Antirassistische Flugblattaktion beim Rendsburger Herbst

Am 30.9., dem letzten Tag, des alljährlich stattfindenen Rendsburger Herbstes, war auch der letzte Tag der Woche ohne Abschiebungen. Aus diesem Anlass verteilten Mitglieder von Netzwerk Asyl 400 Flugblätter vor dem „Hohen Arsenal“ und bauten dort einen kleinen Stand auf. Dieser bestand aus einem Transpi, einem Schlauchboot und einer Puppe. Schlauchboot und Puppe sollten verdeutlichen, unter welchen Bedingungen Flüchtlinge in die EU kommen müssen. Die Flyer wurden von den Passant_Innen gut angenommen, viele haben die Flyer gelesen, kaum einer lag am Boden. Zum Teil blieben Menschen auch stehen, begutachteten die Puppe und das Transparent oder erklärten es ihren Kindern. Da die Aktion Menschen aufmerksam gemacht und hoffentlich auch zum Umdenken bewegt hat, bewerten wir diese Aktion als einen Erfolg – denn grade die Vermittlung unserer Inhalte ist ein häufiges Problem in der Linken.

Der Text des Flugblattes:
Geschichte eines Flüchtlings
Laila sitzt im Gefängnis. Sie hat zwar nichts verbrochen, aber den Bundespolizisten war das herzlich egal. Um zu verstehen, wie Laila in diese Situation gekommen ist, müssen wir in der Geschichte etwas zurückgehen.

Zuerst müssen wir sagen, Laila gibt es nicht wirklich. Sie steht sinnbildlich für mehrere Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind – aus verschiedenen Gründen, aus verschiedenen Ländern. Laila kommt aus dem Irak, aus dem Sudan, aus Liberia oder einem ganz anderen Land. Sie musste fliehen, weil ein Krieg ihr Land zerstört hat, weil ihre Familie in ihrer Heimat nicht überleben konnte, weil ein westlicher Konzern ihre Lebensgrundlagen zerstört hat – wovon wir alle profitieren- oder weil Laila als Frau unterdrückt wurde.

Laila probiert über Griechenland nach Europa zu kommen. Sie bezahlt ihr letztes Geld, um auf einem klapprigen, überladenen Boot mit nach Griechenland genommen zu werden. Auf See entdecken Booten von FRONTEX, der europäischen Abschottungsagentur die Flüchtlingsboote und drängen sie ab. Die Boote kentern, aber Laila schwimmt die letzten Meter. Viele Menschen ertrinken. In Griechenland möchte Laila Asyl beantragen, aber das ist fast unmöglich. Nur 2 Menschen haben letztes Jahr in Griechenland Asyl erhalten. Deshalb möchte sie unerkannt weiter nach Norwegen reisen, das nicht zur EU gehört. Vielleicht bekommt sie hier Asyl. Doch auf der Autobahn zwischen Rendsburg und Flensburg wird sie von der Bundespolizei entdeckt. Da Laila schon in Griechenland Asyl beantragt hat, darf sie in Deutschland und in keinem anderen EU-Land erneut Asyl beantragen. Die Polizisten bringen sie ins Gefängnis in Lübeck. Als Mann wäre sie im Rendsburger Abschiebeknast gelandet. Doch Laila hatte Glück: Mehr als 8000 Menschen sind an den europäischen Außengrenzen bereits gestorben. Ein Großteil, der Menschen, die es trotzdem schaffen wird abgeschoben. Das droht auch Laila, wenn kein Gericht es noch verhindert. Das Grundgesetz garantiert die Würde des Menschen zu schützen. Für Flüchtlinge gilt das quasi nicht.
Wir fordern daher: Bleiberecht für alle Flüchtlinge!