Archiv für Oktober 2007

Reader zur Wohnraumkampagne online

Im Bereich Material findet sich jetzt ein PDF, dass den Kampf um bezahlbaren Wohnraum in der Zeit kurz nach der deutschen Wiedervereinigung dokumentiert. Zusammengestellt aus Flyern, Plakaten und allem, was das Archiv der T-Stube dazu bereitgehalten hat.
Beim Einscannen der Materialien kam mir vor allem eine Erkenntnis: Viel zu wenig über die Geschichte sozialer Bewegungen in meiner Stadt zu wissen. Insofern eine sehr interessante Sache, sich damit mal zu beschäftigen.

Flugblatt „Rechtsextremismus & Demokratie“

Da im Rendsburger Rathaus derzeit die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ gastiert und wir von der Stadt gebeten wurden an der Eröffnung der Ausstellung teilzunehmen, hielten wir es für nötig eine Stellungnahme als Flugblatt zu veröffentlichen, warum wir an der Eröffnung zwar teilnehmen, uns aber dennoch nicht in den Konsens der bürgerlichen Gesellschaft einreihen möchten. Hier deshalb unsere Stellungnahme:

Rechtsextremismus und Demokratie

Sie besuchen diese Ausstellung wahrscheinlich, weil Sie sich über den demokratischen Kampf gegen Nazis und rassistische, antisemitische Vorurteile informieren möchten. Das ist gut. Vielleicht planen Sie auch sich aktiv gegen derartige Dinge zu engagieren oder tun das schon. Das ist noch viel besser. Denn rechte Gewalt und menschenverachtende Ansichten sind nicht zu tolerieren und jede/r sollte tun was möglich ist, um derartige Umtriebe zu bekämpfen.

Wir sind eine Gruppe (relativ) junger Menschen aus Rendsburg und Umgebung, die aktiv antifaschistische Arbeit machen. Das Thema der Ausstellung „Rechtsextremismus bekämpfen – Demokratie stärken“ wollen wir von einer antifaschistischen, die Selbstbestimmung und Freiheit aller Menschen fordernden Position aus betrachten.

Lob der bürgerlichen Gesellschaft

Mit der Industrialisierung kam ein Wirtschaftssystem auf, das sich erstmals wirklich als Kapitalismus bezeichnen ließ. Parallel hierzu wuchs bei den gebildeten, wohlhabenden Bürgern der Wunsch nach mehr gesellschaftlicher Teilhabe. Die Entwicklung von Kapitalismus und demokratischer Gesellschaft hängen also unmittelbar zusammen.
Nach Abschaffung der feudalen Ständegesellschaft durch die bürgerlichen Revolutionen, die in der Tradition der Aufklärung standen, wurden mit Einführung einer bürgerlich-demokratischen Gesellschaftsordnung viele grundlegende Dinge verändert.
Das Individuum wurde stärker betont, beispielsweise durch die freie Berufswahl und die Durchsetzung der Liebesheirat, die Leibeigenschaft wurde abgeschafft, die Meinungs- und Pressefreiheit wurden verwirklicht, Frauen erhielten zumindest auf dem Papier die gleichen Rechte wie Männer. Die Teilhabe der Menschen an allen Facetten gesellschaftlichen Lebens wurde also erhöht. Grenzen zwischen Nationen wurden (und werden noch) verwischt, Wissen wird global ausgetauscht, Menschen werden nicht mehr in erster Linie über ihre Herkunft definiert, sondern über ihre Verwertbarkeit im kapitalistischen System. Dies betrachten wir aus einer emanzipatorischen Perspektive natürlich als etwas Positives oder zumindest als Fortschritt gegenüber vorherigen Verhältnissen.

Demokratiefeindlichkeit von Rechts

Doch all diese zivilisatorischen Standards werden von Nazis und FaschistInnen abgelehnt.
Statt der Aufweichung und letztendlichen Abschaffung von Grenzen wollen sie den völkischen Nationalstaat stärken und verstecken diese antimoderne Globalisierungsgegnerschaft unter dem Deckmantel einer legitimen Globalisierungskritik. Statt den in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung formulierten Gedanken, „dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt wurden, worunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit sind“, zu akzeptieren betreiben sie eine Unterteilung der Menschen in Völker und Rassen. Statt der Teilhabe der Menschen an politischen Entscheidungen wird ein faschistischer Führerstaat gewollt, statt der Freiheit des Individuums das Aufgehen in einer Volksgemeinschaft, anstelle von „dekadentem“ Wohlstand Verzicht. Statt Fortschritts predigen die Nazis also Rückschritt und die Entmündigung der Menschen, da sie Individualismus für das Problem halten und nicht die kapitalistische Verwertungslogik. Soweit decken sich auch faschistische und nationalsozialistische Weltanschauung.

Doch zu all diesem Schwachsinn kommt bei den Nazis noch ein auf die Vernichtung aller jüdischen Menschen zielender Antisemitismus. Denn Schuldige für die Zumutungen der kapitalistischen Gesellschaft sind in ihrem Weltbild schnell gefunden. Schuld an den „Völker zerstörenden Verhältnissen“ sollen die Jüdinnen und Juden dieser Welt sein, die sie deshalb vernichten wollen.
Die Segnungen der aufgeklärten bürgerlichen Gesellschaft gilt es also mit allen Mitteln gegen Angriffe von Rechts zu verteidigen!

Kritik der bürgerlichen Gesellschaft

Dennoch denken wir, dass Kritik an parlamentarischer Demokratie und kapitalistischen Produktionsverhältnissen vonnöten ist. Allerdings darf diese nicht rückschrittlich und antimodern sein, sondern muss eine fortschrittliche Stoßrichtung haben. Wir kritisieren die parlamentarische Demokratie, da sie die gesellschaftliche Teilhabe der Menschen darauf beschränkt alle 4 Jahre einmal ein Kreuzchen zu machen. Stattdessen fordern wir, dass alle Entscheidungen von den Menschen getroffen werden, die von ihnen auch betroffen sind.
Das kapitalistische System ist darauf ausgerichtet einen möglichst hohen Mehrwert zu erwirtschaften. Es wird also nicht gearbeitet, um nützliche Güter herzustellen, sondern um Gewinn zu erwirtschaften. Deshalb werden alle Dinge – sogar zwischenmenschliche Beziehungen – zuallererst einmal als Ware angesehen, mit der ein Gewinn erzielt werden soll. Fast alle Handlungen dienen diesem Ziel und die Menschen ordnen sich diesem scheinbaren Sachzwang unter. Dies birgt auch die Gefahr von Antisemitismus, wenn Menschen Verantwortliche für diesen selbst auferlegten Sachzwang und seine Auswirkungen suchen. Wir wollen deshalb eine Wirtschaftsform, in der gearbeitet wird um die Bedürfnisse aller Menschen möglichst gut zu befriedigen. Statt einer Tauschwirtschaft, sollen alle tun was sie können ohne bezahlt zu werden und bekommen, was sie wollen, ohne dafür zu bezahlen. Statt der Leitung der Produktion durch Chefinnen und Chefs fordern wir eine Selbstbestimmung der ArbeiterInnen über alle betrieblichen Dinge und damit einhergehend eine Demokratisierung der Güterproduktion.

Kurz: Wir wollen für das Individuum die größtmögliche Freiheit und Möglichkeit sich selbst zu verwirklichen und sehen diese in der bürgerlichen Demokratie so nicht gegeben!

[AARD], Oktober 2007

Endlich Online

Nach langer Zeit der Abwesenheit aus dem Internet ist die [AARD] endlich mal wieder mit einer Homepage am Start.
Hoffen wir, dass das Projekt euch im Internet mit Infos zu versorgen diesmal besser läuft als die vorigen Male.