Archiv für Dezember 2007

Antirademo in Boizenburg

Rassistischer Übergriff auf kurdischen Asylbewerber in Boizenburg

Am Sonntag, den 25.11.07 kurz nach 21 Uhr wurde nahe vom Bahnhof
Boizenburg / Elbe ein kurdischer Asylbewerber aus der Türkei auf offener Straße
von Rassisten misshandelt. Aggressiv fragte ihn jemand aus einer Gruppe, die vor
dem Bahnhof stand, ob er Ausländer sei. Als er bejahte, schlugen fünf Männer
mit Fäusten, Flaschen und Bierdosen auf ihn ein. Der blutende Mann versuchte,
sich in einen Kiosk in der Nähe vom Bahnhof zu retten. Die Frau, die dort
arbeitete, hatte ihn vor dem Übergriff laut gefragt, ob er Ausländer sei. Darauf
hatte er nicht geantwortet. Jetzt, wo er sich vor den prügelnden Rassisten retten
wollte, verwehrte ihm die Frau Hilfe im Kiosk. Dieser Vorgang animierte noch
mehr von den ausländerfeindlichen Schlägern, auf den Kurden einzuprügeln.
Ungefähr 20 Rassisten misshandelten ihn, ohne dass irgendjemand zur Hilfe kam.
Schließlich gelang es ihm zu fliehen.
Im Lager Horst, wo der Asylbewerber leben muss, rief ein Freund einen Arzt.
Dieser überwies ihn nach der Notversorgung ins Krankenhaus nach Hagenow, wo
er drei Tage wegen Gehirnerschütterung und Prellungen, vor allem des
Brustkorbs, behandelt wurde. Auch eine Woche nach dem Überfall leidet der
Mann an Schmerzen und muss weiter Medikamente nehmen. Eine psychiatrische
Behandlung wegen des Traumas verweigert die Lagerärztin.
Im Lager Horst, wo der Asylbewerber leben muss, rief ein Freund einen Arzt.
Dieser überwies ihn nach der Notversorgung ins Krankenhaus nach Hagenow, wo
er drei Tage wegen Gehirnerschütterung und Prellungen, vor allem des
Brustkorbs, behandelt wurde. Auch eine Woche nach dem Überfall leidet der
Mann an Schmerzen und muss weiter Medikamente nehmen. Eine psychiatrische
Behandlung wegen des Traumas verweigert die Lagerärztin.
Obwohl die Polizei wegen der Heimreise von Hansa Rostock Fans vom Spiel in
Hamburg in der Nähe war, musste der Misshandelte nach seinem
Krankenhausaufenthalt selber Anzeige erstatten. Der Staatschutz übernahm die
Ermittlungen und bestellte den Kurden nach Schwerin, wo er aus einer
Sammlung von 560 Fotos Täter identifizieren sollte. Er ist sich sicher, dass er
fünf oder sechs der Täter wiedererkennen würde, aber nicht aus einer solchen
Menge von Porträtaufnahmen.
Viele Flüchtlinge, die im Lager in Horst leben müssen, machen immer wieder die
Erfahrung rassistischer Angriffe in Boizenburg und Umgebung. Um
gewalttätigen Übergriffen zu entgehen, vermeiden es viele, in der Dunkelheit das
Lager zu verlassen. Ein Lagersystem, das Flüchtlinge in abgelegene Orte
aussondert, fördert die rassistische Grundstimmung in einem Land, das
schutzsuchende MigrantInnen als Belastung definiert. Der strukturelle Rassismus
wird z.B. in der menschenverachtenden Politik deutlich, die es den Flüchtlingen
verbietet, den Landkreis, dem sie zugewiesen wurden, zu verlassen
(Residenzpflicht). Das führt in Horst ganz konkret dazu, dass die Flüchtlinge
nicht nach Lauenburg gehen dürfen, obwohl dies näher ist und sich viele dort
sicherer fühlen als in Boizenburg.
Schluss mit dem Wegschauen: Mischt Euch ein, stoppt die rassistischen Übergriffe!
Weg mit dem Lagersystem und der rassistischen Residenzpflicht!
Solidarität gegen Abschiebungen! Offene Grenzen und gleiche Rechte für Alle!
Demonstration in Boizenburg am Samstag, 22.12.2007 um 11 Uhr
Auftaktkundgebung am Bahnhof und Demonstration zum Marktplatz
Abfahrt für Leute aus Hamburg: Hauptbahnhof 10.28 Uhr, Gleis 6a, Treff 10 Uhr Reisezentrum
Veranstaltung in Boizenburg gegen Rassismus:
Mittwoch, 19.12.2007, 19.30 Uhr, evang. Kirche, Marktplatz

kein mensch ist illegal Hamburg, Ultra’ Sankt Pauli, Cafe Exil, Horst AG, Flüchtlingsrat Mecklenburg-Vorpommern,
Flüchtlingsrat Hamburg, Karawane Hamburg, Anti-Lagergruppe Hamburg, A.R.K. (antirassistische Kultur),
medizinische Vermittlungs- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen Hamburg, Antirassistische Initiative
Rostock, atif (Föderation der ArbeiterInnen aus der Türkei in Deutschland), ADHK (Konföderation für demokratische
Rechte in Europa), agif (Förderation von ArbeitsmigrantInnen aus der Türkei), Avanti – Projekt undogmatische Linke,
jail (Junge Antifaschistische Initiative Lüneburg) V.i.S.d.P.: kein mensch ist illegal, Hamburg