Idioten, Nazis, Bad Nenndorf

Am Samstag, dem 1. August, fand in Bad Nenndorf zum dritten Mal der inzwischen jährliche Naziaufmarsch statt, in dem die notorischen Opfer ihre im lokalen Schwimmbad von den Briten gefolterten Kameraden betrauern. Da es in den letzten Jahren kaum Widerstand gegen den Aufmarsch gab, der sich in diesem Jahr zu einem der größten regelmäßigen Aufmärsche in Deutschland entwickelt hat – nach dem Aufmarsch in Dresden und dem „Antikriegstag“ in Dortmund –, entschloss sich eine Gruppe Antifas aus Schleswig-Holstein sich nach Bad Nenndorf zu begeben und sich den Nazis entgegenzustellen.

Zuerst vielleicht ein kurzer Exkurs zum touristischen Teil des Trips nach Bad Nenndorf:
Eine Kleinstadt am Arsch der Heide, beziehungsweise nahe Hannover. Bevölkert wird die ganze Stadt scheinbar nur von Tourist_Innen im Rentenalter, für andere Menschen ist der Ort zu ruhig. Oder, wie eine Polizistin es treffend auf den Punkt brachte: „Ihr macht hier Urlaub? Wie langweilig! Das soll ich euch glauben? Hier ist doch nichts!“ Tatsache, würde ich in Bad Nenndorf wohnen müssen, ich würde sogar freiwillig nach Rendsburg ziehen.

Der Auftakt für die Kundgebung des bürgerlichen Bündnisses gegen den Naziaufmarsch war nur durch ein paar Hamburger Gitter vom Startplatz der Nazis entfernt. Dort angekommen, erwarteten einen erstmal CDUler_Innen mit schwarz-rot-gelbem Stoffklopapier in Übergröße am Holzstock. Nur folgerichtig also, dass das Bündnis nicht darauf ausgerichtet war, die Naziroute zu blockieren sondern eine Tanz- und Bratwurstveranstaltung zu werden, nur, dass es überteuerte Pizza statt Bratwurst gab. Ebenso folgerichtig, dass sich die Demoleitung nicht konsequent gegen die Vorkontrollen mit dem Zug angereister Antifas stellte sondern die Polizei lediglich bat, nur noch „stichprobenartig“ zu kontrollieren, damit die bürgerliche Demo endlich mal losgehen kann. Genauso folgerichtig auch, dass einige Flitzpiepen aus dem bürgerlichen Bündnis den Versuch auf die Naziroute zu gelangen handfest behinderten – es könnten ja Bilder von zivilem Ungehorsam den Partycharakter ihrer Gegenveranstaltung stören.
Die meisten Antifas hielt es dementsprechend nicht lange bei der bürgerlichen Gewissenberuhigung, wo clownesk gekleidete Bürgerinnen einem erklärten, dass mensch selbst ja quasi sei, wie die Nazis. Bad Nenndorf bleibt nicht bunt, Bad Nenndorf bleibt scheiße!
An die Naziroute war dennoch kein näheres Herankommen, zumindest nicht in ausreichend großen Gruppen für eine Blockade. Den Zug der Neonazis haben wir nur einmal aus der Nähe gesehen, grade durch die weißen T-Shirts, die die Bullen den Nazis gegeben haben, wirkte der Zug sehr gespenstisch. Krass, dass da deutlich mehr Nazis als entschlossene Antifas am Start waren, traurig, dass einer der größten Naziaufmärsche in Deutschland so wenig Widerstand erfährt. Gratulation und Dank an all die, die Samstags lieber ausschlafen. Mensch muss nicht jedem kleinen Aufmarsch der Nazis hinterherfahren, aber grade aus Niedersachsen hätten da gerne ein paar Leute mehr am Start gewesen sein dürfen.

Was war sonst noch? Ach ja, mindestens ein Nazi aus Rendsburg war auch da: Sebastian Sommer, nur am Rand zu sehen, roter Bart, weiße Schuhe.

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