Archiv für November 2009

Das Wochenende / Düt & Dat

Da es dieses Wochenende viele wichtige Termine gibt, mal ein kurzer Überblick:


In Berlin soll ein homophober Reggae-Musiker auftreten. Da das Thema Homophobie im Reggae besonders akut ist, verlinken wir die Demo mal. Hinfahren wird aus Rendsburg wohl keinEr, aber vielleicht regt es zur Beschäftigung an.

Konzert fürs Antifa-Intermezzo in Flensburg am Samstag um 21 Uhr.

Und nicht zu vergessen: Bambule-Demo in Hamburg, Samstag 14 Uhr, Vorwerkstraße:

Erneut Antifa in Moskau ermordet

In Russland wurde erneut ein Antifaschist ermordet. Wir sind in Gedanken bei Iwan, seiner Familie und seinen Freund_Innen.

Wenn ihr praktische Hilfe für Antifas in Russland leisten wollt, dann gibt es folgendes Spendenkonto

Spenden können in Deutschland überwiesen werden an:

A. Hoffmann
Kto.-Nr. 408352201
Postbank Hamburg
BLZ 20010020
Stichwort: Enough/Russland (unbedingt angeben!)

Spenden können international auch hierhin überwiesen werden:
Russian Human Rights Solidarity Campaign
Branch Sort Code 40-04-36
Konto-Nr. 41 28 44 79
IBAN : GB76MIDL40033641284479
SWIFT CODE : MIDLGB22

oder per PayPal über die Website von Searchlight.

Morgen: Schulstreik!

Morgen, am Mittwoch den 17.11.2009, findet ein gemeinsamer Protest von StudentInnen und SchülerInnen gegen die aktuelle Bildungspolitik und die Grundwerte die ihr zu Grunde liegen statt.
Kommt zahlreich und laut!

Da die Bahnlinie beim letzten Streik extrem voll war, gibt es diesmal zwei Treff- und Abfahrtszeiten ab Rendsburg um die Verbindung zu entlasten.

1) 8:oo Uhr Treffen am Bahnhof – 8:30 Abfahrt.
2) 9:00 Uhr Treffen am Bahnhof – 9:30 Abfahrt.

Bei weiteren Fragen bitte das Kontaktformular nutzen.

21.11. – Auf nach Husum!

Wir dokumentieren einen Aufruf aus Husum

Die Nazis sind los in Husum!

In den vergangenen Monaten gab es auffällig viele Vorfälle von Nazi-Aktivitäten in Husum. Während des Wahlkampfes hingen unzählige NPD-Plakate an den Laternen in den Straßen. Auch haben sich kürzlich die „Autonomen Nationalisten Husum“ gegründet. Verantwortlich für diese Gruppe von Rechtsextremisten ist Kevin Stein, der ehemalige NPD-Bezirksvorsitzende. NPD und freie Nationalisten treten also auch in Husum auf – eine beängstigende Vorstellung, denn die Resultate sind klar ersichtlich.

Download Vorderseite Flugblatt
Download Rückseite Flugblatt

Mehr zum Thema:
Kommentar zu den Nazi-Übergriffen am 19.10.09

Brutaler Überfall auf der Husumer Neustadt
Die Nazis verstecken sich nicht mehr, sie treten offensiv auf. Am 18.10.09 gerieten fünf Rechtsextremisten mit dem tendenziell antifaschistischen bzw. alternativen Publikum des „Shamrocks“ aneinander. Sie verletzten u.a.zwei Männer mit Schüssen aus einer Schreckschusspistole. Zu einem zweiten Angriff kam es, nachdem die herbeigerufene Polizei abgezogen war. Laut Augenzeugen hatten sich die Nazis in den „Goldenen Schlüssel“ zurückgezogen, und starteten von dort ausgehend einen zweiten Angriff. Der Inhaber Herr Gent distanzierte sich jedoch von Vorwürfen, dass es sich bei seiner Kneipe um einen Nazi-Treffpunkt handle. Er distanziere sich von der rechten Szene, und werde in Zukunft darauf achten, keine Nazis einzulassen.

Es muss also etwas getan werden. Wenn die breite Masse schweigt, fühlen sich die Faschisten in ihrer menschenverachtenden Einstellung bestätigt. Deshalb ist es wichtig, solchen Menschen zu zeigen, dass sie nicht erwünscht sind. Man darf ihnen keinen Raum lassen, denn sonst wird der Faschismus wieder in die Gesellschaft integriert.

Aufruf zur Demonstration am 21.11.09 um 13:00 auf dem Husumer Marktplatz
Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Keine Toleranz der Intoleranz: Laut werden gegen Nazis am 21.11.09 auf dem Husumer Marktplatz um 13.00 Uhr.

Zur Demonstration rufen bisher verschiedene Einzelpersonen auf. Bitte ladet euch die Flyervorlage runter, druckt sie aus, und mobilisiert mit zur Demo. Kontakt zur Orgagruppe: hilse.max@googlemail.com

Heute Abend: Steakknife und Power in der T-Stube

Endlich ist es soweit und in Rendsburg gibt es wieder einen Raum für selbstverwaltete Kultur und Politik. Gebührend gefeiert wird dies heute Abend mit einem Konzert, dem ersten Konzert in der T-Stube nach dem Brandanschlag. Steakknife und Power werden auf der neuen Bühne stehen, am neuen Tresen kriegt ihr frische Getränke. Geil!

Einlass ist um 20 Uhr. Alle hin da!

Alle Jahre wieder – Stolpersteine putzen 2.0

Wie auch im vergangenen Jahr, haben Rendsburger Antifaschist_Innen dieses Jahr die Stolpersteine gereinigt, die in Rendsburg für die Opfer des Nationalsozialismus in den Boden eingelassen wurden. Mit Edelstahlreiniger und Haushaltsschwämmen ausgestattet lassen sich die Metalloberflächen der Stolpersteine relativ problemlos reinigen. Da die Pogromnacht von 1938 – anlässlich des 20. Jahrestags der Falls der Berliner Mauer – kaum erwähnt wird, erschien es uns dieses Jahr besonders wichtig, die Konsequenzen von Nationalismus und Rassismus ins Bewusstsein der Menschen zu rufen. Beim Reinigen der Steine erfuhren wir nebenbei noch triviale aber dennoch informative Dinge über Rendsburg, wie zum Beispiel, dass die monarchistisch benannten Straßen im Stadtteil Neuwerk nach der Sitzordnung am dänischen Königshof angeordnet sind. Ein Großteil der in Rendsburg verlegten Stolpersteine liegt im Stadtteil Neuwerk, wo sich auch die ehemalige Synagoge befindet. Ebenfalls in Neuwerk findet sich der Stolperstein, der an Frieda Magnus erinnert, nach der kürzlich eine Straße in Büdelsdorf benannt wurde.
(Nicht im Bild: Kurt Magnus, Flucht in die USA, überlebt)
Wer sich für die Stolpersteine interessiert, findet Stolpersteine unter anderem vor der Volksbank am Schiffbrückenplatz (zwischen Bank und Fahrradständern), von der Volksbank in Richtung Altstädter Markt gehend am rechten Rand der Hohen Straße. Vom Altstädter Markt aus, findet mensch in der Schleifmühlenstraße Stolpersteine vor der ehemaligen Spielhalle neben dem Schauburg-Kino und ebenfalls in der Schleifmühlenstraße einen Stolperstein hinter dem Dönerladen Paradies-Ecke, in etwa gegenüber vom Steakhouse. Nach einem kleinen Fußweg durch den Stadtpark finden sich 4 Stolpersteine, wenn mensch vor der Hauptwache stehend die Straße links der Hauptwache wählt vor einem Wohnhaus auf der rechten Straßenseite. Von hieraus gesehen finden sich Stolpersteine vor dem Dr. Bamberger-Haus und in der Rosenstraße. Danach bietet es sich an, den Stolperstein in der Moltke-Straße zu suchen, schräg gegenüber vom Polizeirevier, vor einem repräsentativen Haus, das früher wohl Dr. Bamberger, einem jüdischen Rendsburger Arzt, gehörte und in dem sich auch heute noch eine Arztpraxis findet.

Um den Passant_Innen die Aktion zu erklären, verteilten wir einen Flyer. Auf der Vorderseite wurde die Aktion erklärt, auf der Rückseite wurde die Pogromnacht historisch eingeordnet und etwas zum Pogrom in Rendsburg geschrieben. Der Text des Flyers:

Alle Jahre wieder

Alle Jahre wieder am 9. November jährt sich die Reichspogromnacht ein weiteres Mal. Der staatlich gewollte und von einer breiten Masse der Bevölkerung getragene Übergriff auf jüdische Menschen, deren Hab und Gut und Gebetsstätten konkretisierte die antisemitische Politik der NSDAP, welche in dem organisierten Massenmord an 6 Millionen Jüdinnen und Juden gipfelte. Schon am 10. Januar 1938, also einen Tag nach den Pogromen, wurden 30.000 Juden in ein Konzentrationslager verschleppt.
Die bedingungslose Kapitulation Nazideutschlands beendete den Massenmord, das rassistische und nationalistische Gedankengut vieler Menschen verschwand dennoch nicht gänzlich. Und so kommt es alle Jahre wieder, ja eigentlich täglich zu Übergriffen von (Neo-)Nazis auf Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen, es werden Synagogen beschmiert oder jüdische Friedhöfe geschändet, es werden ganze Gegenden Deutschlands zur No Go-Area für Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen, die sich gegen Nazis einsetzen werden von diesen tyrannisiert.
Auch hier in Rendsburg kam es am Wochenende zu einem Stand der NPD auf dem Paradeplatz, wo ungefähr 10 Nazis probierten ihre menschenverachtende Ideologie zu verbreiten.
Als Mahnmal gegen eben diese Ideologie wurden in den Boden Rendsburgs Stolpersteine eingelassen, die an die Opfer des nationalsozialistischen Wahns erinnern sollen. Damit diese wieder besser sichtbar sind, reinigen wir die Steine jährlich am 9. November.

Nie wieder Faschismus!

Antifa Rendsburg [AARD], November 2009
http://antifarendsburg.blogsport.de

Historischer Hintergrund

Die Reichspogromnacht

„In der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Angehörige von Sturmabteilung (SA) und Schutzstaffel (SS) zertrümmerten die Schaufenster jüdischer Geschäfte, demolierten die Wohnungen jüdischer Bürger und mißhandelten ihre Bewohner. 91 Tote, 267 zerstörte Gottes- und Gemeindehäuser und 7.500 verwüstete Geschäfte – das war die „offizielle“ Bilanz des Terrors. Tatsächlich starben während und unmittelbar in Folge der Ausschreitungen weit mehr als 1.300 Menschen, mit mindestens 1.400 wurden über die Hälfte aller Synagogen oder Gebetshäuser in Deutschland und Österreich stark beschädigt oder ganz zerstört. Weisung zu dem Pogrom war von München ausgegangen, wo sich die Führung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zum Gedenken an den 15. Jahrestag des Hitler-Putsches versammelt hatte. Am 10. November wurden mehr als 30.000 männliche Juden in Konzentrationslager (KZ) verschleppt.“
(Quelle: Deutsches Historisches Museum / www.dhm.de)

Das Pogrom in Rendsburg

In Rendsburg verübten in der Pogromnacht 2 SS-Leute einen Sprengstoffanschlag auf die Synagoge, der den Thoraschrein zerstörte. 1939 wurde das Gebäude zwangsenteignet und von einer Fischräucherei übernommen. Erst in den 1980er Jahren wurde das Gebäude restauriert und dient nun unter dem Namen Dr. Bamberger-Haus als Jüdisches Museum. “

Nicht nur 20 Jahre Mauerfall, auch 70 Jahre Attentat auf Hitler

Während sich die breite Masse in Deutschland dieser Tage dem allgemeinen Begeisterungstaumel um den 20. Jahrestag des Mauerfalls hingibt, gehen andere wichtige Jahrestage völlig unter.
An kaum einer Stelle hörte man vom Jahrestag des Matrosenaufstands 1918, als sich in Kiel am 4. November 1918 die Matrosen der kaiserlichen Marine gegen ihre Befehlshaber auflehnten und den militärischen Dienst und Kadavergehorsam verweigerten. Unter anderem diese Matrosen waren es aber, die mit ihrem Aufstand das Ende des 1. Weltkriegs besiegelten. Zusammen mit vielen Menschen aus der Arbeiterschaft zogen sie an diesem Abend zu Tausenden durch die Strassen Kiels und verliehen ihren Forderungen mit einer großen Demonstration Ausdruck. Unter anderem forderten sie die vollständige Rede- und Pressefreiheit, die Einführung von Soldatenräten und das Ende des Weltkrieges.
Diese Revolte hatte die Solidarisierung vieler weiterer Soldaten und der Zivilbevölkerung zur Folge. Die sich anschließende Novemberrevolution gipfelte in der Weimarer Republik, welche die Monarchie ablöste und den Menschen politisch wie sozial viele Fortschritte brachte.
21 Jahre später, am 08. November 1939, verübte der gelernte Schreiner und KPD-nahe Widerständler Georg Elser ein Attentat auf Adolf Hitler. Schockiert und ohnmächtig über den Vormarsch des nationalsozialistischen Terror-Regimes entschloss er sich zu einem Bombenanschlag am Abend des 8. November im Münchener Hofbräukeller. Er installierte in einer Säule hinter dem Rednerpult eine Zeitbombe und hoffte so der Schreckensherrschaft der Nazis ein Ende setzen zu können. Im Verhörprotokoll der GeStaPo steht zu seinen Beweggründen:

„Die von mir angestellten Betrachtungen zeitigten das Ergebnis, dass die Verhältnisse in Deutschland nur durch eine Beseitigung der augenblicklichen Führung geändert werden könnten. Unter der Führung verstand ich die ‚Obersten‘, ich meine damit Hitler, Göring und Goebbels. Durch meine Überlegungen kam ich zu der Überzeugung, dass durch die Beseitigung dieser 3 Männer andere Männer an die Regierung kommen, die an das Ausland keine untragbaren Forderungen stellen, ‚die kein fremdes Land einbeziehen wollen‘ und die für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse der Arbeiterschaft Sorge tragen werden.“

– Gestapo-Protokoll vom November 1939 (Quelle: Wikipedia)

Durch geänderte Rückreisepläne Hitlers misslang der Anschlag. Noch am selben Abend wurde Elser beim Versuch in die Schweiz zu fliehen verhaftet und wurde am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, durch einen Genickschuss hingerichtet.

Dieser Vorgänge sollte sich ebenso erinnert und gedacht werden, wie der Revolte in der DDR, die ursprünglich keineswegs auf eine Vereinigung mit der BRD abzielte, sondern auf einen Sozialismus mit menschlicherem Antlitz. Jedoch haben solche Ereignisse in der bundesdeutschen Erinnerungskultur neben Stauffenberg und Mauerfall keinen Platz. Die Menschen die an den oben beschriebenen Aktionen teilnahmen waren keine Helden. Wir wollen sie nicht glorifizieren. Sie stehen aber dennoch für die Überzeugung einen Umsturz der bestehenden Verhältnisse mit allen notwendigen Mitteln zu erkämpfen. Sie verhielten sich entsprechend ohne Rücksicht auf persönliche Nachteile. Ihnen war es wichtiger eine Verbesserung der politischen und sozialen Umstände herbeizuführen. Über sie gibt es nicht tagelange Doku-Sendungen, man hört auch nicht, wie zum heutigen 20. Jahrestag des Mauerfalls, beim Einkauf über das Kaufhausradio von diesen Jahrestagen. Sie gehen unter und deshalb ist es uns wichtig an sie zu erinnern.

Antifaschistische Aktion Rendsburg [AARD]

NPD-Infostand auf dem Paradeplatz am 7.11.

Artikel übernommen von indymedia, wo es auch Bilder gibt.

Heute führte der NPD-KV Kiel/Plön einen Infostand auf dem Rendsburger Paradeplatz durch. Nach über 4 Jahren haben sie sich mal wieder hier hin gewagt, wohl wissend, dass antifaschistische Proteste kaum zu erwarten sind. Denn in Kiel war am heutigen Vormittag die Demo zum Jahrestag des Matrosenaufstands 1918 mit kritischen Aktionen (siehe Indymedia-Bericht).

Heute führte der NPD-KV Kiel/Plön einen Infostand auf dem Rendsburger Paradeplatz durch. Zum letzten Mal wagten sie sich am 03.09.2005 in den Bereich der Rendsburger Innenstadt. Und zwar in die Nähe des Theatervorplatzes (vorausgegangen waren 2 Infostände am 04. und 11.06.05 auf dem Paradeplatz), wo sie von starken antifaschistischen Protesten empfangen wurden. Danach folgte nur noch eine „Kinderschänder Outing-Aktion“ in Osterrönfeld am 08.10.2005, welche von den sog. „Freien Nationalisten“ rund um das Aktionsbüro Norddeutschland von Tobias Thiessen und Inge Nottelmann getragen wurde.

Nach über 4 Jahren haben sie sich nun also hier hin gewagt, wohl wissend, dass antifaschistische Proteste kaum zu erwarten sind. Denn in Kiel war am heutigen Vormittag die Demo zum Jahrestag des Matrosenaufstands 1918 mit kritischen Aktionen (siehe Indymedia-Bericht) und somit rechneten sich die NPD-ler für Rendsburg wohl größere Chancen aus ungestört ihren Kram zu verteilen. In Kiel bekommen sie noch immer politisch keinen Fuss auf den Boden, sondern agieren mit Terror auf den Strassen und in Rendsburg fällt ihnen außer einem Brandanschlag auf das alternative Kulturzentrum „T-Stube“ auch nichts ein.

So wagten sich denn 8 deutsche Recken ins beschauliche Rendsburg. Eine bunte Mischung aus den Kieler-KV Deppen um Ratsherr Hermann Gutsche, unterstützt durch die personell schwache Gurkentruppe der „Freien Nationalisten Rendsburg FNRD“ um Sebastian Sommer. Auf dem Paradeplatz fand gerade wie jeden Samstag der Markt statt und am Rand standen sie sich 2-3 Stunden recht einsam die Beine in den Bauch. Wirklich interessiert hat sich niemand für sie. Nur vereinzelt nahmen Passanten Notiz von dem braunen Treiben und blieben für kurze Beschimpfungen stehen. Das war scheinbar sogar Jens Lütke zu blöd, denn er postierte sich mit 2 „seiner Jungs“ etwas abseits und drehte den Kameraden den Rücken zu.

Als es gegen 13 Uhr zu Nieseln begann packten sie ihren Kram zusammen und verschwanden ebenso unspektakulär, wie sie den bisherigen Vormittag verbracht hatten.
Es ist zu erwarten, dass sie sich wieder in die eigene Tasche lügen, ihre Aktion als gelungen abfeiern und die Massen hinter sich wähnen. Für eine besondere Nähe zur Realität ist dieses Häuflein ja nicht gerade bekannt.

Ärgerlich ist diese Aktion natürlich, blieb sie doch (zumindest durch organisierte Antifaschisten) unwidersprochen. Aber einen politischen Erfolg kann der Kasperverein nicht verbuchen und das ist auch gut so. Sie werden uns vermutlich nicht zum letzten Mal mit ihrer Anwesenheit beglückt haben. Das nächste Mal trauen sie sich dann vielleicht mal, wenn sie mit Protesten rechnen müssen.

Kein Fußbreit den Faschisten!

Antiziganismus-Vortrag 6/11/09!!!

Heute Abend um 18.30 findet in der Volkshochschule ein Vortrag zum Thema Antiziganismus in Vergangenheit und Gegenwart statt.
Antiziganismus bezeichnet die Feindschaft gegenüber Sinti & Roma. Referent ist Markus End, Herausgeber des Buches „Antiziganismus – Ein allgegenwärtiges Ressentiment“.

Naziflyer gegen die Frieda Magnus-Straße

In der vergangenen Woche verteilten Nazis der „Freien Nationalisten Rendsburg“ in der Frieda Magnus-Straße einen Flyer, der die Rückbenennung in „Agnes Miegel-Straße“ fordert. Presserechtlich verantwortlich für den Flyer ist erneut Sebastian Sommer. Im Folgenden werden wir die Argumentation des Flyers einfach mal auseinandernehmen, auch wenn es Dinge gibt, die unter der Würde der Kritik sind. Dennoch wollen wir eine dermaßen schwache und gefährliche Argumentation so nicht einfach stehen lassen. Fehler im Original.

Liebe Anwohnerinnen und Anwohner,

vor kurzen erhielten sie vielleicht von der Antifaschistischen Aktion Rendsburg (AARD) einen Informationszettel in dem einige Zeilen im Leben von Agnes Miegel verfasst worden sind und das die Straße aus der Sicht der AARD in Frieda Magnus umbenannt werden muss.

Soweit halten sich die Nazis zwar inhaltlich an die Fakten, schlau wird mensch aus der merkwürdigen Formulierung allerdings nicht wirklich.

Grund dafür ist, dass aus sicht der AARD keine Straße nach einer bzw. einem Verbrecher/in benannt werden darf. Aber Frau Agnes Miegel war keine Verbrecherin!

Wie für einer Erörterung üblich, wird nun der These, die in dem Fall von uns stammt und verkürzt wiedergegeben ist, eine Antithese gegenüber gestellt. Wie in einer klassischen Erörterung, werden die Nazis also in den folgenden Zeilen probieren ihre These mit Argumenten zu untermauern und unsere Argumente zu entkräften. Also fröhlich weiter in der Dokumentation ihres Scheiterns, beim Versuch dies zu schaffen.

Es ist zwar wahr, dass Frau Agnes Miegel als Verehrerin der damaligen Politik galt und somit aus Sicht der AARD eine Verbrecherin ist, aber es gab auch sehr viele andere Menschen zu dieser Zeit, die der damaligen Politik folgten.

Interessanterweise versuchen die Nazis hier einmal nicht, die Deutschen kollektiv zu Opfern zu erklären, sondern geben zu, dass ein bedeutender Teil der deutschen Bevölkerung die Verbrechen des NS-Regimes unterstützte.

Das sie als Redakteurin der „Ostpreußischen Zeitung“ gearbeitet hat entspricht der Wahrheit, doch ob dieses Medium politisch rechte oder linke Ansichten vertreten hat muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist nur, dass sich die Zeitung selbst als konservativ beschrieben hat.

Wenn wir von einer gebräuchlichen Einordnung in politisch links und politisch rechts ausgehen, dann ist eine Zeitung die von Ostpreußen als „abgetrennter Insel in der brodelnden Slawenflut“ (Ostpreußische Zeitung, 1933, zitiert in: Kossert, 2005; S 274) schreibt, wohl im Sinne eben dieser verbreiteten Definition als politisch rechts zu betrachten. Nun ist die Bezeichnung „konservativ“ im allgemeinen Sprachgebrauch allerdings auch ein Synonym für Anhänger rechter Politik. Nicht zuletzt steht auch manch Konservative_r deutlich weiter rechts, als er oder sie es sich eingestehen möchte.

Zudem denken wir, dass eine politische Ansicht alleine keinen Verbrecher ausmacht, sondern erst eine gesetzeswidrige Handlung.

Demnach können Verbrecher, die in der Position sind Gesetze zu erlassen, keine Verbrechen begehen? Der Nationalsozialismus als organisierter Massenmord von Millionen Menschen lebte vom Mitmachen eines großen Teils der Bevölkerung. Zu eben diesem Mitmachen haben geistige Brandstifter_Innen wie Agnes Miegel durch ihre Propaganda ihren Teil beigetragen.

Wir sind der Meinung, dass das Schreiben eines literarischen Werkes keine gesetzeswidrige Handlung darstellt und keine verbrecherische Vorgehensweise ist, sondern höchstens jemanden ermöglicht die Auslebung der Literarischen Kunst.

Es liegt wohl im Auge der Betrachterin, ob Rechtschreibung und Grammatik in diesem Satz nun literarische Kunst sind. Grundsätzlich ist es sicher keiner verbrecherische Handlung literarische Werke zu verfassen, wenn diese Werke allerdings explizit zur Unterstützung menschenverachtender Handlungen und Einstellungen geschaffen sind, dann kann auch das Schreiben solcher Dinge ein Verbrechen darstellen.

Diese muss nach unseren Maßstäben frei bleiben, denn durch Kunst können Menschen beeinflusst werden. Wenn sie z.B. durch die Regierung standardisiert werden würde, dann könnten diese bestimmten was uns beeinflussen darf und was nicht. Somit besteht eine geringe Chance sich seine eigene und vor allem freie Meinung zu bilden.

Paradoxerweise war Agnes Miegel Mitglied in der Preußischen Akademie der Künste, die eben dafür zuständig war, Literat_Innen gleichzuschalten und unterstützte ein Regime, dass Künstler_Innen verfolgte, umbrachte und Bücher verbrannte. Dieses Argument ist also ein Eigentor der FNRD. Menschen, die für die Verfolgung von Kunst und Literatur stehen, sollten nicht auch noch dadurch geehrt werden, dass Straßen nach ihnen benannt werden. Vielleicht ist den „Freien Nationalisten“ ja auch aufgefallen, dass wir niemandem verboten haben Agnes Miegel zu lesen und auch keine Werke von ihr zerstört haben, sondern uns schlichtweg gegen die Benennung einer Straße nach ihr einsetzen. Wir lassen jeder_jedem die Möglichkeit, sich eine eigene Meinung zu bilden – allerdings muss die Person dann auch die Konsequenzen tragen, die es mit sich bringt, diese Meinung zu vertreten und in die Tat umzusetzen.

Die Agnes Miegel Straße umzubenennen ist unserer Auffassung nach großer Unfug, zumal Frieda Magnus nur Vorsteherin einer religiösen Glaubensgemeinschaft war, genau wie die erst kürzlich zurückgetretene Erika Mustermann[*] (Kirchengemeinde in Büdelsdorf und Rickert).

Nur, dass Frieda Magnus für ihren Glauben und aus rassistischen Gründen verfolgt wurde. Auf dieser Ebene werden Diskussionen in der Büdelsdorfer Kirchengemeinde nun aber definitiv nicht geführt. Hier werden also nicht Äpfel mit Birnen verglichen, hier wird nichteinmal verglichen, es wird nur erwähnt, dass es außer Frieda Magnus auch in anderen Religionsgemeinschaften Menschen gibt, die eine bestimmte Funktion ausüben.

Außerdem bringt diese Änderung nur unnötige Kosten mit sich, wie z.B. für die Fertigung neuer Straßenschilder, und deren Montage etc.

Wir sind als Gruppe gerne bereit, die Montage der Schilder zu übernehmen. Unsere provisorische Lösung sieht optisch allerdings auch ziemlich ansehnlich aus.

Außerdem heißt die Straße schon sehr lange Agnes Miegel Straße, und die Büdelsdorfer/innen haben sich an diesen Straßennamen gewöhnt. Eine Umbenennung wäre eine unnötige Umstellung für die Büdelsdorfer Bevölkerung.

Es gibt auch Menschen, die seit 50 Jahren ans Rauchen gewöhnt sind und damit aufhören. Es ist nie zu spät, etwas Sinnvolles zu tun.

Deshalb appellieren wir an Sie, sich nicht mit so einem großen Unfug zu befassen, wie es die AARD fordert.

Und damit die Anwohner_Innen sich auch nicht mit unserem Flugblatt beschäftigen, werfen die Nazis dann halt nochmal ein Flugblatt ein, dass auf unser Flugblatt Bezug nimmt, damit die Leute es sich nochmal durchlesen müssen, falls sie den Inhalt in der Zwischenzeit vergessen haben sollten. Nicht wirklich clever, oder?

Mit freundlichen Grüßen
FN-RD

Freundlich grüßen werden wir euch nie.

*Name ist der Redaktion bekannt, wurde aber geändert, weil der Name nichts zur Sache tut