

  5. 5 antifarendsburg 04. Juni 2010 um 12:03 Uhr

    Nur mal als Beispiel für das, was hier so aus der „Mitte der Gesellschaft“ ankommt…

  6. 6 LVM 05. Juli 2010 um 19:12 Uhr

    Der Muezzinruf in RD/Bdf …. dass ihr hier -ungewollt?- die Ausbreitung von Millî Görüş und Consorten legitimiert, indem ihr Ablehung des Rendsburger IGMG-Zentrums in einen Topf mit Mügeln und ähnlichen deutschtümelnden Widerwärtigkeiten steckt, ist euch aber schon bewusst?

  7. 7 antifarendsburg 05. Juli 2010 um 19:21 Uhr

    Wir haben rassistische Argumentationsweisen in der Argumentation gegen die Rendsburger Moschee angegriffen. Das heißt, nicht dass wir uns mit islamistischen Argumentationen gemein machen, sondern schlichtweg, dass wir eine rassistische Kampagne verurteilt haben.

  8. 8 LVM 06. Juli 2010 um 10:59 Uhr

    Nunja „Führt mensch die­sen Ge­dan­ken wei­ter, las­sen sich Über­fäl­le auf Mi­gran­t_in­nen, wie vor we­ni­gen Jah­ren in Mü­geln, aber auch die Ab­leh­nung des Mu­ez­zin­ru­fes hier in Bü­dels­dorf leicht er­klä­ren.“ klingt erstmal ziemlich pauschalisierend und liest sich so als würde die Ablehung des IGMG-Basars seine Wurzeln im Nationalismus haben. Zieht man dann noch das „ver­meint­li­che Rück­stän­dig­keit des Islam“ aus eurem Artikel zum Moscheebau hinzu, addiert die in selbigem Artikel vorhandene NICHT-Kritik am bekannten Fakt, dass eben MG der Betreiber des Treffpunkts ist, entsteht zumindest bei mir ein Bild, das ihr vielleicht einmal korrigieren solltet.

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