Bericht von der Zwangsarbeit-Ausstellung in der CTR

In der CTR gastiert derzeit ja, wie berichtet die Ausstellung „Erinnerung bewahren. Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939-1945″.
Gestern fand dann auch ein Mitglied des Redaktionskollektivs mal die Zeit, sich die sehenswerte Ausstellung anzugucken. Auf den Schautafeln werden zuerst die historischen Hintergründe des deutschen Überfalls aus Polen geschildert, der Hitler-Stalin-Pakt und die geplante Aufteilung Polens zwischen Deutschem Reich und Sowjetunion geschildert.
Nach dem Überfall auf Polen, wurden viele Pol_Innen, die die nationalsozialistische Ideologie als „rassisch minderwertig“ betrachtete, zur Zwangsarbeit in Deutschland gezwungen. Zwangsarbeiter_Innen arbeiteten unter anderem bei Porsche und VW, wie eklig wirkt es in Anbetracht dieser Tatsache, dass VW im letzten Jahr sein 60. Firmenjubiläum feierte und dabei ignorierte, dass der „Volkswagen“ eine Idee der Nazis war und jahrelange Zwangsarbeit einfach aus der Firmenhistorie ausblendet?
Besonders in kriegswichtigen Wirtschaftszweigen und der Landwirtschaft wurden Pol_Innen eingesetzt, um Deutschland trotz einer hohen Anzahl von Frontsoldaten kriegsfähig zu halten. Hieran zeigt sich die ganze perverse Perfidie der nationalsozialistischen Rassegedanken: In Mittel- und Osteuropa wird ein Vernichtungskrieg gegen die (insbesondere jüdische) Bevölkerung geführt, kriegswichtige Maßnahmen werden zur Durchführung der Shoah ignoriert, um Krieg und Holocaust aber trotzdem fortzusetzen, werden Menschen gezwungen, für die Fortführung des Krieges gegen sie zu arbeiten. Der Überfall auf Polen brachte zudem 1,8 Millionen jüdische Pol_Innen in die Gewalt der Nazis, für die 1942 in der Wannseekonferenz beschlossene Ausrottung der Juden_/_Jüdinnen. werden Vernichtungslager auf polnischem Boden errichtet und polnische Zwangsarbeiter_Innen gezwungen, auch in diesen Lagern zur arbeiten. Eine interessante Aussage zu Konzentrationslagern in Deutschland und im besetzten Polen traf nebenbei ein Führer in Neuengamme, wenn auch nicht im Rahmen der Ausstellung: Aus KZs, die die Nazis in Polen einrichteten war gelegentlich eine Flucht möglich, da eine gute Chance bestand, Hilfe bei solidarischen Anwohner_Innen in der Umgebung zu finden. Eine Flucht aus Neuengamme endete spätestens beim nächsten Bauern, der die Polizei rief.
Ein weiterer Teil der Ausstellung widmet sich dem Schicksal von Kindern. Im Verlauf des Krieges wurden sogar 8-jährige Pol_Innen zur Arbeit gezwungen, für Kinder ab 2 gab es spezielle Lager. An diesen Kindern wurden teilweise Schädelvermessungen durchgeführt, um die „rassische Eignung“ für eine „Germanisierung“ zu überprüfen. Dabei wurden die Kinder in 3 Kategorien eingeteilt, die kategorisierten, ob sie „wünschenswerte Deutsche“ werden könnten. Sahen die Nazis diese Möglichkeit gegeben, wurden die Kinder zwangsweise in Deutschland aufgezogen.
Gut an der Ausstellung sind auch die zahlreichen Fotos, die den sonst anonymen Opfern eine Identität verleihen, ihnen ein Gesicht geben und sie nicht auf die Nummer reduzieren, die die Nazis ihnen verpasst haben. Interessant und schockierend ist außerdem ein kopiertes Dokument, was dort ausliegt und die Pläne der Nazis schildert, in der Christian Timm-Schule eine Gaskammer einzurichten. (Berichtigung: Es gab einen Raum in der Christian Timm-Schule, dieser diente aber der Entlausung von Klamotten und nicht der Tötung von Menschen. Da „Entlausung“ den Nazis häufig als Beschönigung für Vergasung diente, hat der Autor des Artikels dies verwechselt.)
Für die Ausstellung sollte mensch in gemütlichem Lesetempo etwa eine 3/4-Stunde bis zu einer Stunde Zeit einplanen, zur ausführlichen Beschäftigung kann etwas mehr Zeit aber auch nicht schaden.