Patriotismus? Braucht kein Mensch!

Im Rahmen unseres Bestrebens, mehr Ergebnisse theoretischer Auseinandersetzungen hier zu veröffentlichen, ein Text zum Thema Patriotismus/Nationalismus:

Deutsches Nationalbewusstsein
„Du bist Deutschland“[1] hieß es. Mit der Finanzkrise und der damit einhergehenden Krise des ungerechten kapitalistischen Systems, hat sich der Slogan gewandelt, ist aber von seiner Grundbedeutung nicht abgewichen: In Zeiten der Not solle Deutschland zusammenstehen und auch die Politik Geschlossenheit demonstrieren.[2] „Deutschland ist stark“, sagt Angela Merkel, die Kanzlerin der BRD.[3] Eine kritische Auseinandersetzung mit dem bestehenden System der Maßlosigkeit, Raffgier, Ausbeutung und Vernichtung, wird von den Machthabern allerdings nicht akzeptiert. So soll die Ordnung, in der Ungerechtigkeit gut-bürgerlich etabliert ist und die große Masse der Menschheit zum Wohle relativ Weniger ausgebeutet wird, entgegen aller ihrer Widersprüche künstlich am Leben erhalten werden.

Was bewirkt Patriotismus?
In Zeiten der Krise die Nation zusammenschweißen: Das ist die grundsätzliche Aufgabe, die einem patriotischen Nationalgefühl angedichtet werden soll. Tatsächlich zeigt sich allerdings, dass das gerade in Deutschland immer wieder geforderte Wir-Gefühl nicht zur Überwindung wirtschaftlicher Krisenzeiten dienen soll, sondern zur Sicherung und Aufrechterhaltung ungerechter, falscher und undemokratischer Zustände missbraucht wird. Historisch zeigt sich dies z.B. vor Beginn des ersten Weltkriegs: Durch den Willen, das “Vaterland” zu verteidigen und mit nationalistischer Argumentation wandte sich die Mehrzahl der damaligen SPD, die sich zuvor gegen den Krieg ausgesprochen hatte, zugunsten eines nationalistischen Angriffskrieges und bewilligten den benötigten Militärhaushalt.
Gleichzeitig soll dem guten Staatsbürger jegliche kritische Meinung im Halse stecken bleiben zugunsten einer Ordnung, deren Existenz nicht zu rechtfertigen ist. Ein Gruppengefühl, das auf abzulehnenden Umständen fußt, schließt automatisch diejenigen aus, deren kritische Betrachtung der Gesellschaft eine Gefahr für die Herrschenden darstellt.

Vom Patriotismus zum Nationalismus
Das deutsche Nationalgefühl ist ein völkisches, d.h. der Mensch ist nur durch seine Geburt bzw. Abstammung dazu berechtigt, sich als Deutscher zu fühlen. Auf Grundlage einer künstlichen Historie wird das Deutschtum als Geburtsrecht dargestellt.
Eine wirklich deutsche (im nationalen Sinne) Geschichte gibt es tatsächlich erst seit 1871. Dessen ungeachtet wird der Ursprung der deutschen Nation als sich im Germanentum findend akzeptiert. Mittelalterliche Sprachbarrieren und Jahrhunderte währende Fremdherrschaft werden hier ebenso gründlich ignoriert, wie die Konkurrenz verschiedener Kleinstaaten im Verlauf dieser angeblich einigen deutschen Entwicklung.
Ein völkischer Patriotismus, bei dem “Abstammung”, im Sinne einer angeblich biologischen Verbundenheit, maßgeblich für die Zugehörigkeit zu einer Nation ist, führt aber unweigerlich zu einem Erhabenheitsgefühl gegenüber den Ausgeschlossenen. Vom Patriotismus zum Nationalismus – und damit verbunden zur Ausgrenzung und zum Fremdenhass – ist es nur ein kleiner Schritt. Deutscher Patriotismus birgt also die immerwährende Gefahr eines aufkeimenden Rassismus, dem entschieden entgegen getreten werden muss.
Die angebliche Überlegenheit, die schon dem europäischen Kolonialismus einen gerechtfertigten Anspruch verleihen wollte, rechtfertigt auch heute die neoliberale Ausbeutung in einer nach kapitalistischen Maßstäben globalisierten Welt. Produktionsmittel und Geldkapital sind hauptsächlich westlichen Staaten zugänglich, die Menschen in den ausgegrenzten Staaten werden zu Lieferanten von Rohstoffen und billiger Arbeitskraft ohne Anspruch auf den aus ihrer Arbeit resultierenden Wohlstand gemacht..

Was also tun?
Ein Gruppengefühl darf niemals dazu dienen, Widersprüche in der Gruppe zu unterdrücken. Patriotismus schafft eine künstliche Atmosphäre der Einigkeit, bei dem widersprüchliche Standpunkte schlichtweg ignoriert und übergangen und konträre Meinungen ausgregrenzt werden. Wir lehnen Patriotismus in logischer Folge als Sinnbild des Kampfes um ein veraltetes und unrechtmäßiges System gänzlich und vollkommen ab. Wir wollen ein Gruppengefühl auf der Basis von politischen Gemeinsamkeiten und im Wissen um die Unterschiedlichkeit jeder/jedes einzelnen und deren Akzeptanz schaffen und fördern, um reflektierte, kritische und alternative Gedanken keimen zu lassen. Wir wollen kein gleichgeschaltetes Kollektiv, sondern ein solidarischer Miteinander, in dem Menschen ohne Angst verschieden sein können.[4]

Patriotimus abschaffen!
Nationalismus bekämpfen!

[1] Werbekampagne der Bundesregierung
[2][3] Merkel, Q: Süddeutsche Zeitung
[4]Theodor W. Adorno: “Ohne Angst verschieden sein können.”


2 Antworten auf “Patriotismus? Braucht kein Mensch!”


  1. 1 AJAH 29. Dezember 2009 um 20:22 Uhr

    Hey, wir würden gerne diesen -und evntl noch weitere eurer- Text_e auf unserem Blog „archivieren. Wenn ihr was dagegen habt, nehmen wir sie natürlich direkt wieder raus.

    MaG AJAH.

  2. 2 antifarendsburg 30. Dezember 2009 um 21:53 Uhr

    Könnt ihr machen, kein Problem.

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