Die Bundeswehr braucht kein Mensch! Öffentliche Räume zurückerobern

Für den 24.09. plant die Bundeswehr einen sogenannten großen Zapfenstreich auf dem Rendsburger Paradeplatz. Große Zapfenstreiche sind Zeremonien, in denen uniformierte Soldat_Innen mit Fackeln und Gewehren durch die Dunkelheit laufen und ein gespenstisches Bild erzeugen. Die ganze Choreographie erinnert an Zeiten finsterer Barbarei, in denen diese Inszenierung des Militärischen üblich war. Auch der Paradeplatz, der Ort an dem der Zapfenstreich stattfindet, steht nicht in der demokratischen Tradition, in der sich die Bundeswehr gerne präsentieren würde. Eingerichtet noch von feudalen Machthabern, diente der Platz als Ort für militärische Paraden, Hinrichtungen und die Bücherverbrennung in Rendsburg.
Zapfenstreiche sind eine peinlich genau durchgeplante Zurschaustellung überkommener militärischer Traditionen, wobei die hauptsächliche militärische Tradition immernoch das Töten von Menschen ist. Genau dies rückt aber in den Hintergrund, wenn militärisches Verhalten als vermeintliche Folklore dargestellt wird. Wenn dort auf dem Paradeplatz gezeigt wird, „wie gut unsere Soldaten ihr Handwerk verstehen“ (Moderator des letzten Zapfenstreiches in Rendsburg 2007), dann rückt ihr eigentliches, tödliches Handwerk in den Hintergrund. Sehr gut erkennen lässt sich an der gesamten Darstellung aber, wie wenig der_die Einzelne zu entscheiden hat, jede_r hat einen festen Platz in der Choreographie, eigenverantwortliches Denken ist nicht nötig. Große Zapfenstreiche entblößen also unfreiwillig den eigentlichen Charakter der Bundeswehr: Ein Anachronismus [*etwas Veraltetes, Überkommenes] in einer Gesellschaft die auf Freiheit und Eigenverantwortung aufgebaut ist.

Dass es jedoch mit Freiheit und Eigenverantwortung in der BRD scheinbar doch nicht soweit her ist, zeigen die permanenten Versuche, grade von Vertreter_Innen konservativer Parteien, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen, damit sich Menschen, die für Freiheit und ein besseres Leben einsetzen, sich nicht nur einer hochgerüsteten Polizei sondern auch noch der Armee gegenüber sehen. Praktiziert wurde diese Zusammenarbeit schon beim G8-Gipfel 2007, wo Aufklärungsflugzeuge der Bundeswehr G8-Gegner_Innen beobachteten. Innere Aufrüstung, ob durch verstärkte Überwachung oder die Forderung die Bundeswehr innerhalb Deutschlands einzusetzen, kann auch in der kapitalistischen Krise keine sinnvolle Möglichkeit sein, mit gesellschaftlichen Widersprüchen umzugehen. Und was es heißt, „nur gegen Terroristen“ vorzugehen war auch im Vorfeld des G8-Gipfels zu erkennen, als linke Kritiker_Innen einfach mal zu solchen erklärt wurden.

Grade im Jahr 2009, von vielen als Supergedenkjahr bezeichnet, probiert die BRD zu jeder Gelegenheit, sich als ganz normalen, geläuterten und demokratischen Staat darzustellen um internationale Machtansprüche auf diese Weise moralisch zu legitimieren. Im Zuge dieser Bemühungen, wird nationale Symbolik verwendet um diese im Alltagsleben zu verankern und hoffähig zu machen. Grade militärische Zurschaustellungen, vor dem Berliner Reichstag oder eben, wenn auch in weit geringerem Maße, auf dem Rendsburger Paradeplatz, sind ein deutliches Zeichen für den Griff in die vordemokratische Mottenkiste nationaler Symboliken, die ironischerweise verwendet werden um sich als normaler, demokratischer Staat, wie jeder andere auch, zu präsentieren.

Wir sind allerdings fest davon überzeugt, dass eine vernünftig und auf Mitbestimmung eingerichtete menschliche Gesellschaft keine Armee mit ihren starren Herrschaftsmechanismen braucht und es bessere Möglichkeiten gibt, gesellschaftliche Konflikte zu lösen als mit Armeen – ganz gleich ob im Inland oder im Ausland.

Das Vaterland entmannen! Eine vernünftige Gesellschaft einrichten! Bundeswehr abschaffen!

Antifa Rendsburg [AARD], September 2009


1 Antwort auf “Die Bundeswehr braucht kein Mensch! Öffentliche Räume zurückerobern”


  1. 1 Großer Zapfenstreich in Rendsburg « Antifa Rendsburg (aktuelle Homepage) Pingback am 28. September 2009 um 20:03 Uhr
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