Stolpersteine putzen – Gegen das Vergessen

Eine Gruppe Rendsburger Antifaschist_Innen hat heute die ins Pflaster der Stadt eingelassenen Stolpersteine gereinigt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zur Erklärung wurden Flyer in umliegende Briefkästen und an Passant_Innen verteilt, die die Aktion überwiegend sehr positiv aufnahmen. Gerade im Zuge des Jahrestags der Reichspogromnacht halten wir es für wichtig, die Erinnerung an die abscheulichen Verbrechen und deren Opfer nicht sterben zu lassen.

Text des Flyers:
Am 08., 09. und 10. November 2008 jährt sich die Reichspogromnacht zum 70. Mal.

In diesen Tagen und Nächten fand die antisemitsche Hetze in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt.

Jüdische Wohnhäuser, Geschäfte und Synagogen wurden zerstört, Menschen jüdischen Glaubens gejagt, misshandelt und fast 100 Menschen getötet. In den nächsten Tagen wurden mehrere 10.000 Juden verhaftet.

In den darauf folgenden Jahren wurden insbesondere Menschen jüdischen Glaubens und alle, die von den Nazis als Jüdinnen und Juden eingestuft wurden, systematisch verfolgt, inhaftiert und fast alle ermordet. Nur einige wenige konnten Nazi-Deutschland rechtzeitig verlassen oder überlebten die Haft in den Konzentrationslagern.

All dies ist lange her. Die letzten Zeitzeugen sterben aus und bald wird es nur noch die Geschichtsbücher geben.

Um die Erinnerung an die Taten wachzuhalten gibt es viele Projekte. Eins davon ist das Projekt „Stolpersteine“.

Diese vor den letzten Wohnadressen in die Straße eingelassenen Steine tragen die Namen von und wichtige Informationen über verfolgte Jüdinnen und Juden.

Auch Rendsburg hat seinen Anteil an diesem traurigen geschichtlichen Kapitel. Auch hier gab es Menschen, die wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt wurden. Deshalb wurden bis Mai diesen Jahres 13 Stolpersteine im Stadtgebiet von Rendsburg verlegt.

Wir leisten unseren Beitrag gegen das Vergessen, indem wir die Steine von Schmutz und Witterungseinwirkung reinigen und so wieder für alle sichtbar und wahrnehmbar machen.

Antifaschistische Aktion Rendsburg [AARD]

November 2008

Zum Vergleich, vorher und nach dem Putzen:

Solidarische Grüße an alle Genoss_Innen, die heute in Gorleben und Lübeck waren!


7 Antworten auf “Stolpersteine putzen – Gegen das Vergessen”


  1. 1 Difficult is Easy 08. November 2008 um 21:32 Uhr

    hallo,
    ein paar genossen und ich sind uns uneinig über eure methoden. was ist denn das geheimnis eures glanzes? ako-pads?
    einen daumen hoch gibts auch für die akkurate hervorhebung der gravur.

  2. 2 antifarendsburg 09. November 2008 um 2:15 Uhr

    Wir hatten uns das Putzen auch schwieriger vorgestellt, als es war. Wir haben 5 handelsübliche Schwämme (wohl das, was ihr mit Ako-Pads meint, der Begriff war mir bis eben neu), ein paar Geschirrhandtücher und ein Reinigungsmittel, dass ein Genosse bei Mama und Papa entliehen hat, verwendet. Das Putzmittel war eine rosa Paste in einer roten Tube, aber wie das genau hieß bin ich grade überfragt.

  3. 3 Julia 09. November 2008 um 13:17 Uhr

    Hallo!
    Die Stolpersteine glänzen ja ganz schön stark!
    War das eigentlich so gedacht? wenn ich mich richtig erinnere sind die doch ganz matt wenn die gesetzt werden!!

    trotzdem toll!
    grüesze aus braunschweig!

  4. 4 antifarendsburg 09. November 2008 um 20:23 Uhr

    Die Beispielsteine die es im Internet zu sehen gibt, glänzen teilweise auch. Hauptziel war aber eigentlich, die Schrift wieder besser lesbar zu machen und dafür zu sorgen, dass die Steine sich wieder vom Pflaster abheben.
    Grüße zurück :)

  5. 5 Sven Cornils 28. Februar 2009 um 16:24 Uhr

    Toll, dass ihr das macht.

    Wo finde ich den eine Übersicht, wo in Rendsburg diese Steine verlegt worden sind?
    Ich möchte sie gerne asiatischen Kollegen zeigen.

  6. 6 antifarendsburg 01. März 2009 um 16:42 Uhr

    Es gibt da eine Übersicht, ich habe diese Übersicht aber grade nicht hier.
    Einige weiß ich allerdings aus dem Kopf:
    Vor dem Bamberger-Haus liegen 3 Steine, ebenfalls 3 in der Hohen Straße, vor einer kleinen Haustür.
    Vor der Volksbank am Schiffbrückenplatz liegen welche, in dem Durchgang zwischen Fahrradständern und Volksbank.
    In der Straße, wo auch das Kino Schauburg ist liegen welche, 2 (?) davon, aus der Hohen Straße kommend Richtung Kino auf dem rechten Bürgersteig, einer weiter die Straße runter, hinter dem Dönerladen.
    In der Moltkestraße findet sich ein Stolperstein, wenn man von der Polizei weiter in Richtung der Alten Kieler Landstraße geht, auf der rechten Gehwegseite.
    Ein Gruppenmitglied von uns hat eine Liste, die meines Wissen vollständig ist, ich werde ihn bitten, die mal herauszusuchen.

  7. 7 antifa2 01. März 2009 um 16:52 Uhr

    Ansonsten liegt im Dr.Bamberger-Haus eine Karte aus, in der die Steine verzeichnet sind.

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