Wir ziehen das jetzt durch! Zomia bleibt!

Der Wagenplatz Zomia in Hamburg-Wilhelmsburg hat am 18.10.2011 eine Räumungsanordnung erhalten – mit sofortiger Vollziehbarkeit. Ab 4.11.2011 kann geräumt werden, wann es passieren soll ist unklar.

Jetzt ein Zeichen setzen für selbstbestimmtes Leben, gegen unsoziale und neoliberale Stadtpolitik! Jetzt Wagenplätze verteidigen – jetzt die Räumung des Wagenplatzes Zomia verhindern!

Vor einem Jahr ist die Wagengruppe Zomia (20.11.2010) mit der offenen Besetzung eines Platzes in Wilhelmsburg angetreten um nach den Wagenplatzräumungen in den 2000er Jahren auf die unveränderte Lage hinzuweisen: Menschen in Hamburg wollen nach wie vor gerne offen kollektiv und selbstbestimmt im Wagen wohnen. Nach der Räumung der Wagenplätze Hellgrundweg (2000), Schützenstraße (2002), Paciusweg (2002), Bambule (4.11.2002), Wendebecken (2004), Parkplatz Braun und auf mindestens 18 Plätzen der Wagengruppe Dosengarten (2000) unter der Führung von Ronald Schill / Ole von Beust und auch dort bereits Markus Schreiber klafft noch immer eine tiefe Lücke. „Aus für alle Bauwagen bis 2006“ war damals das Motto der Rechtspopulisten. „Wir ziehen diese Sache jetzt durch“, lässt sich Markus Schreiber im Oktober 2011 zitieren, und: „Wenn nichts Unvorhersehbares geschieht, dann ist der Zomia-Bauwagenplatz Ende November Geschichte“.

Jede Person in Hamburg und anderswo sollte über ihre Lebensform selbst bestimmen können. Bezahlbarer Wohnraum oder Wagenplätze in der Stadt Hamburg sind hier kein Widerspruch sondern Notwendigkeiten die sich aus dem Bedarf und den unterschiedlichen Wünschen der Menschen ergeben. Die scheinbare Notwendigkeit zur Vertreibung nicht erwünschter Personen, zur Aufwertung und Verwertung, zu grotesken Bauprojekten und der Errichtung immer neuer Büro- und Gewerbekomplexe, wo viele andere leer stehen, ergibt sich aus einer kapitalistischen Stadtentwicklung , aus der scheinbaren Notwendigkeit in einem irren städtischen Standortgerangel mithalten zu müssen. In dieser Logik wird verdrängt, vertrieben und verwertet was nicht passt. Die vielen Brandherde des Protests gegen Aufwertung und Vertreibung flammen in der ganzen Stadt auf: Das Fass ist schon übergelaufen! Es reicht! Das lassen wir uns nicht gefallen. Lasst uns die Stadt selbst gestalten und das Recht auf Stadt in die Hand nehmen. „Wir ziehen das jetzt durch!“

Markus Schreiber kann, aber er will nicht: Das Problem einen Wagenplatz in Hamburg zuzulassen ist kein juristisches, sondern ein politisches. Selbst das heftig umstrittene Hamburger Wagengesetz lässt die Duldung von Wagenplätzen bis zu 5 Jahren zu. Dies zeigt auch die Praxis z.B. in Altona, wo die beiden bestehenden Plätze mit gleichen juristischen und planerischen Voraussetzungen soeben eine Vertragsverlängerung bekommen haben. Aber auch das Gesetz selbst muss weg, denn es hat seine Wurzeln in der Nazi-Ideologie und ist in den 50ern zur Vertreibung von Sinti und Roma entstanden. „Gegen Wagenplätze steht eine Haltung“, sagt Schreiber selbst.

Wie sehr müssen sich die Konflikte zuspitzen, bis Menschen den Mut aufbringen sich zu positionieren? Mietenwahnsinn, Zaun gegen Wohnungslose, Vertreibung von Sexarbeiter_innen und viele mehr: Wir können jetzt entscheiden, die repressive Law-and-Order-Politik – dieses Mal gegen Wagenplätze – zu stoppen und uns Schreibers Feldzug der Verwertung und Vertreibung in den Weg zu stellen! Seiner Vertreibungspolitik weht ein steifer Wind entgegen. Mit einer Wagenplatzräumung wird er zum Sturm werden.

Die Fläche Zomias ist für die nächsten Jahre nicht verplant, es gibt keine Alternativen. Zwei nicht annehmbare „Alternativen“ sollen als Nebelkerzen zur Räumungslegitimation dienen. Der Bezirk fährt die schillernde Linie. Bürgerschaft, Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt und Bürgermeister-Staatsräte produzieren seit einem Jahr Verwaltungsakte und Ausschusssitzungen und glänzen mit Zurückhaltung. Ergebnis unterm Strich: Markus Schreiber darf weiter aufräumen. Es reicht – Zomia ist eine_r von vielen und es steht nicht alleine da!

Unsere Forderungen sind einfach umzusetzen:

Zomia da lassen wo es ist!

Wir fordern die sofortige Rücknahme der Räumungsanordnung!

Wir fordern die Stadt Hamburg auf Position zu beziehen für eine tolerante Stadt, für Wagenplätze und gegen Markus Schreibers Feldzug der Vertreibung!

Wir fordern nach den Handlungen der letzten Jahre und Monate von der Bezirksversammlung Mitte die Abwahl von Markus Schreiber als Bezirksamtsleiter!

Wir sind solidarisch mit den Auseinandersetzungen für ein AZ Altona, für den Erhalt der Roten Flora, für ein selbstbestimmtes Gängeviertel und mit den vielen weiteren Kämpfen für ein Recht auf Stadt.

Mehr Infos auf zomia.blogsport.eu

SPAM, SPAM, SPAM – Reflektionen über eine einseitige Brieffeindschaft. Oder: Vorladungen aus dem K5 in RD und Kiel.

SPAM, SPAM, SPAM – Reflektionen über eine einseitige Brieffeindschaft.
Oder:  Vorladungen aus dem K5 in RD und Kiel.

In den letzten Tagen flatterten einigen Menschen in Rendsburg und Kiel Vorladungen aus dem K5, der Staatsschutzabteilung der schleswig-holsteinischen Polizei, ins Haus. Die Liste der Vorwürfe darin ist so lang wie lächerlich: Nötigung, gefährliche Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz, unerlaubtes Abhalten einer Versammlung und unerlaubte Kontaktaufnahme mit Gefangenen.
An dieser Stelle der Vorschlag an die Lesenden, sich ein Szenario vorzustellen, dass es möglich macht, diese Tatvorwürfe zu kombinieren. Gewaltsames Eindringen in eine JVA und anschließend ein Loch in die Mauer gesprengt? Militante Aktionen, um unsere Gefangenen aus dem Knast zu holen sind in den letzten Jahrzenten leider sehr rar und so konnte sich keine_r der Betroffenen erinnern, in diesem Leben an so einer Aktion beteiligt gewesen zu sein. Was zum Teufel also möchte die Mitteilung aus der Blumenstraße uns sagen?
Nach einigem Nachdenken, konnte auf den Anlass der Briefe geschlossen werden: Eine Personalienfeststellung vor dem Rendsburger Abschiebeknast im Dezember 2010. Dort hingen Transparente über dem Zaun und es standen einige Leute rum und kommunizierten mit den Abschiebehäftlingen, so gut es eben über den Knasthof und durch die vergitterten Fenster möglich ist. Die angerückten Bullen kontrollierten die Personalien aller, die sich nicht schnell genug auf die andere Straßenseite verdrückten, um dort eine Schneeballschlacht zu veranstalten.
10 Monate später also eine Vorladung, wegen eben dieser Personalienfeststellung, inklusive einer sich martialisch lesenden Liste an Vorwürfen, von denen sich kein einziger wird beweisen lassen – es braucht nicht viel Fantasie, um zu erraten, was das K5 zu erreichen probiert: Gerade auf jüngere und vielleicht unerfahrenere Genoss_innen, bei Minderjährigen auch auf die Eltern, soll Druck ausgeübt werden, ins K5 zu gehen und dort Infos über linke Strukturen preiszugeben.
Auf einen der Vorwürfe muss dennoch kurz gesondert eingegangen werden: „Unerlaubte Kontaktaufnahme mit Gefangenen“ ist eine Ordnungswidrigkeit, die sich auf nicht genehmigte Kontaktaufnahme mit Strafgefangenen oder vorläufig Festgenommenen bezieht. Abschiebehäftlinge werden von dieser Vorschrift also gar nicht erfasst, weil sie weder Strafhäftlinge noch vorläufig festgenommen sind. Dennoch gelten im Rendsburger Abschiebeknast rigide Besuchsregelungen, Besuche bei Insassen sind nur möglich, wenn der Name des Insassen bekannt ist. Die Kontaktaufnahme über den Knasthof ist also auch eine Möglichkeit, Namen der Häftlinge zu erfragen, um sie besuchen zu können, mit ihnen über ihre Lebens- und Fluchtumstände sprechen zu können – mithin eine Voraussetzung, um Öffentlichkeitsarbeit für einzelne Personen organisieren zu können. Wir werden den dümmlichen Versuch, die Kontaktaufnahme mit Abschiebehäftlingen zu kriminalisieren, nicht einfach kommentarlos hinnehmen.
Ohne allzu viel über die Motivation der Bullen spekulieren zu wollen, stellen wir uns dennoch die Frage, was dieser Aushorchversuch nach 10 Monaten plötzlich soll. Der Protest gegen den Abschiebeknast in Rendsburg ist leider etwas eingeschlafen, außer der kriminalisierten Aktion im Dezember und ein bisschen Farbe und Glasbruch im März, ist dort im vergangenen Jahr von autonomen Zusammenhängen nicht viel gelaufen. Es kann dem K5 also nicht darum gehen, Druck auf eine starke Protestbewegung auszuüben oder diese auszuspionieren. Es wäre allerdings denkbar, dass die Vorladungen in Zusammenhang mit den Bullenbriefen wegen der Proteste gegen das Global Economic Symposium (GES) in Kiel einen aktuellen Versuch des K5 darstellen, Einblick in linke Strukturen im Allgemeinen zu kriegen.
Müßig, zu sagen, dass dies natürlich nicht gelingen wird: Ayshe und Arthur halten das Maul und labern nicht mit den Bullen. Wir werden euch nicht dabei helfen, irgendwelche abstrusen Konstrukte gegen uns und unsere Freund_innen und Genoss_innen zu erfinden, zu erhärten oder was auch immer ihr vorhabt. Wir werden uns auch weiterhin für eine Welt ohne Grenzen einsetzen und würden uns freuen, wenn auch Menschen außerhalb von Rendsburg den Protest gegen den Abschiebeknast mal wieder etwas beleben würden.

Antifa Rendsburg & antirassistische Brieffeind_innen

Ein Nachruf

Vor wenigen Tagen erreichte uns die Nachricht, dass ein guter Freund und Genosse den Kampf gegen seine schwere Krankheit verloren hat. Mit ihm verlässt uns ein Mensch, der sich viele Jahre für andere eingesetzt hat und der half, wo er nur konnte. Viele von uns kannten ihn aus politischen Zusammenhängen, haben mit ihm zusammen Aktionen durchgeführt, gegen den Abschiebeknast und die Abschiebehaft gearbeitet oder wurden in ihrer Entwicklung positiv von ihm unterstützt. Seine selbstlose, solidarische Art war für viele Menschen eine große Hilfe und Ansporn für eigene Aktivitäten.

Es geht ein guter Mensch von uns. Unsere Trauer und unsere Gedanken gelten seiner Familie und seinen Freunden.

03.09. Demo in Schwerin

Keinen Tag länger – Nazis raus aus den Parlamenten!

Fünf Jahre ist es her, dass knapp 60.000 Menschen die NPD in das Landesparlament von Mecklenburg-Vorpommern wählten. Dieses Jahr ist ihr erklärtes Ziel der Wiedereinzug in den Landtag. Wir sagen: Keinen Tag länger – Nazis raus aus den Parlamenten!

Stadt, Land, Schloss – 5 Jahre Nazis im Landtag

Mit dem Einzug in das Schweriner Schloss wurde den Neonazis nicht nur eine neue Bühne für ihre menschenverachtende Propaganda eröffnet, sondern auch ein massiver Ausbau ihrer Infrastruktur und Verankerung vor Ort ermöglicht. Seit dem ist kaum ein Tag vergangen, an dem die 6 Abgeordneten der NPD und ihre Schar an Fraktions-Helfern, Schlägern und Handlangern nicht durch einen Eklat, durch irgendeinen dreisten Skandal, eine überflüssige Bemerkung oder eine menschenverachtende Beleidigung aufgefallen wären. Die Landtagsfraktion stellt NS-Verherrlichung ins Rampenlicht: Unverhohlen lassen die Schweriner Berufsnazis Antisemitismus, Rassismus, rechte Geschichtsklitterung, ein uraltes Familien- und Frauenbild und Sozialchauvinismus vom Redepult durch den Plenarsaal strahlen und propagieren öffentlich ein neonazistisches Weltbild. Diese grauenhafte Freakshow, die den Nazis als essentielle Einnahmequelle, willkommene Propagandabühne und Funktionärsschule dient, soll – wenn es nach ihnen geht – mit der Landtagswahl am 04. September in die nächste Runde gehen.

Der NPD in die Suppe spucken

Der Wahlkampf der NPD verläuft äußerst desolat. Schon der Wahlkampfauftakt am 1.Mai wurde für den Spitzenkandidaten Udo Pastörs samt Anhang dank Massenblockaden in Greifswald zum Desaster. Bereits dort zeichnete sich ein Bild, welches sich die letzten Monate fortsetzte. Die Konzept- und Planlosigkeit der NPD spricht Bände. Es mangelt an allem. Es scheint gar, dass das eigene Personal sich nicht so recht für den „Sturm auf das Schloss“ einspannen lassen will. Antifaschistischer Protest am Rande von Kundgebungen, Infoständen und Demonstrationen degradiert ihre perfide Inszenierung zu einem plumpen Straßentheater. Ihren angekratzten Hegemonialanspruch versuchten die Nazis der NPD in den letzten Wochen gewaltsam wiederherzustellen. Menschen, die nicht in das rechte Weltbild passen, sahen sich vermehrt mit gewalttätigen Einschüchterungsversuchen seitens der Neonazis konfrontiert: Diese reichten von gezielten körperlichen Angriffen auf nicht-rechte Jugendliche und Migrant_innen bis hin zu Anschlägen auf Privatwohnungen von vermeintlichen Antifaschist_innen, alternative Wohnprojekte und Büros demokratischer Parteien. Doch dieses Ziel haben sie klar und deutlich verfehlt. Solidarität mit den Betroffenen rechter Gewalt und entschlossenes Reagieren auf Übergriffe sind unsere Antwort auf neonazistische Einschüchterungsversuche!

Keine Lösung, sondern Teil des Problems

Trotz NS-Verherrlichung und Nazigewalt gaben 60.000 Menschen der NPD ihre Stimme bei der letzten Landtagswahl. Es bleibt zu befürchten, dass den Nazis mithilfe der Bevölkerung MV’s auch dieses Jahr der Einzug in den Landtag gelingt. Dazu nutzen die Nazis gezielt die sozialen und politischen Folgen des kapitalistischen Systems für nationalistische Propaganda und Stimmenfang. Es ist kein Protest der neonazistischen NPD Verantwortung zu übertragen. Stellen wir klar, dass der Widerstand gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Verwertungslogik nur solidarisch über Grenzen hinweg zu führen ist. Eine “deutsche Volksgemeinschaft”, antisemitische Verschwörungstheorien und rassistische Ausgrenzung sind keine Lösungen, sondern Teil des Problems. Wir kämpfen für eine gerechte Gesellschaft für alle – unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Geschlecht – und lassen unseren Kampf gegen Nazis nicht als extremistisch diffamieren. Ob im Wahlkampf der Neonazis oder nach dem 4.September – rechte Einstellungen finden sich überall in der Gesellschaft. Egal ob in Schule, Betrieb oder Kneipe; bei mehreren tausend Stimmen für die NPD bleibt auch dort weiterhin jede Menge zu tun.

Dem Spuk ein Ende bereiten

Weitere fünf Jahre NS-Verherrlichung im Schweriner Schloss? Noch eine Legislaturperiode lang rassistische Pöbeleien im Schutze der Abgeordneten-Immunität? Ohne uns, denn das Maß ist schon lange voll! Mit einer kraftvollen antifaschistischen Demonstration werden wir dafür sorgen, dass am Vorabend der Wahl keine falsche Ruhe aufkommt. Gemeinsam werden wir in der tristen Beamtenstadt antifaschistische Akzente setzen. Keine Stimme den Nazis, keinen Kaffee und keinen Kuchen für Wahlkämpfer!

Antifa-Demo am 03. September 2011 in Schwerin // Hauptbahnhof, 12 Uhr

Interview:
Auf Kombinat Fortschritt findet ihr ein interessantes Interview zur Demo.

Bettenbörse:
Es gibt Übernachtungsmöglichkeiten in Schwerin, wer Interesse hat, meldet sich bei schlafroomaction@web.de
Meldet euch bitte frühzeitig um die Koordination zu vereinfachen. Bring euch Schlafsäcke und Isomatten mit.

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Aufruf: Bad Nenndorf

Bad Nenndorf

6. August 2011: Naziaufmarsch verhindern
Faschismus bekämpfen
NS-Verherrlichung stoppen.

In diesem Jahr am 6. August wollen wieder hunderte Neonazis aus Deutsand und dem benachbarten Ausland ihren „Gedenk“– Marsch in Bad Nenndorf abhalten. Ihrer Darstellung nach trauern sie um die Menschen, die während ihrer Inhaftierung im Bad Nenndorfer Militärgefängnis „Wincklerbad“ verstorben sind. DasWincklerbad war nach dem 2.Weltkrieg Verhörlager der britischen Armee, in dem u.a. 0swald Pohl, SS-General und Leiter des SS-Wirtschafts- & Verwaltungshauptannes und somit zuständig für die Konzentrationslager, inhaftiert war. In Wahrheit geht es ihnen aber nur darum, die Geschichte zu ihren Gunsten umzudeuten. Aus deutschenTätern sollen Opfer „alliierter Gewaltherrschaft“ werden. Die Teilnehmerzahlen an diesem Aufmarsch steigen von Jahr zu Jahr. Es ist der großte Aufmarsch Norddeutschlands und der drittgrößte in der BRD. Seit dem. Aufmarsch im Jahr 2006 gab es immer wieder einfallsreiche Aktionen, die den Aufmarsch verzögern und stören konnten. Gänzlich verhindert werden konnte er leider bisher nicht. So auch im vergangen Jahr, als die Polizei den Aufmarsch von rund 900 Neonazis an einer Betonpyramide mit angeketteten Gegendemonstrant_Innen vor dem Wincklerbad vorbeiführte — und damit auf die Forderungen des Anmelders Marcus Winter einging. Auch in diesem Jahr werden mehrere hundert Nazis in Bad Nenndorf erwartet.
Dresden und andere Städte haben gezeigt: Mission possible! Trotz der politischen Gewolltheit des Aufmarsches und der enormen Polizeipräsenz der letzten Jahre sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt! Offensiv stoppen. Kreativ sabotieren. Kommt am 6. August nach Bad Nenndorf!

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Aufruf als Jingle für Lesefaule

Nazis auf Facebook: Artikel in der TAZ

Vor einigen Tagen ist nun auch ein Artikel in der TAZ erschienen, der sich mit dem „Fall Grube“ und der Instrumentalisierung der Anti-Kinderschänder Bewegung durch die NPD und Kameradschaften auseinandersetzt. Interessant ist auch, das Grube selbst in dem Artikel zu Wort kommt und sich, wie zu erwarten war, nicht von der braunen Ideologie distanziert.

Kurz dokumentiert

Während Agnes Miegel noch immer Namensgeberin für eine Straße in Büdelsdorf ist, scheint es, als würde sich der Trend andernorts dorthin bewegen, NS-Persönlichkeiten aus dem Stadtbild zu verbannen. So wurde bereits am 27.​10.​10 eine ebanfalls nach Miegel benannte Straße in Erfstadt umbenannt, und auch in Lünen scheint man nun über eine Umbenennung der nach Agnes Miegel und Karl Wagenfeld benannten Straßen nachzudenken. Warum aber scheinen der hiesige Stadtrat und die AnwohnerInnen so an ihrer Nazidichterin zu hängen? Einen vernünftigen Grund zu finden fällt vermutlich nicht bloß dem Autor schwer, daher abschließend einmal mehr die Forderung nach der längst überfälligen Umbenennung der Agnes-Miegel-Straße um somit eindeutig Stellung gegen Nazis und braunes Gedankengut zu beziehen.

Besser spät als nie?

Nach etwa einem Monat des konsequenten Totschweigens, hat man sich bei der SHZ nun endlich dazu durchgerungen, sich das eigene journalistische Versagen einzugestehen und eine Richtigstellung bezüglich des Artikels vom 22.06., in dem man Dennis Grubes zweifelhaftes Engagement auf Facebook noch in höchsten Tönen lobte, zu veröffentlichen. Zwar wird in dem Artikel nicht erwähnt, dass jedes vierjährige Kind, unter Zu­hil­fe­nah­me des Internets, schnell Näheres über die Gesinnung „Dennis G.“s (beim letzten mal war es doch auch kein Problem den vollen Namen zu schreiben…) hätte rausbekommen können, aber wer soll einem Provinzblatt, das ansonsten über Traktorrennen und Rendsburger Herbst berichtet, einen solchen Faux­pas schon übel nehnem? Deshalb abschließend der Ratschlag an die Redaktion der LZ, derlei „Schlagzeilen“ zukünftig der Springer-Presse zu überlassen, anstatt zu versuchen Faschos zu lokalen Berühmtheiten zu erheben wenn das nächste Sommerloch vor der Tür steht.

SHZ bietet Neonazis Forum

Dennis Grube SHZ
Foto: Euler

Wie der Landeszeitung vom 22.06.11 zu entnehmen war, hat Rendsburg nun seinen eigenen „Pädophilen-Jäger“. Ein recht großer Artikel auf der ersten Seite des Lokalteils der Landeszeitung berichtete über seine Aktivitäten. Über die Bezeichnung kann man streiten, grundsätzlich wird aber kaum jemand besonders begeistert sein von Menschen, die sich an Kindern vergehen. Der Mitarbeiter der Landeszeitung hat in diesem Fall nur leider versäumt zu recherchieren, wem hier begeistert zugejubelt wird. Denn Dennis Grube ist nicht einfach der nette Nachbar, der die Facebook-Welt in zwei Stunden täglich ein wenig sicherer macht. Er ist nicht nur der aus Lübeck nach Rendsburg gezogene gute Kumpel, der hier als Koch arbeitet. Dennis Grube ist Neonazi.

Dennis Grube 1

Dennis Grube 2

Auf den uns weitergeleiteten Fotos ist Grube mit einem T-Shirt auf dem ein Wehrmachtssoldat vor der Hakenkreuzfahne steht zu sehen. Das Hakenkreuz verdeckt der Soldat mit seinem Kopf. Auf einem anderen Bild posiert Grube mit einem T-Shirt der Neonazi-Band „Weiße Wölfe“. Mitglieder dieser Band standen ab 2005 immer wieder wegen Volksverhetzung und der Verbreitung ausländerfeindlicher Schriften vor Gericht. Da ihnen die direkte Produktion ihrer CD „Weiße Wut“ nicht nachgewiesen werden konnte, wurden sie freigesprochen. Ihre Texte sprechen allerdings für sich:

Wir alle sind Kinder des Reiches, die Erben arischer Werte, drum bekenne Dich zu Deiner Herkunft mit Stolz, Blut und Ehre. (Weiße Wölfe – Kinder des Reiches)
Wartet ihr Brüder, jetzt kommt die Rache, Juda verrecke und Deutschland erwache… Und haben wir die alleinige Führung, dann weinen viele, doch nicht vor Rührung. Für unser Fest ist nichts zu teuer, 10.000 Juden für ein Freudenfeuer. (Weiße Wölfe – Unsere Antwort)
Weiße Wölfe – Weiße Wut, Weiße Kämpfer – Arisches Blut. (Weiße Wölfe – Weiße Wut)
Ruhm und Ehre der Waffen-SS, in stiller Trauer wolln wir ihrer gedenken. Ihre Treue soll uns ein Vorbild sein bei unserm Handeln und Lenken. Sieg Heil! (Weiße Wölfe – Ruhm und Ehre)
Hail C18, you know what I mean. Hail, hail, hail, the terrormachine. Hail, hail, hail, Combat 18. (Weiße Wölfe – Hail C18)

Machete

Auf einem weiteren Foto posiert Grube mit einer riesigen Machete, die er jemandem an den Hals drückt.

Wer sich die Gruppe „Stoppt Kinderschänder bei Facebook“ ansieht, in der Grube mitmischt, entdeckt auf Anhieb mindestens ein Drittel Personen, die der NPD oder den sogenannten „Freien Nationalisten“ nahestehen. Zu sehen sind Parteisymbole ebenso wie rechte Parolen und Namen, die sich auf Nazibands oder die nordische Mythologie beziehen. Bei genauerem Ansehen der Profile steigt die Zahl der Treffer im rechten Spektrum massiv an. Dies ist weder Zufall, noch ein Missgeschick unvorsichtiger Administratoren. Denn über die Hälfte der Administratoren ist auf Anhieb als Nazi erkennbar. Es ist vielmehr gängige Strategie von Nazis sich auf das Thema Kindesmissbrauch zu stürzen und es zu besetzen. Sie wissen genau, dass kaum jemand ernsthaft Partei für Pädophile ergreifen würde.
Nazis geht es dabei aber nicht um das Wohl der Kinder. Es geht ihnen um das Aussortieren dessen, was sie für die von ihnen so genannte „Volksgemeinschaft“ als schädlich empfinden. Sie fordern zwar ganz allgemein den Schutz von Kindern und eine härtere Gangart gegen Pädophile. Gemeint sind damit aber ausschließlich „deutsche“ Kinder und einmal mehr das Ermorden von Menschen, die sie als nicht lebenswert erachten („Todesstrafe für Kinderschänder“). Es geht ihnen eben nicht darum Sextätern das Handwerk zu legen, sondern darum Stimmung zu machen und über ein heiß diskutiertes Thema die Möglichkeit zu nutzen, ihre Vorstellungen einer abgeschotteten, „rein deutschen Volksgemeinschaft“ in die breite Masse zu tragen. Sie benutzen die berechtigte Sorge ihrer Mitmenschen als Einfallstor für ihre Propaganda. Die Lösung, die Nazis anbieten, passt zu der Musik, die sie hören. „Todesstrafe für Kinderschänder“ ist ihre Forderung. Auf Klamotten, Aufklebern und in der Musik, die sie spielen. Eine ebenso simple, wie entlarvende Forderung. Denn alles, was nicht in das Bild von Nazis passt, wird mit Gewalt bekämpft und wenn möglich endgültig beseitigt. Ganz gleich ob Kinderschänder, Ausländer, Linke oder wie in den Texten der Band „Weiße Wölfe“ mehr als deutlich gefordert: Juden.

Jemand, der mit solchen T-Shirts herumläuft, anderen Menschen eine Machete an den Hals hält und Musik hört, die zu Mord und Totschlag aufruft, ist wohl kaum geeignet sich um die Sicherheit von Kindern zu bemühen. Vielmehr wird hier wieder einmal deutlich wie einfach es für Neonazis ist ein emotional aufgeladenes Thema wie Kindesmissbrauch zu benutzen. Und die Landeszeitung macht sich zum Handlanger.

Polizei durchsucht Wohnungen von 34 Neonazis in Schleswig-Holstein

In Folge des Angriffs von etwa 40 Neonazis auf eine DGB-Kundgebung am
1. Mai in Husum hat die Polizei am Dienstag (17.5.11) die Wohnungen
von 34 Neonazis durchsucht. Ihnen wird Landfriedensbruch vorgeworfen.
Von den Durchsuchungen betroffen war laut Informationen der taz auch
der NPD-Landesvorsitzende Jens Lütke.

Es wird davon ausgegangen, dass die Aktion im voraus länger geplant
war. Dafür spricht, dass die schleswig-holsteinischen Neonazis am 1.
Mai nicht zu einer der anderen in Norddeutschland angesetzten
Nazi-Demonstrationen gefahren sind. Die Nazis selber bezeichnen den
Aufmarsch als „Spontanaktion mit […] vielen freien wie
parteigebundenen Kameraden aus ganz Schleswig-Holstein“.

Die etwa 40 Nazis sind an jenem 1. Mai mit Transparenten durch Husum
marschiert und haben im Anschluss die sich gerade im Aufbau
befindliche Kundgebung des DGB angegriffen, dort Stände umgeworfen
und mehrere Personen attackiert. Auf dem Rückweg aus Husum wurde der
Autokonvoi der Neonazis von der Polizei gestoppt und deren Personalien
aufgenommen.

Der Aufmarsch in Husum war eine von mehreren „spontanen“ Nazi-Aktionen
in den letzten Wochen in Schleswig-Holstein. Zuletzt hielten etwa Nazis am
8. Mai eine Kundgebung in Laboe in der Nähe von Kiel ab.