Archiv für August 2009

Jetzt schlägts 13 – Club 88 schließen Vol. 3

Wir unterstützen folgenden Aufruf:

„Jetzt schlägt’s 13…“

Antifaschistische Demonstration
Sa., 26.9.09 / 15h HBF Neumünster
www.club88-schliessen.tk

Mit dem Club 88 (die Zahl 88 steht im gebräuchlichen Code der Naziszene für „Heil Hitler“, abgeleitet von dem H als achten Buchstabe im Alphabet) besteht im Neumünsteraner Stadtteil Gadeland eine ausschließlich von und für Nazis betriebene Lokalität, die in dieser Form wohl einmalig in ganz Deutschland ist. Das schwarz gestrichene Gebäude in der Kummerfelderstraße ist für die Nazis überregional von großer Bedeutung, um sich ungestört und regelmäßig treffen zu können, sei es nach und vor Demonstrationen, zu Konzerten und Liederabenden
oder den normalen Öffnungszeiten an jedem Wochenende. Auf einschlägigen Internetseiten, Weblogs und Foren wird bundesweit für den Club 88 Werbung gemacht, sowie zur Unterstützung dieser „nationalen Struktur“ aufgerufen. Jährlich zwischen Ende September und Anfang Oktober feiert der Club 88 sein Bestehen. Zu diesem Anlass kamen regelmäßig zwischen 250 und 500 Nazis nach Neumünster (im Jahre 2002 waren es sogar rund 700 FaschistInnen, die den Club-Geburtstag gleich mit einem ganzen Konzert auf einem Gelände in der Wrangelstraße feierten).

Zwar ist der Geburtstag des Club 88 der konkrete Anlass für die geplante antifaschistische Demonstration, jedoch bietet diese Lokalität nicht allein durch ihre alljährlichen “Geburtstagsfeiern” genug Grund für breite Proteste, denn mit dem Club 88 verfügt die Naziszene in Neumünster über eine Struktur, die für alle antifaschistisch und demokratisch gesinnten Menschen eine Bedrohung darstellt. Die Neumünsteraner Naziszene hat mit dem Club 88 seit 13 Jahren einen Treffpunkt, in dem sich ihre Anhänger ungestört und trotzdem “offiziell”, also nicht heimlich oder privat, sondern völlig offen treffen und zum Nationalsozialismus bekennen können.Der Club “Heil Hitler” steht seit 13 Jahren völlig ungestört gegenüber einer Schule mitten in einem Wohngebiet, als wäre dies das Normalste der Welt und als hätte es die in der NS-Zeit verübten Verbrechen nie gegeben. Das Ergebnis aus 13 Jahren Club 88 kann man sich mit einem Blick auf die Verhältnisse heute in Neumünster ansehen. Neumünster verfügt wie kaum eine andere Stadt in Schleswig-Holstein sowohl über eine organisierte Naziszene als auch über eine rechtsextreme “Alltagskultur”. In Neumünster brauchen Nazis nicht erst über Infotische, Aufmärsche oder dergleichen versuchen, Akzeptanz in der Mitte der Gesellschaft zu finden, sie sind längst da, in einigen Sportvereinen, in Kneipen, auf Stadtfesten etc. Dass gleichzeitig öffentlichkeitswirksame Aktionen nicht oder kaum stattfanden, erschwerte es AntifaschistInnen in Neumünster über Jahre, das Thema öffentlich zu problematisieren. Eines der offensichtlichsten Ergebnisse dieser Akzeptanz von Nazis ist die Kneipe Titanic in der Friedrichstraße, die mittlerweile neben dem Club 88 als zweiter Nazitreffpunkt in Neumünster fungiert. Dies geschieht immer offener, so wurde im vergangenen Jahr der Geburtstag des Club 88 mit rechtsextremen Liedermachern am Abend in die Titanic verlegt. Dies geschah, um den Auflagen, welche die Stadt für den Club-Geburtstag erlassen hatte, kurzfristig zu entgehen, und spricht für die enge Zusammenarbeit von Titanic-Betreibern und Nazis aus dem Club 88. Neben “ungeplanten” Gewalttaten, die ein so großes Potenzial von Rechtsextremen in der Stadt hervorbringt, gab es seit Anfang 2009 ausgehend von der sogenannten “Aktionsgruppe Neumünster” auch eine Reihe organisierter Gewalttaten. Auch ist zu befürchten, dass die NPD, vermutlich unterstützt von der Teils ebenfalls in der NPD organisierten “Aktionsgruppe Neumünster”, einen großangelegten Wahlkampf zur Landtagswahl am 27.9.09 in Neumünster plant, da die NPD hier 2005 ein überdurchschnittlich hohes Wahlergebnis erzielte. Genügend Gründe also für eine breit angelegte Demonstration am 26.9.09.

Wir werden in diesem Jahr, im Unterschied zu den Demonstrationen der beiden letzten Jahre, direkt in Gadeland demonstrieren.
Dabei gehen wir auch in diesem Jahr nicht davon aus, den Club-Geburtstag vollständig verhindern zu können. Es ist jedoch mit den beiden Demonstrationen 2007 und 2008 gelungen, den Club-Geburtstag wieder öffentlich zu problematisieren, den Nazis wurde nicht die Innenstadt überlassen und nicht zuletzt durch die Proteste gab es strenge Auflagen für die Nazifeiern. Daran gilt es anzuknüpfen, da es das erklärte Ziel seit der ersten Demonstration ist, irgendwann die Nazifeiern vollständig verhindern zu können, z.B. weil sich mehrere tausend DemonstrantInnen über Stunden in Gadeland aufhalten werden. In diesem Jahr wird es eine ausführliche Kundgebung in Gadeland mit Musikprogramm geben, um der Nazifeier ein Stück
antifaschistischer Kultur entgegenzuhalten. Danach wird die Demonstration wieder zurück in die Innenstadt führen. Am Rande des am selben Abend stattfindenden Klosterrock-Festivals wird es wie bereits im Vorjahr einen antifaschistischen Infopunkt geben.
Beteiligen Sie sich an der Demonstration gegen den Club-Geburtstag, gegen den Club 88 als Ganzes, gegen Nazigewalt und auch, um einen Tag vor der Landtagsund Bundestagswahl ein deutliches Zeichen
gegen die Wahl der NPD zu setzen. Für den Fall, dass der Clubgeburtstag an einem anderen Tag stattfinden sollte, wird es auch dann Proteste geben. Ort und Zeit werden rechtzeitig bekanntgegeben.

Weitere Infos: http://www.club88-schliessen.tk

Unterstützer_innen:
[a²]-Hamburg * Antifaschistische Aktion Neumünster * Antifaschistische Aktion Rendsburg * Antifaschistisches Bündnis Dithmarschen * Antifaschistische Initiative Elmshorn * amnesty international NMS * Aktion Jugendzentrum (AJZ) e.V. * Antifaschistische Aktion Kopenhagen * Autonome Antifa-Koordination Kiel * Autonomes Frauenhaus NMS * Autonome Linke Hamburg * DGB Region KERN * Die Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein * Die Linke Kreisverband NMS * Evangelische Jugend Neumünster * DKP NMS * FAU Segeberg * Flüchtlingsrat S-H * Grüne Jugend S-H * Jugendzentrum „Hotel am Kalkberg“ Segeberg * IG Metall NMS * Jusos Segeberg * Kirchenkreis Jugendvertretung NMS * Kreisverband „Bündnis 90/die Grünen“ NMS * Landesausschuss der Studentinnen und Studenten (LASS) GEW Niedersachsen * Linksjugend (solid) NMS * Pawel Skateshop * Plan B/Antifa Segeberg * Segeberger Bündnis für Demokratie und Toleranz – Bündnis gegen Rechts * Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) S-H * SPD Kreisverband Neumünster * Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der AntifaschistInnen NMS * Verein für Toleranz und Zivilcourage * Ver.di Bezirk Südholstein * Ver.di Jugend Südholstein

Das Geheimnis ist gelüftet: Kettcar ist Secret Headliner

Eine gute und eine schlechte Nachricht:
Beim T-Stube-Renovierungs-Soli-Konzert am 11.09 in der Nordmarkhalle ist entgegen anders lautender früherer Meldungen nicht Britney Spears der geheime Headliner. Dafür spielt die Hamburger Indyband Kettcar. Welches die gute und welches die schlechte Nachricht ist dürft ihr euch aussuchen. ;)
Hier ein aktuelles Plakat:

Aktueller Flyer

Das Autor_Innenteam freut sich auf jeden Fall ziemlich auf Kettcar und das gesamte Konzert, auch wenn eine Minderheit Britney Spears auch ganz knorke gefunden hätte.

Solidarität mit den streikenden Arbeiter_Innen in Südkorea

Die Info kommt hier vielleicht etwas spät, aber falls es jemand doch noch schafft: Eine superwichtige Sache!

Guten Tag,

morgen, am Donnerstag, den 06. August, wird es ab 14.00 Uhr vor dem
südkoreanischen Generalkonsulat eine Protestkundgebung in Solidarität
mit den kämpfenden ArbeiterInnen der SsangYong-Fabrik geben.

Unser Protest richtet sich gegen die Stürmung der von ArbeiterInnen
besezten SsangYong-Fabrik durch Polizei und Streikbrecher. Der mutige
Kampf der GewerkschafterInnen bedarf dringend unserer Unterstützung. Es
gab bereits mehrere Schwerverletzte.

Generalkonsulat der Republik Korea
Kaiser-Wilhelm-Straße 9, 20355 Hamburg

Karte:
http://maps.google.de/maps?client=firefox-a&rls=org.mozilla:de:official&hl=d
e&q=Kaiser-Wilhelm-Stra%C3%9Fe+9,+20355+Hamburg&um=1&ie=UTF-8&split=0&gl=de&
ei=yol5SuzJEMGksAbemfidBQ&sa=X&oi=geocode_result&ct=title&resnum=1

Kommt zahlreich, sagt es weiter und leitet diese email weiter!

Hintergründe und Bilder: Korean Confederation of Trade Unions
Gruppe Dissident (auf Deutsch)
und http://www.labournet.de/internationales/korea/arbeitskampf.html

Solidarität globalisieren!

Nachtrag: Die E-Mail kam über die express-Mailinglist ohne Absender, Organisator ist aber scheinbar die SoL-HH.

Idioten, Nazis, Bad Nenndorf

Am Samstag, dem 1. August, fand in Bad Nenndorf zum dritten Mal der inzwischen jährliche Naziaufmarsch statt, in dem die notorischen Opfer ihre im lokalen Schwimmbad von den Briten gefolterten Kameraden betrauern. Da es in den letzten Jahren kaum Widerstand gegen den Aufmarsch gab, der sich in diesem Jahr zu einem der größten regelmäßigen Aufmärsche in Deutschland entwickelt hat – nach dem Aufmarsch in Dresden und dem „Antikriegstag“ in Dortmund –, entschloss sich eine Gruppe Antifas aus Schleswig-Holstein sich nach Bad Nenndorf zu begeben und sich den Nazis entgegenzustellen.

Zuerst vielleicht ein kurzer Exkurs zum touristischen Teil des Trips nach Bad Nenndorf:
Eine Kleinstadt am Arsch der Heide, beziehungsweise nahe Hannover. Bevölkert wird die ganze Stadt scheinbar nur von Tourist_Innen im Rentenalter, für andere Menschen ist der Ort zu ruhig. Oder, wie eine Polizistin es treffend auf den Punkt brachte: „Ihr macht hier Urlaub? Wie langweilig! Das soll ich euch glauben? Hier ist doch nichts!“ Tatsache, würde ich in Bad Nenndorf wohnen müssen, ich würde sogar freiwillig nach Rendsburg ziehen.

Der Auftakt für die Kundgebung des bürgerlichen Bündnisses gegen den Naziaufmarsch war nur durch ein paar Hamburger Gitter vom Startplatz der Nazis entfernt. Dort angekommen, erwarteten einen erstmal CDUler_Innen mit schwarz-rot-gelbem Stoffklopapier in Übergröße am Holzstock. Nur folgerichtig also, dass das Bündnis nicht darauf ausgerichtet war, die Naziroute zu blockieren sondern eine Tanz- und Bratwurstveranstaltung zu werden, nur, dass es überteuerte Pizza statt Bratwurst gab. Ebenso folgerichtig, dass sich die Demoleitung nicht konsequent gegen die Vorkontrollen mit dem Zug angereister Antifas stellte sondern die Polizei lediglich bat, nur noch „stichprobenartig“ zu kontrollieren, damit die bürgerliche Demo endlich mal losgehen kann. Genauso folgerichtig auch, dass einige Flitzpiepen aus dem bürgerlichen Bündnis den Versuch auf die Naziroute zu gelangen handfest behinderten – es könnten ja Bilder von zivilem Ungehorsam den Partycharakter ihrer Gegenveranstaltung stören.
Die meisten Antifas hielt es dementsprechend nicht lange bei der bürgerlichen Gewissenberuhigung, wo clownesk gekleidete Bürgerinnen einem erklärten, dass mensch selbst ja quasi sei, wie die Nazis. Bad Nenndorf bleibt nicht bunt, Bad Nenndorf bleibt scheiße!
An die Naziroute war dennoch kein näheres Herankommen, zumindest nicht in ausreichend großen Gruppen für eine Blockade. Den Zug der Neonazis haben wir nur einmal aus der Nähe gesehen, grade durch die weißen T-Shirts, die die Bullen den Nazis gegeben haben, wirkte der Zug sehr gespenstisch. Krass, dass da deutlich mehr Nazis als entschlossene Antifas am Start waren, traurig, dass einer der größten Naziaufmärsche in Deutschland so wenig Widerstand erfährt. Gratulation und Dank an all die, die Samstags lieber ausschlafen. Mensch muss nicht jedem kleinen Aufmarsch der Nazis hinterherfahren, aber grade aus Niedersachsen hätten da gerne ein paar Leute mehr am Start gewesen sein dürfen.

Was war sonst noch? Ach ja, mindestens ein Nazi aus Rendsburg war auch da: Sebastian Sommer, nur am Rand zu sehen, roter Bart, weiße Schuhe.

Checkt auch: http://badnenndorf.blogsport.de/