Archiv für November 2008

Rechtsextreme Einstellungen in der „Mitte der Gesellschaft“

Die Zeit schreibt über die neueste Studie der „Friedrich Ebert-Stiftung“ bezüglich rechten Gedankenguts in der sogenannten Mitte der Gesellschaft.

Es sind unmissverständliche Aussagen, die nahelegen, dass viele Deutsche ein massives Problem mit Fremden haben. Der Aussage „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“ stimmen 46,7 Prozent der Ostdeutschen zu, obwohl in manchen Regionen dort gerade mal zwei Prozent Ausländer leben. Aber auch 27,9 Prozent der Westdeutschen bejahen dies.

Den kompletten Artikel findet ihr hier:
Zeit-Online

Antifa-Demo in Langenhorn

Wir dokumentieren den Aufruf zur Antifa-Demo in Hamburg-Langenhorn am 29.11.08, um 13 Uhr, U-Bahn Langenhorner Markt:

„Am Samstag dem 29. November 2008 findet eine antifaschistische Demonstration von Langenhorn, über Fuhlsbüttel bis nach Ohlsdorf statt.

Anlass sind vermehrte Übergriffe von Neonazis auf Migranten und alternative Personen, so wie das Ansteigen von rechten Tendenzen in ganz Hamburg.

Im März 2007 musste die Langenhorner Kneipe Midgard wegen Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz schließen. Das Midgard war sowohl bei den Langenhorner, Niendorfern als auch bei den Norderstedter Neonazis ein beliebter Anlauf- und Treffpunkt. Leider hat sich die Situation seit der Schließung keinesfalls beruhigt.

Vor allem am U-Bahnhof Langenhorn Markt fanden immer mehr gewalttätige Übergriffe seitens rechtsradikaler Personen statt. Seit Anfang des Jahres kam es dabei bereits mehrfach zu ernsten Verletzungen der Opfer. Auch zur Hilfe eilende Bürger wurden angegriffen und verletzt. Die Täter waren dabei meist in Kleingruppen unterwegs und bewusst darauf aus, eine Hetzjagd zu veranstalten. Ähnliches hört man auch aus Bramfeld, Ohlsdorf und anderen Stadtteilen.

Die Präsenz des Naziklamottenladen „Brevik“ in der Innenstadt hat vermehrt Personen mit rechtsradikaler Gesinnung in Hamburg auftreten lassen und einen konsequenten antifaschistischen Aktionismus hervorgerufen, der letztendlich zur Schließung des Ladens führte.

Im ersten Halbjahr 2008 wurden bundesweit bisher 10.665 Straftaten aus dem Bereich “Politisch motivierte Kriminalität – rechts” gemeldet. Darunter seien 612 Gewalttaten von Rechtsextremisten gewesen, berichtet die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion. Die Zahl der Propagandadelikte wird mit 7524 angegeben.

Es wird höchste Zeit, diesen Entwicklungen aktiv zu begegnet. Mit der Demonstration möchten wir eine breite Öffentlichkeit schaffen und möglichst viele Menschen auf die aktuelle Situation aufmerksam machen.

Nazis raus aus der Galaxis! – Keinen Raum für Neonazis und FaschistInnen, weder in Langenhorn und Ohlsdorf, noch irgendwo anders!

Das tragen von Nationalfahnen jeglicher Herkunft ist auf der Demonstration nicht erwünscht!“

http://antifa-laho.info/category/2911-antifademo/

Bullenschikane in Rendsburg

Wir dokumentieren einen Text zur Schikane der Bullen bei der einer Party alternativer Rendsburger_Innen:

„Am Abend des 21.11.08 hatten Punks und andere Hausbewohner bei ihrer Party gleich zweimal ungebetenen Besuch. Nachdem die Bullen bereits beim ersten mal wegen angeblicher Ruhestörung mit 6-8 Leuten anrückten, kamen sie beim zweiten mal gleich mit 30-40 Leuten um die Party zu räumen. Als sie vorne nicht reingelassen wurden, verschafften sie sich durch den Hintereingang des Hauses Zutritt und begannen damit die Anwesenden aus der Wohnung zu jagen. Als dies auch andere Hausbewohner mitbekamen und sich solidarisierten, zeigten die Bullen mal wieder, was sie so draufhaben und wofür sie ihr Geld kriegen.

Die Bewohner der Räume in denen die Party stattfand bekamen einen Platzverweis für ihre eigene Wohnung und den Hausflur. Natürlich hielten sie sich nicht daran. Deshalb wurde eine Person wegen Widerstands gegen Vollzugsbeamte mitgenommen. Da die Bullen schon mal dabei waren, wurde auch gleich noch eine schlafende Person von der Couch gerissen und von mehreren Bullen am Boden fixiert. Das bereits verletzte Knie wurde dadurch noch weiter verletzt, wodurch eine erneute ärztliche Behandlung nötig sein wird. Alle anderen Anwesenden erhielten ebenfalls Platzverweise.
Nachdem sie dort fertig waren versuchten sie sich auch Zutritt zu einigen anderen Wohnungen zu verschaffen. Als sie merkten das sie dabei gefilmt und fotografiert wurden zogen sie sich vorerst zurück. Sie nutzten aber gleich die Chance in eine noch offen stehende Wohnung zu gehen. Als ein Bewohner dazu kam wurde er in sein Zimmer gebracht und aufs Bett gesetzt, von dem er sich nicht erheben durfte. Sie schnüffelten in der Wohnung rum und beleidigten und bedrohten die anwesende Person.

Die gesamte Aktion zog sich gut 2 Stunden hin und wirkte wie ein Trainingseinsatz für Nachwuchs-Cops. Die Bullen bedrohten und beleidigten die Anwesenden und drangen ohne Durchsuchungsbefehle in Wohnungen ein. Ein älteres Zivi-Pärchen sicherte mit einem äußerst aggressiven Schäferhund ohne Maulkorb den Hausflur. Auch draußen sollen noch Hunde gewesen sein. Die Bewohner des Hauses durften sich nicht frei bewegen, ihre Hunde mussten sie wegsperren. Vermutlich hätten sie der Bullentöle was tun können. 2 Menschen wurden festgenommen und verbrachten die Nacht in Gewahrsam. Mindestens 2 Anzeigen wegen Widerstand und wegen Körperverletzung. Von mindestens einer Person wurden die Fingerabdrücke gescannt und sämtliche Tätowierungen und Piercings fotografiert.
Auch Stunden nach der Aktion waren noch etliche Zivis und Streifenwagen in der Gegend unterwegs. Das Pärchen mit dem Hund schnüffelte auch heute noch dort rum. “

Soli-Konzert ein Erfolg

Unser Soli-Konzert, das am 15.11. stattgefunden hat, war ein voller Erfolg.
Über 70 Besucher_Innen haben für eine Sauna-Atmosphäre in der T-Stube gesorgt und Leute im Alter zwischen 16 und 60 haben getanzt. Wir danken den Beteiligten Bands für ihren Einsatz und hoffen, dass auch diese ihren Spaß hatten.

Desweiteren dokumentieren wir einen Redebeitrag, der in gekürzter Form auf dem Konzert vorgetragen wurde.

„Antinationaler Kampf-, Tanz-, und Gedenktag für die Opfer des Faschismus und alle, die beim Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit gestorben sind!

Ab 3 Uhr gilt heute Nacht ein Tanzverbot, wegen des Volkstrauertages. Wir haben keinen Bock uns vorschreiben zu lassen, wie lange wir zu tanzen haben und warum wir es zu lassen haben.
Wir wollen uns nicht an einem Tag beteiligen, der tote deutsche Täter und deren Opfer in eine Reihe stellt. An einem Tag, der für viele Menschen immer noch eher ein „Heldengedenktag“ ist, als ein Tag um über den todbringenden Unsinn von Konstrukten wie Volk, Rasse & Nation nachzudenken.
In der DDR hieß der Volkstrauertag „Internationaler Gedenktag für die Opfer des faschistischen Terrors und Kampftag gegen Faschismus und imperialistischen Krieg.“ Hier wollen wir anknüpfen und erklären den heutigen Tag zum Antinationalen Kampf-, Tanz-, und Gedenktag für die Opfer des Faschismus und alle, die beim Aufbau einer Welt des Friedens und der Freiheit gestorben sind!
Diesen Menschen zu gedenken finden wir besser, als mit militaristischen Liedern wie „Der gute Kamerad“ den Opfern des Nationalsozialismus nachträglich noch einmal ins Gesicht zu spucken, indem eine Armee verherrlicht wird, die zweimal Tod und Verderben über Europa brachte und einen Vernichtungskrieg in Osteuropa führte. Wir wollen es niemensch verbieten, um im Krieg gestorbene Angehörige zu trauern. Wir kriegen aber ein ganz übles Gefühl in der Magengegend, wenn die Trauer um diese Menschen als nationale Aufgabe wahrgenommen wird, weil diese Leute schließlich für Deutschland gekämpft haben. Wir sind froh, dass Deutschland den Krieg verloren hat. Wir glauben nicht, dass sich der Krieg von der Ausführung des Holocausts trennen lässt, wie das viele Menschen tun. Auf der einen Seite der Krieg, der von deutscher Seite sauber, fast heldenhaft geführt wurde und auf der anderen Seite der Holocaust, ein Verbrechen ohne Täter.
Der Krieg der Wehrmacht hat die industrielle Vernichtung von Menschen in diesem Ausmaß erst möglich gemacht! Die Idee „Lebensraum im Osten“ zu eroberen lässt sich nicht von der Idee der „Herrenrasse“ trennen. Im Gegensatz zu den Gefallenen der allierten Armeen gibt es keinen Grund, den im Krieg gestorbenen Wehrmachtssoldaten kollektiv zu gedenken, diese Trauer muss eine individuelle Sache der Betroffenen sein.
Dennoch gibt es Menschen, wo wir denken, dass es Sinn macht ihnen öffentlich zu gedenken.
Wir gedenken den gefallenen Kommunard_Innen der Pariser Kommune, die vom deutschen Kaiserreich zerschlagen wurde.
Wir gedenken auch den auf Seiten der Republik gefallenen Anarchist_Innen, Kommunist_Innen und Demokrat_Innen im spanischen Bürgerkrieg, den Gefallenen in der russischen Revolution und den Kronstädter Matrosen, deren Versuch die Revolution zu retten von Lenin und Trotzki niedergeschlagen wurde. Wir gedenken den Anarchist_Innen in der Ukraine, deren Versuch eine befreite Gesellschaft aufzubauen von der UdSSR zerschlagen wurde.
Wir gedenken den Gefallenen in Novemberrevolution und Spartakusaufstand, die beim Versuch gestorben sind in Deutschland eine Rätedemokratie zu etablieren. Wir gedenken den Gefallenen italienischen Partisan_Innen und allen Genoss_Innen und anderen Menschen, die im Widerstand gegen den Nationalsozialismus ermordet worden sind und denen, die in einem beispiellos grausamen Verbrechen an der Menschlichkeit Opfer der deutschen Volksgemeinschaft geworden sind.
Unsere Gedanken sind in diesem Moment auch bei den Menschen, die in den letzten Jahren ihr Leben dafür gaben, das zapatistische Projekt in Chiapas gegen faschistische Paramilitärs zu verteidigen. Unsere Gedanken sind bei den Antifas, die in den letzten Jahren und Monaten ermordet wurden und denen heute im Rahmen der „Siempre Antifascista“-Kampagne gedacht wird. Dax, Jan, Carlos, Fjedor, wir werden euch nicht vergessen! Unsere Gedanken und unsere Sorge sind in diesem Moment insbesondere bei den russischen Antifas, die dort ihr Leben aufs Spiel setzen.
Wir wünschen euch viel Erfolg in eurem Kampf, in dem wir euch leider kaum mehr als moralische Unterstützung bieten können.
Zum Ende zitieren wir aus dem Schwur von Buchenwald:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung, der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel!“

Ein weiterer Redebeitrag folgt, sobald er in digitaler Form vorliegt.

Antifa-Soli-Konzert am 15.11!

Am 15.11. veranstalten wir ein Antifa-Solikonzert mit coolen Bands.

Anti-AKW-Sprüherei in Rendsburg

In Rendsburg gab es Farbsprühereien an einem Bahnübergang, die vermutlich im Zusammenhang mit dem Castor-Transport am Wochenende standen. Wir dokumentieren diese im Folgenden:

Schulstreik – Was ist eigentlich die Wa(h)re Bildung?

Wir dokumentieren eine Stellungnahme/einen Redebeitrag einiger Rendsburger Genoss_Innen aus dem antikapitalistischen Schüler_Innenbündnis Rendsburg [aksrd] zum Schulstreik:

Was ist eigentlich die Wa(h)re Bildung?
Schulische Bildung im heutigen Sinne ist eine Vorbereitung auf spätere Arbeitsplätze, also gewissermaßen die Einordnung in die kapitalistische Verwertungslogik. Mensch wird so weit gebildet bis er/sie nicht mehr schnell genug mitkommt und es zu teuer wird ihn/sie weiterhin zu bilden. Dies stört jedoch nicht weiter den warum sollte schon eine Reinigungsfachkraft großartige Deutsch- oder Latein-Kenntnisse besitzen? Er/sie wird vom System ausgesondert und in „anspruchlosere Jobs“ gesteckt, während andere nur aufgrund besserer Förderung, bspw. Nachhilfeunterricht- welcher zu sozialer Benachteiligung führt da nur wohlhabende Familien ihn zahlen können- , weiter gefördert werden, da sie für die Wirtschaft hochwertiger verwertbar sind. Folglich können wir sagen Bildung ist eine Ware. Wir sind ein Gut das mithilfe fixem Kapitals, bzw. der Bildung welche durch Lehrer vermittelt wird, „veredelt“ wird und so an Wert zunimmt.
Wahre Bildung ist unseres Erachtens nach im Kapitalismus schulisch nicht möglich, da diese sich eben stets nach marktförmigen Bedürfnissen richtet. Deswegen halten wir es für sinnlos und verkürzt nur das Schulsystem an den Pranger zu stellen. Anstatt uns mit Symptomen des Kapitalismus zu beschäftigen machen wir uns lieber daran die Krankheit prinzipiell zu eliminieren, in diesem Sinne
Kapitalismus abschaffen!
Den Verhältnissen in die Fresse treten!
Bildet euch! Bildet andere! Bildet Banden!

[aksrd]antikapitalistisches schüler_innenbündnis rendsburg

Material-Bereich erweitert

In der Rubrik „Material“ findet ihr jetzt einige Sprühschablonen, ein Programm um eure E-Mails zu verschlüsseln und ein Programm um anonymer ins Internet zu gehen.

Stolpersteine putzen – Gegen das Vergessen

Eine Gruppe Rendsburger Antifaschist_Innen hat heute die ins Pflaster der Stadt eingelassenen Stolpersteine gereinigt, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Zur Erklärung wurden Flyer in umliegende Briefkästen und an Passant_Innen verteilt, die die Aktion überwiegend sehr positiv aufnahmen. Gerade im Zuge des Jahrestags der Reichspogromnacht halten wir es für wichtig, die Erinnerung an die abscheulichen Verbrechen und deren Opfer nicht sterben zu lassen.

Text des Flyers:
Am 08., 09. und 10. November 2008 jährt sich die Reichspogromnacht zum 70. Mal.

In diesen Tagen und Nächten fand die antisemitsche Hetze in Deutschland ihren vorläufigen Höhepunkt.

Jüdische Wohnhäuser, Geschäfte und Synagogen wurden zerstört, Menschen jüdischen Glaubens gejagt, misshandelt und fast 100 Menschen getötet. In den nächsten Tagen wurden mehrere 10.000 Juden verhaftet.

In den darauf folgenden Jahren wurden insbesondere Menschen jüdischen Glaubens und alle, die von den Nazis als Jüdinnen und Juden eingestuft wurden, systematisch verfolgt, inhaftiert und fast alle ermordet. Nur einige wenige konnten Nazi-Deutschland rechtzeitig verlassen oder überlebten die Haft in den Konzentrationslagern.

All dies ist lange her. Die letzten Zeitzeugen sterben aus und bald wird es nur noch die Geschichtsbücher geben.

Um die Erinnerung an die Taten wachzuhalten gibt es viele Projekte. Eins davon ist das Projekt „Stolpersteine“.

Diese vor den letzten Wohnadressen in die Straße eingelassenen Steine tragen die Namen von und wichtige Informationen über verfolgte Jüdinnen und Juden.

Auch Rendsburg hat seinen Anteil an diesem traurigen geschichtlichen Kapitel. Auch hier gab es Menschen, die wegen ihres jüdischen Glaubens verfolgt wurden. Deshalb wurden bis Mai diesen Jahres 13 Stolpersteine im Stadtgebiet von Rendsburg verlegt.

Wir leisten unseren Beitrag gegen das Vergessen, indem wir die Steine von Schmutz und Witterungseinwirkung reinigen und so wieder für alle sichtbar und wahrnehmbar machen.

Antifaschistische Aktion Rendsburg [AARD]

November 2008

Zum Vergleich, vorher und nach dem Putzen:

Solidarische Grüße an alle Genoss_Innen, die heute in Gorleben und Lübeck waren!