Homophobie: Ein gefährliches Vorurteil


Bühne frei vs. Knüppel frei

Während in der Moskauer Olimpijski Halle tausende Fans das Finale des hochspannenden „Eurovision Song Contest“ verfolgten, wurden kurz zuvor Demonstranten, die für die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben in der Gesellschaft, wie auch vor dem Gesetz, eintraten, brutal von der russischen Polizei verprügelt, verhaftet und abtransportiert.
Die Ankündigungen einzelner Künstler und Fernsehsender, die Veranstaltung zu boykottieren, falls die Demonstration nicht genehmigt werden würde, lösten sich in Luft aus, als man erkannt, dass man den Worten, Taten hätte folgen lassen müssen und damit die eigene Karriere oder hohe Einschaltquoten auf Spiel setzen müsste.
So blieb es bei dem Boykott Österreichs, der allerdings nicht im geringsten die Absicht hatte, das latent homophobe Verhalten der russischen Regierung zu verurteilen, sondern sich damit gegen das Abstimmungsverhalten der Osteuropäischen Teilnehmer bei der Punktevergabe richtete. Ein trauriges Sinnbild für den Stellenwert den der Kampf gegen Schwulen- bzw. Lesbenfeindlichkeit in der Öffentlichkeit einnimmt.
Neben dem erschreckend Verhalten der russischen Polizei oder die Tatsache, dass in vielen Ländern Homosexualität immer noch als Geisteskrankheit oder als Verbrechen betrachtet wird, ist auch eine Statistik die 2007 zum Vorschein brachte, dass das meistgebrauchte Schimpfwort unter Jugendliche in Deutschland „schwule Sau“ ist, mit Unbehagen zu betrachten.

Stereotypen in der Gesellschaft

Doch woher kommt diese extreme Homophobie und aus welchen Gründen ist sie bis tief in die Mitte der Gesellschaft so fest verankert?
Es gibt verschiedene Ansätze das Phänomen der Homophobie zu erklären und daraus folgend zu verstehen, warum diese Abneigung grade bei Jugendlichen leider immer noch stark vorhanden ist.
So ist das Problem aus sozialpsychologischer Sicht auf das soziale Umfeld zurückzuführen. Hier bilden sich bereits im Kindesalter Stereotypen in den Köpfen, die durch die Umwelt allgegenwärtig sind. Einmal im Kopf verstärken sich diese Klischees und man ordnet Homosexuelle grundsätzlich in ein Schema ein, was die Vorurteile nur noch weiter verstärkt. In diesem Stadium der Sozialisation von Jugendlichen können Äußerungen, wie z. B. vom Rapper G-Hot: „Keine Toleranz, NEIN, wir dulden keine Schwuchteln,“ fatale Folgen haben und diesen diskriminierenden Tendenzen muss entschlossen entgegengewirkt werden.

Homophobie all day long

Der täglichen Sprachgebrauch von Wörtern wie „Schwuchtel“ oder einfach nur das abwertende Adjektiv „schwul“ zeigen ganz deutlich die Diskriminierung die Homosexuelle täglich durch den Sprachgebrauch der Gesellschaft erleiden. Auch die Ausrede, dass mensch ja eigentlich gar nichts gegen Homosexuelle hätte und dies doch „ganz normaler Sprachgebrauch“ sei, kann hier keines falls gelten. Durch die eindeutig abwertende Verwendung dieser Wörter wird Homosexualität als etwas schlechtes dargestellt. Die Antipathie wird durch diese „Schimpfwörter“ weit in die Gesellschaft hineingetragen und wird, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein, negativ im Kopf gespeichert und ebenso als negative Formulierung verwendet.
Doch nicht nur der Sprachgebrauch lässt Homophobie als allgegenwärtig erscheinen, auch die Medien steuern ihren Teil dazu bei. Talkshows in denen Homosexuelle als lächerlich dargestellt werden oder Castingshows in denen einzelne Schwule als allgemeingültiges Stereotyp aller Schwulen inszeniert werden, setzen das Klischee in den Köpfen fest und zeigen Homosexuelle als Witzfiguren der DSDS-Nation.
Den Schlusspunkt der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Schwulen- und Lesebenfeindlichkeit setzen unter anderem die katholische Kirche, aber auch der Islam. Mit haltlosen Moralvorstellungen und polemischen Äußerungen wie „Der Legalisierung des Bösen“ über gleichgeschlechtliche Ehen, versuchen die Hirten ihre Schafe aufzuhetzen.

Reaktionär und Wut im Bauch

Ein weiterer Erklärungsansatz ist, dass eine Angst vor der Infragestellung von essentiellen Werten und Normen in der Gesellschaft herrscht. So zeigt die teilweise latente Homophobie im alltäglichen Leben, dass bei großen Teilen der Bevölkerung noch immer konservative und reaktionäre Grundnormen die Meinung bilden.
Doch Sozialforscher wie z.B Theodor W. Adorno, halten auch eine Übertragung des Hasses und der Wut gegenüber zentralen Autoritäten auf vermeintlich schutzlose Minderheiten in der Gesellschaft für einen Grund für diskriminierendes Verhalten. Dies betrifft nicht nur Homosexuelle sondern alle Minoritäten mit denen wir zusammen leben.
Eine reaktionäre Grundhaltung, Unmut über die Autoritäten, wie Staat oder Regierung, mischen sich also und ergeben einen gefährlichen Mix aus Ausgrenzung und Hass auf Andersdenkende. Diesem sollte mensch mit Weltoffenheit und einem progressiven Verhalten, welches sich klar von Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe, der sexuellen Orientierung oder der sozialen Stellung in der Gesellschaft distanziert, entgegensteuern.

Gleichberechtigung erkämpfen

Statistisch gesehen gibt es in jeder Klasse sowohl ein lesbisches Mädchen, als auch einen schwulen Jungen, sodass es Zeit wird für eine wirkliche Gleichberechtigung und eine Atmosphäre zu kämpfen, in der sich Homosexuelle ohne Angst outen können, „Schwuchtel“ kein ganz normales Schimpfwort unter Jugendlichen ist und nicht 32% der Deutschen ein „moralisches Problem mit Homosexualität“ haben!

Homophobie Zerstören!
Sexuelle Freiheit erkämpfen!
Den bestehende Verhältnissen zuwider handeln!


4 Antworten auf “Homophobie: Ein gefährliches Vorurteil”


  1. 1 Antifa RD 03. Juni 2009 um 22:50 Uhr

    „[…]des hochspannenden „Eurovision Song Contest“[…]“

    herrlich, diese ironie :D

  2. 2 antifarendsburg 05. Juni 2009 um 6:38 Uhr

    Klappe, sonst bau ich Miss Kiss Kiss Bang Bang oder wie das heißt als Hintergrundmusik ein!

  3. 3 Antifa RD 06. Juni 2009 um 23:54 Uhr

    ja, wat denn!

  4. 4 sam 21. Februar 2010 um 16:40 Uhr

    Großartiger Text!
    Ich schreib grad meine Facharbeit über das Thema „Darstellung Homosexueller in Film und Fernsehen“. Homophobie spielt hier eine bedeutende Rolle..Vielleicht erwähn ich diesen Text sogar (;

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