Buchbesprechung: Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen

Wir hatten ja versprochen, hier auch mal ein bisschen Kulturteil zu machen, also weiter im Text:
Khaled Hosseini dürfte manchen durch sein Buch Drachenläufer oder die Verfilmung desselbigen, das Afghanistan vor dem Einmarsch der Sowjets behandelt, schon ein Begriff sein. In „Tausend strahlende Sonnen“ wird die jüngere afghanische Geschichte am Beispiel zweier Frauen dargestellt, deren Hintergrund unterschiedlicher nicht sein könnte. Die zuerst eingeführte Protagonistin, Mariam, wächst in einer ärmlichen Hütte in einer ländlichen Gegend Afghanistans auf. Sie ist die uneheliche Tochter eines reichen Mannes und einer armen Frau und erfährt daher gesellschaftliche Ablehnung. Sie steht exemplarisch für die Probleme, vor die Frauen im traditionellen Afghanistan gestellt werden. Die zweite Protagonistin, Laila, wächst in einer liberalen Familie in Kabul auf, das im Buch als Stadt dargestellt wird, die schon immer recht freiheitlich war, im Vergleich zu anderen Regionen des Landes. Während Mariam früh heiratet und von ihrem gewalttätigen Mann gedemütigt wird, erfährt die jüngere Laila die Vorzüge einer relativ offenen Gesellschaft. Sie erfährt und erkennt den ungeheuren gesellschaftlichen Fortschritt, dass die Kommunist_Innen in Afghanistan die Gleichberechtigung der Frau vorantreiben, erfährt aber auch negative Seiten des Realsozialismus. Durch die Machtübernahme der Mudschaheddin entbrennt in Afghanistan ein Bürgerkrieg, dessen Folgen Laila zwingen die Zweitfrau von Mariams Mann zu werden und sie wird in gleicher Weise ihrer Rechte beraubt wie Mariam zuvor. Die Frauen beginnen sich langsam gegen die Brutalität des Mannes zu wehren. Nach der Machtübernahme durch die Taliban verschlechtert sich die Situation für die Frauen dramatisch. Aus den Erfahrungen vorheriger Kriege, lehnt Laila den Krieg der NATO in Afghanistan dennoch ab. Das Buch ist insofern interessant, als dass es Geschichte aus weiblicher Sicht beschreibt. Die Freiheiten der Männer wurden, egal unter wessen Herrschaft, nie so sehr beschnitten, wie die Freiheiten der Frauen. Das Buch vermittelt, was schon Karl Marx wusste: Ein Indikator für gesellschaftlichen Fortschritt ist die Stellung der Frau und es vermittelt, dass Frauen in der Lage sind, sich Freiheiten selbst zu erkämpfen. Weiterhin ist es interessant, da das Buch näher an die afghanische Gesellschaft heranführt. Viele Menschen urteilen über die Situation im Land, ohne sich auch nur annähernd damit beschäftigt zu haben, das Buch regt zum Nachdenken über die Konflikte im Land an, ohne allerdings eine fertige Lösung zu präsentieren. Insgesamt ein Buch, das zu lesen sich auf jeden Fall lohnt, denn zusätzlich zum interessanten historischen Hintergrund ist es gut geschrieben und lässt sich daher nur schwer aus der Hand legen.


1 Antwort auf “Buchbesprechung: Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen”


  1. 1 Flug USA 30. Dezember 2009 um 9:38 Uhr

    Bereits „Drachenläufer“ hatte mich zutiefst berührt und als ich erfuhr, dass Khaled Hosseini ein weiteres Buch veröffentlicht hat, welches die Gesellschaft Afghanistans widerspiegelt und gleichzeitig historische Ereignisse behandelt, musste ich es sofort kaufen, da mich sein Erstling so sehr in seinen Bann gezogen hatte.
    „Tausend strahlende Sonnen“ ist eines der bewegendsten Bücher, die ich je gelesen habe und bisher das einzige, bei dem ich die ein oder andere Träne vergossen habe.
    Ich kann mich also nur anschließen: es lohnt sich auf jeden Fall, dieses Buch zu lesen!

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