Polizeigewalt

In letzter Zeit hat auch die bürgerliche Presse das Thema Polizeigewalt gelegentlich behandelt. Grade im Zuge der Unruhen in Griechenland nach dem Tod von Alexis und dem Freispruch der Bullen im Fall „Oury Jalloh“ ist das Thema wieder aktuell geworden. Ein Überblick für euch:

Die Frankfurter Rundschau schreibt in einem lesenswerten Artikel

Im Februar 2005, einen Monat nach dem Feuertod des Asylbewerbers Oury Jalloh in Polizeigewahrsam, treffen sich in Halle rund 20 Führungskräfte der Polizei zu einer Lagebesprechung. Polizeioberrat Reinhard S. sagt dabei: „Schwarze brennen eben mal länger.“ Niemand stört sich daran, außer einem Kollegen, der den Vorfall meldet. Der Mann wird anschließend wochenlang gemobbt, bis er entnervt seine Versetzung beantragt. Die Ermittlungen gegen S. werden eingestellt – er kommt mit einem Verweis davon. […]
Polizisten, die zu Tätern werden: Das ist ein einziges großes Dunkelfeld, auf das nur gelegentlich – bei spektakulären Einzelfällen – ein matter Lichtstrahl fällt. Seit Jahren klagen Organisationen wie Amnesty International, dass Fälle von Polizeiübergriffen in Deutschland nirgendwo erfasst werden, mithin kein Mensch weiß, wie groß das Problem eigentlich ist. Der UN-Ausschuss zur Beseitigung von Rassendiskriminierung äußerte sich wiederholt „besorgt“ über rassistische Polizeigewalt in Deutschland.[…]
Die wenigen Polizisten, die überhaupt angeklagt werden, müssen im Schnitt in 0,5 Prozent aller Fälle mit einer Verurteilung rechnen. Für das Anti-Diskriminierungsbüro in Berlin ist deshalb klar: „Schläger in Uniform haben so gut wie nichts zu befürchten.“

Weil das so sei, habe sich in etlichen Revieren längst ein „pervertierter Corpsgeist“ breit gemacht, sagt ein Ex-Polizist aus Hamburg, der selbst jahrelang Zeuge der „Herren-Untermenschen-Diktion“ seiner Kollegen wurde. Regelverletzungen von Uniformierten gebe es „jeden Tag in jeder Großstadt mehrfach“. Wer sich dagegen auflehne, sei „automatisch ein Kameradenschwein“. Der eigentliche Skandal aber sei, dass die Justiz, manchmal auch die Politik, diese Verstöße noch decke.

Indymedia berichtet über die Berliner Polizei, die neben der üblichen Gewalt der Hundertschaften 21 und 23 zuletzt vor allem dadurch aufgefallen ist, dass Angehörige Berliner Polizeieinheiten mit Klamotten der Nazimarke Thor Steinar rumgelaufen sind und durch Boxeinlagen im Rahmen des Fußballspiels BFC Dynamo gegen TeBe Berlin aufgefallen ist. Grade dieser Einsatz hat viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen, weil das Fehlverhalten der Bullen durch Videos gut dokumentiert ist:

Via


2 Antworten auf “Polizeigewalt”


  1. 1 Tom Fancy 15. Dezember 2008 um 16:39 Uhr

    Ihr könnt ja das näxtemal euch gern mit den BFClern solidarisieren und euch in ihren Block beim nächsten Heimspiel stellen.Am besten mit na Antifafahne.

    Zumindest schreibt die Polizei heute diese Geschichte über ihre Opfer:

    Auseinandersetzung im Lokal – Acht Verletzte
    Treptow – Köpenick
    # 3934

    Acht Verletzte forderte heute früh eine Auseinandersetzung in einem Lokal im Ortsteil Bohnsdorf. Zwei Unbekannte hatten nach dem bisherigen Erkenntnisstand gegen 3 Uhr 50 die Gaststätte in der Buntzelstraße, die mit Fanartikeln des 1. FC Union ausgeschmückt ist, betreten. Als die beiden Männer, die sich als Anhänger des Fußballvereins BFC ausgaben, versuchten einen Streit zu provozieren, wurden sie aus dem Lokal verwiesen. Etwa zehn Minuten später stürmten etwa zehn Personen, die überwiegend mit Bomberjacken und Springerstiefeln bekleidet waren, den Gastraum. Sie schlugen und traten auf die Gäste ein, dabei benutzten sie auch die Bierkrüge von den Tischen. Anschließend flüchteten die Angreifer in unbekannte Richtung. Fünf Männer im Alter zwischen 36 und 55 Jahren sowie zwei Frauen im Alter von 24 und 50 Jahren erlitten leichte Verletzungen. Ein 45-jähriger Mann kam mit Kopfverletzungen zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Die Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung dauern an.

    Bei den BFClern gehört Gewalt zum Alltag und dieses tragen sie in „die Gesellschaft“ mit hinein. Hooliganismus ist auch so nen -ismus dem man sehr kritisch gegenüberstehen sollte.

  2. 2 Name (notwendig) 20. Dezember 2008 um 18:26 Uhr

    Es geht nicht darum die BFCler als tolle und mißverstandene Leute darzustellen, sondern Polizeigewalt zu dokumentieren. Die findet permanent statt und orientiert sich nicht an irgendwelchen „Ismen“. Es richtig zu finden, daß der Typ von nem Bullen geschlagen wurde, würde bedeuten Gewalt von Staatsseite zu legitimieren, solange sie sich gegen „Gegner“ richtet. Das wäre nicht nur fatal, sondern auch politisch fragwürdig.

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